Umfassende Betreuung: Die Kombination pharmakologischer, psycho- und soziotherapeutischer Maßnahmen in der Behandlung der Schizophrenie - Teil 2

Wien (OTS) - "Schizophrenie ist eine der am meisten
missverstandenen Krankheiten. Die häufigsten falschen Vorstellungen sind, dass an Schizophrenie erkrankte Personen eine gespaltene Persönlichkeit haben, sie wesentlich gefährlicher sind als Gesunde und dass die Krankheit unheilbar ist. Das Vorurteil der Unheilbarkeit und Unbehandelbarkeit hielt nicht einmal zu Zeiten, als es noch keine modernen Therapien gab, den Fakten stand. Denn ein Teil der an Schizophrenie Erkrankten wurde auch zu jener Zeit wieder gesund", erläuterte heute Univ.-Prof. Dr. Heinz Katschnig, Vorstand der Universitätsklinik für Psychiatrie, beim Pressegespräch "Aktuelle Aspekte der Schizophrenie und ihrer Behandlung".

Katschnig: "Umso weniger gilt dieses Vorurteil heute, wo eine breite Palette von hochwirksamen pharmakologischen, psychotherapeutischen und soziotherapeutischen Behandlungsmethoden zur Verfügung steht. Die Symptome werden erfolgreich behandelt, der Krankheitsverlauf wird abgekürzt und die Lebensqualität von Patienten und indirekt auch die ihrer Angehörigen deutlich verbessert."

Moderne Antipsychotika verkürzen Spitalsaufenthalte und

reduzieren Gesamtkosten der Behandlung

Deshalb wurden kürzlich von H. Katschnig, H. Donat, W. Fleischhacker und U. Meise om Auftrag der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie "4 x 8 Empfehlungen für die Behandlung von Schizophrenie" (edition pro mente, Linz 2002) publiziert, die diesen State of the Art festhalten. Das National Institute for Clinical Excellence (NICE) hat kürzlich der britischen Regierung empfohlen, im "National Health Service" die neue Generation von Antipsychotika als First Line Treatment zu verwenden. Katschnig: "Der günstige Verlauf unter diesen Medikamenten führt zu einer Reduktion der Spitalsaufenthalte und damit nicht nur zu einer Erhöhung der Lebensqualität sondern auch zu einer deutlichen Reduktion der Gesamtkosten."

Zumeist tritt die Erkrankung in der Spätadoleszenz und im jungen Erwachsenenalter erstmals auf. Gerade in diesen Lebensjahren durchkreuzt die Krankheit Erwartungen und Entwicklungsmöglichkeiten der Betroffenen in einer sehr dramatischen Weise. Fehlende Informationen über die Krankheit und wie sie sich tatsächlich äußert kommen hinzu, wodurch sie oft zu spät erkannt wird. Erste Anzeichen sind Denkstörungen und sozialer Rückzug und erst sekundär kommt es zu Wahnideen und Halluzinationen, keinesfalls aber zu einer Persönlichkeitsspaltung, wie ein häufig verbreitetes Vorurteil lautet.

Neue Generation von Antipsychotika hat viel weniger

Nebenwirkungen

Die Akut- und Langzeitbehandlung der Krankheit war lange Zeit durch so genannte "typische Antipsychotika" (klassische Neuroleptik) dominiert, die zahlreiche Nebenwirkungen aufweisen. Eine neue Generation von Antipsychotika (atypische Antipsychotik), die seit einigen Jahren erhältlich ist, weist nicht nur viel weniger Nebenwirkungen auf, sondern hat auch die spezielle Eigenschaft, die Patienten zu motivieren, an psychosozialen Therapien und am sozialen Leben teilzunehmen. Eine wichtige Voraussetzung für ihre Integration, so der Vorstand der Wr. Universitätsklinik für Psychiatrie.

Katschnig abschließend: "Studien zeigen, dass Patienten, die neue Antipsychotika erhalten, in einem wesentlich höheren Ausmaß psychotherapeutische und soziotherapeutische Therapieangebote wahrnehmen als Patienten, die alte Antipsychotika erhalten. Die Kombination aller drei Maßnahmen kann die Prognose entscheidend verbessern. Umfragen zeigen, dass eine Kombination aller drei genannten Therapieverfahren bevorzugt von den an Schizophrenie Erkrankten angenommen wird. Die Finanzierung gerade der psycho- und soziotherapeutischen Maßnahmen ist in Österreich aber nach wie vor nicht gesichert."

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Univ.-Prof. Dr. Heinz Katschnig,
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