Gesundheitszeugnis ist teure Hürde mit unerwünschten Nebenwirkungen

Trügerischer Schutz der "Volksgesundheit" lähmt den internationalen Praktikantenaustausch

Wien (OTS) - Ab Jänner müssen Fremde, die sich länger als
sechs Monate in Österreich aufhalten wollen, bereits im Ausland ein Gesundheitszeugnis vorweisen. Der entsprechende Entwurf des BMSG dazu ist bis heute in Begutachtung. Darin wird eine äußerst umfangreiche aber medizinisch wenig plausible Liste an Untersuchungen festgelegt.

Demnach werden Erkrankungen mit Verlauf weniger Tage angeführt, obwohl zwischen Test und Einreise Monate verstreichen. "Cholera zB hat eine Verlaufsdauer von wenigen Wochen und gilt anschließend als ausgeheilt. Ein Nachweis drei Monate vor der Einreise ist also nicht sinnvoll.", so Christoph Weber von der Austrian Medical Students Association. Hinzu kommt, dass eine "Gefährdung der Volksgesundheit" (Zitat §8 FrG) erwiesenermaßen kaum von Langzeitaufenthalten ausgeht. Weitaus kritischer sind hier Aufenthalte unter der gesetzlich erfassten 6-Monats-Grenze (zB von Touristen).

Laut BMI ist jede Krankheit aus dem Gesundheitszeugnis ein relativer Versagungsgrund nach § 10 FrG. Selbst Hepatitis-Patienten könnte so die Niederlassungsbewilligung verweigert werden. Derartige Benachteiligungen wären nicht nur menschlich ungerecht. Sie würden auch Österreichs Ansehen schaden.

Abgesehen davon scheitern einige der verlangten Nachweise bereits an der Verfügbarkeit in manchen Ländern. Mehr noch:
"Lepratests sind auf der ganzen Welt nicht lieferbar", stellt Prof. Dr. Helwig Kollaritsch, Leiter des Tropeninstitutes der Universität Wien, fest.

Einen weiteren Kritikpunkt stellen die zu erwartenden Kosten dar. Die Untersuchungen, sofern überhaupt verfügbar, würden zB in Österreich über 500,00 Euro kosten. Gerade für Praktikanten aus ärmeren Ländern wäre das eine massive finanzielle Belastung.

Die studentisch geführten, politisch unabhängige Austauschorganisationen AIESEC, AMSA, ELSA und IAESTE vermitteln jährlich etwa 1000 Auslandspraktika. Österreichische Studierende erlangen so wertvolle internationale Erfahrungen und Zusatzqualifikationen fürs weitere Leben. Das ist nur möglich, da im Gegenzug attraktive österreichische Praktikumplätze für ausländische Studierende geboten werden können.

Einseitige Beschränkungen für ausländische Studierende verringern automatisch die Chancen für Österreicher auf ein Auslandspraktikum. Auch für Österreichs Wirtschaft entstehen langfristig Nachteile, wenn so die internationalen Ausbildungsmöglichkeiten eingeschränkt werden.

Die genannten Organisationen stufen das Gesundheitszeugnis in der derzeitigen Fassung als teure Hürde ein. Positive Effekte auf die Gesundheit der österreichischen Bevölkerung sind jedoch nicht erkennbar. Sie fordern ausdrücklich die Reduktion der vorgesehenen Gesundheitstests auf jene, die weltweit durchführbar, allgemein leistbar sowie medizinisch sinnvoll sind.

Antonia Weber, AIESEC Austria (Wirtschaftspraktika)
Christoph Weber, AMSA Austria (medizinische Praktika)
Andreas Nagy, ELSA Austria (juristische Praktika)
Stefan Jorthan, IAESTE Austria (technische Praktika)

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(ISAA)
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