"25 Jahre Jungunternehmer/Innen Förderungsaktion": Österreichs Jungunternehmer: ein Weltkonzern

Wien (OTS) - 25 Jahre österreichische Gründungsförderung: 31.000 geförderte Unternehmen mit 100.000 Arbeitsplätzen -- Trend zur Dienstleistung -Österreich braucht mehr Jungunternehmer und mehr Risikofinanzierung - Wirtschaftsminister Bartenstein: Bis 2005 Selbständigenquote auf 10 % erhöhen - öffentliche Hand verbreitert Finanzierungschancen für Mittelstandsunternehmen - österreichische Universitätsinstitute für Entrepreneurship sehen hohes Interesse an Unternehmensgründungen - riesiges Reservoir ungenutzter technologischer Entdeckungen und Erfindungen in Österreich.

Die österreichische Gründungsförderung im Austria Wirtschaftsservice, früher Bürges, feierte gestern (28. 11. 2002) ihr 25-jähriges Bestehen. In diesem Vierteljahrhundert wurden 30.907 junge Unternehmen mit rund 100.000 Arbeitsplätzen und einem Volumen von 1,4 Mrd. Euro gefördert. Das entspricht einer durchschnittlichen Förderung von 1.652 Euro für jeden neugeschaffenen Arbeitsplatz.

Dr. Helmut Dorn, langjähriger Chef der österreichischen Gründungsförderung, verglich diese Zahlen in Summe mit "einem soliden Weltkonzern", der mit Unterstützung seiner Organisation an jungen Unternehmen in den vergangenen 25 Jahren entstanden ist.

Österreich erlebt seit 1997 einen wahren Gründungsboom, ergab eine Analyse am Institut für Entrepreneurship der Wiener Wirtschaftsuniversität. Dort wurden die Ergebnisse von 25 Jahren Jungunternehmerförderung in Österreich analysiert. Die bemerkenswertesten Ergebnisse dieser Studie sind: Bei der zunehmenden Zahl von Unternehmensgründungen gibt es einen starken Trend zu Dienstleistungen; Handels- und Produktionsunternehmen sind unter den Neugründungen leicht rückläufig.

Regional betrachtet ist Oberösterreich das gründungsintensivste Bundesland, gefolgt von Wien, Niederösterreich und der Steiermark. 70 % der österreichischen Jungunternehmer sind Männer. Rund 90 % der jungen Betriebe sind Einzelunternehmen, bei den übrigen dominieren GesmbHs.

Österreich hat Nachholbedarf bei Unternehmergesinnung

Die Persönlichkeitsstruktur heimischer Jungunternehmer hat sich in den vergangenen Jahren nicht geändert, berichtete Dr. Helmut Dorn, Chef der österreichischen Gründungsförderung. Trotz stetig steigender Zahlen von Unternehmensgründungen - 2001 wurden bereits rund 30.000 registriert - herrsche in unserem Land noch immer ein gegenüber anderen westlichen Industriestaaten geringerer Drang zum Unternehmertum. In den USA z. B. sei es nicht nur deutlich einfacher, Unternehmer zu werden, auch das Aufbringen von Risikokapital für junge Unternehmen sei dort leichter als in Österreich. Aber auch hier sei in den letzten Jahren ein Trend weg von der Kreditfinanzierung, hin zu mehr Eigenkapital bzw. Ersatzformen von Eigenkapital zu erkennen. Das liege an der Steuergesetzgebung (Abschaffung von Vermögen- und Gewerbesteuer) sowie an Maßnahmen zum Eigenkapitalaufbau bei den Unternehmen (Endbesteuerung). Damit würde heute die Eigenkapital-Finanzierung von Unternehmen erleichtert, die Beteiligung von privaten Investoren an den Unternehmen als Instrument der Gründungsfinanzierung trete immer stärker hervor.

10 % Selbständigenquote bis 2005

Wirtschaftsminister Dr. Martin Bartenstein ließ bei der 25-Jahr-Feier der österreichischen Gründungsförderung einige Prioritäten der Wirtschaftspolitik der nächsten Regierung durchblicken: "Österreich hat noch immer zu wenige Unternehmer." Bis 2005 solle daher die Selbständigenquote auf 10 % erhöht werden; regelmäßig sollen pro Jahr 30.000 neue Unternehmen gegründet werden. Die öffentliche Hand werde künftig durch vermehrte Unterstützung von Eigenmittel-Surrogaten mehr Sicherheit für die Bildung von Risikokapital schaffen müssen. "Österreich muß auf diesem Gebiet noch kreativer werden und neben der Stärkung der Eigenkapitalbildung einen breiteren Mix von Finanzierungsinstrumenten bereitstellen", sagte Bartenstein. Die Bundesregierung werde ihren bisherigen Kurs, den Zugang zum Unternehmertum zu erleichtern und zu verbilligen, konsequent weiter verfolgen. Denn in den kommenden Jahren werde es für Mittelstandsunternehmern schwieriger werden, sich zu finanzieren, sagte der Minister unter Bezug auf "Basel II".

Optimismus bei den "Professoren fürs Gründen"

Die drei in Österreich erst seit kurzer Zeit wirkenden drei Universitätsinstitute für Gründungsforschung und Unternehmensentwicklung - in Wien, Linz, Klagenfurt - zeigten sich in einer ersten gemeinsamen Vision für die Zukunft von Unternehmensgründungen durchaus zuversichtlich.
Die "Zutaten für innovative Gründungen sind in Österreich reichlich vorhanden", stellte Univ.-Prof. Dr. Nikolaus Franke von der WU Wien fest. Es gebe sowohl bezüglich des wirtschaftlichen Ausbildungsstandes als auch beim Standard des technologischen Wissens (Medizin, Natur- und Ingenieurwissenschaften) keine Mängel; Österreich stehe diesbezüglich auf Weltniveau. Woran es fehle, sei die wirtschaftliche Verwertung und die konkrete Umsetzung neuer Ideen auf dem Markt. "In Österreich gibt es ein riesiges Reservoir an ungenutzten technologischen Entdeckungen und Erfindungen", sagte Franke.

Der Innovationsgrad der Erzeugnisse neugegründeter österreichischer Unternehmen lasse noch zu wünschen übrig, stellte Univ.-Prof. Dr. Erich Schwarz von der Abteilung für Innovationsmanagement und Unternehmensgründung der Universität Klagenfurt fest; auch die Erwartungen an die jungen Unternehmen bezüglich der von ihnen geschaffenen Beschäftigungsmöglichkeiten seien bisher nicht befriedigend. Die Zusammenarbeit zwischen jungen Unternehmen, deren Netzwerkbildung sowie die Suche nach neuen Formen des Unternehmertums und deren Nutzung sei hingegen vorbildlich. Univ.-Prof. Dr. Alfred Gutschelbauer von der Johannes-Kepler-Universität in Linz bezeichnete die "Bereitschaft zu Kooperationen als solide Basis für Unternehmen". Das Interesse von Studenten der Wirtschaftswissenschaft am Thema Unternehmensgründung sei hoch. Die Hauptaufgabe der jungen Unternehmer sei es, die wissenschaftliche Theorie und die praktischen Gegebenheiten des Marktes auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.

Zwtl.. Hauptprobleme: Kapital und Bürokratie

Bei der Definition der stärksten Hindernisse für Jungunternehmer waren sich Wissenschafter und Praktiker - sechs Unternehmensgründer tauschten ihre Erfahrungen beim Aufbau ihrer Unternehmen aus -- einig: 1. die Bereitstellung von Risikokapital und 2. bürokratische Barrieren. 2Österreich müßte den Zugang zum Unternehmertum einfacher machen, denn das ist das meist einzige Problem von Gründern2, sagte ein geförderter Betriebsinhaber, der sich 1977 selbständig gemacht hatte. "Trotz aller Probleme würde ich es sofort wieder tun!"

Bild zu dieser Meldung finden Sie ab 15.00 Uhr im AOM/Original Bild Service sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at

Rückfragen & Kontakt:

INNOVATIONSAGENTUR und
Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft
mit beschränkter Haftung
Taborstrasse 10
A-1020 Wien
Tel.: +43 1 216 52 93 - 344
Fax.: +43 1 216 52 93 - 279
tbloech@innovation.co.at
http: www.innovation.co.at
http: www.awsg.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF0005