"Kleine Zeitung"-Kommentar: "Wieder im Spiel" (Von Stefan Winkler)

Ausgabe vom 5. Dezember 2002

Graz (OTS) - Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt." Der berühmte Satz, mit dem der Philosoph Blaise Pascal einst die Polarität zwischen Denken und Glauben umschrieb, könnte ebenso gut auf die Befindlichkeit der Grünen umgelegt werden: Erstmals böte sich ihnen die Chance, Regierungsverantwortung zu übernehmen, doch bisher zeigten sie sich von den Balzsignalen, die die ÖVP aussandte, unbeeindruckt.

Emotional ist das aus vielerlei Gründen verständlich, politisch aber ist es kurzsichtig. Man muss Schüssel nicht mögen, um mit ihm zu regieren.

Das hat nun auch die grüne Parteispitze begriffen. Seit gestern hält Alexander Van der Bellen Schwarz-Grün nicht mehr für unmöglich. Dabei mag die Einsicht eine Rolle gespielt haben, dass das Verhältnis der Parteien zueinander nie ein ruhender Besitz, sondern eine immer neu zu erwerbende Paradoxie ist. Wer gestalten will, darf sich nicht selbst aus dem Spiel nehmen.

Die Grünen taten das bislang mit Verve, und sie hatten eine bequeme Ausflucht dafür: Ihr politisches Ethos würde es ihnen verbieten, mit der ÖVP zu koalieren. Davon war gestern keine Rede mehr. Die Grünen steigen vom hohen Ross - willkommen beim Poker um die Regierung. ****

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