"Kleine Zeitung" Kommentar: Der Biss (Von Claudia Gigler) Utl: Ausgabe vom 2. Dezember 2002

Graz (OTS) - Eine Haider-freie FPÖ gibt es nicht - damit werden sich wohl auch die abfinden müssen, die das Unfassbare wagten: Sie riefen zur Rebellion gegen den Rebellen auf.

Im Grunde wissen es alle: Haider steht längst für sich allein. Er hat sich von seiner Partei emanzipiert, doch nicht entbunden, er hat sich quasi über sie gestülpt.

Früher hat der Schmarotzer seinen Wirt geziert, jetzt entzieht er ihm den Lebenssaft. Die Symbiose ist zu weit fortgeschritten für einen kühnen Schnitt: Wer den Schmarotzer tötet, tötet auch den Wirt.

Die mittlerweile wieder recht kleine Welt der FPÖ hat sich nur innerhalb dieses Lebensraums verändert: Bis zum Sommer dieses Jahres galt ER, der Meister, als sakrosankt.

Jetzt plötzlich ist Kritik an einem bis vor kurzem noch Unberührbaren "in" geworden - die Partei hat gewaltig zu kiefeln an dieser Erkenntnis über sich selbst. Auch wenn gestern von einer Wiener Stadträtin
Zeugnis davon abgelegt wurde, dass das Unterwerfungsritual in der FPÖ notfalls noch funktioniert.
Unübersehbar ist: Es kiefelt auch Jörg Haider. Der Held ist alt, aber nicht zahnlos geworden. Dafür fehlt seinen Herausforderern schon allein der Mut zum Biss. ****

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