"Neues Volksblatt" Kommentar: "Unkenrufe" (Von Franz Rohrhofer)

Ausgabe vom 3. Dezember 2002

LINZ (OTS) - Wochenmagazine ergehen sich derzeit in
Beschwörungen, wie viel Macht der ÖVP in Österreich zugefallen sei. Da müssen auch die Landeshauptleute, die Höchstrichter und die ORF-Spitze herhalten, um ein grausliches Bild der schwarzen Übermacht zu malen. Und man erinnert sich plötzlich, dass auch Thomas Klestil einmal von der ÖVP unterstützt wurde. Man geht wohl recht in der Annahme, dass diese Unkenrufe nicht allein auf dem Mist einiger Magazinredakteure gewachsen, sondern von einem bestimmten politischen Eck aus gesteuert sind. Deshalb lohnt sich eine Klarstellung. Es war der so oft beschworene Wählerwille, der der Kanzlerpartei eine deutliche Mehrheit gab. Den kann man durch Gräuelpropaganda nicht einfach umdrehen. Was die Bundesländer betrifft, haben die Wähler offensichtlich seit Jahrzehnten keine Angst vor der Macht der ÖVP, sondern sind so zufrieden, dass sie sie immer wieder stärken. Und im Übrigen war es der SPÖ unter Bruno Kreisky sehr recht, dass gleichzeitig ein von der SPÖ nominierter Bundespräsident im Amt war. Die jetzt gespielte Entrüstung ist daher nur ein billiger Nachwahl-Trick. Er wirkt umso schwächer, als die Oppositionsparteien gleichzeitig nicht bereit sind, die Macht der ÖVP durch einen Koalitionspakt zu beschneiden.

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