Theo Sommer über die EU: "Aus dem Vielen, eine vereinte Vielfalt"

Gedenkvortrag des Bruno Kreisky Forums: "Das größere Europa in der Welt von morgen"

Wien (SK) "Endlich streitet Europa nicht mehr über den Krümmungsradius von Gurken, jetzt redet Europa über seine Finalität, über seine Stellung in der globalisierten Welt", erklärte Theo Sommer (Editor-at-Large "Die Zeit") am Montag anlässlich eines vom Bruno Kreisky Forum für Internationalen Dialog organisierten Gedenkvortrags in Memoriam Marion Gräfin Dönhoff. Der Konvent über die Zukunft Europas lasse die Europäer in eine "Philadelphia-Phase", ähnlich der Gründung der USA, eintreten, so der "Zeit"-Journalist weiter. Das vereinte Europa nach der Osterweiterung und dem EU-Konvent werde aber keineswegs ein "Einheitsbrei", sondern ein neuer Typus von Gemeinwesen, - frei nach dem Wahlspruch: "aus dem Vielen, eine vereinte Vielfalt." ****

Sommer skizzierte die zukünftigen Herausforderungen Europas in der globalisierten Welt anhand sieben Thesen:
1.) Europa muss einen Bruch mit den USA verhindern und versuchen, Multilateralismus als politische Denkweise weltweit zu etablieren. 2.) Die Europäische Staatengemeinschaft steht vor der Aufgabe, eine Weltordnung durchzusetzen, in der sich die Gewichte der Macht in einer multipolaren Balance befinden und somit globale Stabilität bringen.
3.) Die EU muss der nichtmilitärischen Krisenprävention ausreichend Raum lassen.
4.) Die internationalen Organisationen müssen gestärkt werden, um den Frieden zu sichern.
5.) Die Weltsozialpolitik muss mittels Entwicklungshilfe von den Europäern vorexerziert werden, um sozialen Frieden auf der Welt herzustellen, und somit Terrorismus vorzubeugen.
6.) Die EU muss weltweit als Hüterin der Menschenrechte auftreten.
7.) Angesichts des derzeitigen Klimawandels, muss Europa die Umweltproblematik ausreichend im Bewusstsein der Gesellschaft verankern.
Dies seien die Voraussetzungen, um die EU in positiver Weise als Weltmacht zu positionieren, so die Annahme des Journalisten.

Der "Zeit"-Redakteur betonte, dass man im Bereich der Sozialpolitik nicht die USA zum Vorbild nehmen solle - Man dürfe den Sozialstaat nicht aushöhlen. Vor allem der Missbrauch des Sozialsystems müsse verhindert werden, wobei der soziale Zusammenhalt innerhalb der EU-Grenzen oberste Priorität haben müsse. "Es lohnt sich, das kontinentaleuropäische Modell des Wohlfahrtsstaates über die momentane Krise hinüber zu retten", unterstrich Sommer abschließend angesichts der schlechten Finanzsituation der EU-Mitgliedsstaaten. (Schluss) dp

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