Klärung der Eigentumsverhältnisse an Schiele-Bildern - "Stehende Frau" bleibt in der Auktion

Entscheidung über Eigentumsverhältnisse von "Bildstock, Häuser und Bäume" liegt bei Gericht

Wien (OTS) - Bezüglich der beiden jüngst vom Dorotheum aus der Auktion genommenen kleinformatigen Schiele-Bilder haben weitere Recherchen folgendes Ergebnis erbracht:

"Stehende Frau": Unbedenkliche Provenienz

Das Schiele-Blatt "Stehende Frau in Seitenansicht", 1908, (Schätzwert Euro 100.000 -120.000) bleibt in der Auktion und wird am 4. Dezember 2002 vom Dorotheum versteigert. Nochmalige Recherchen haben bestätigt, dass bezüglich der Provenienz des Bildes keinerlei Bedenken bestehen.

Das kleine Bildchen, eine 14 x 12,4 cm große kolorierte Bleistiftzeichnung auf einem dünnen Papierblatt, befand sich in ehemaligem Besitz des Kunsthistorikers Dr. Hans Tietze, der 1938 von einem wissenschaftlichen Aufenthalt in Florenz aus in die Emigration ging und später in den USA lebte und unterrichtete. Dort hat er auch das Schiele-Blatt an den mit ihm befreundeten New Yorker Sammler Willard Golovin verkauft, wie die Herausgeberin der Schiele-Monographie, Jane Kallir, gegenüber dem Art Loss Register bestätigt. Das Bild wurde später in den USA weiterverkauft und bei Sotheby´s Pare Bernet, New York, am 16. Mai 1979 versteigert. Auch der bekannte Provenienzforscher Dr. Robert Holzbauer bestätigt aufgrund seiner Recherche die unbedenkliche Herkunft.

Eigentumsverhältnisse an "Bildstock, Häuser und Bäume" durch Gericht zu klären

Hinsichtlich des zweiten kleinen Schiele-Bildes, "Bildstock, Häuser und Bäume", 1907, (Schätzwert Euro 45.000 - 60.000) 22,4 x 19,2 cm, Öl auf Karton, das vom Dorotheum aus der Auktion genommen und später von den Behörden sichergestellt wurde, hat das Dorotheum alle in der Zeit verfügbaren historischen Daten zusammengetragen, die zu einer endgültigen Klärung der Eigentumsansprüche beitragen können.

Demnach ist die Sammlung des Wiener Zahnarztes Dr. Heinrich Rieger, der das Bild ursprünglich angehörte und die mehr als 800 Werke umfasste, bisher nicht aufgearbeitet. Dem Provenienzforscher Holzbauer zufolge lässt sich die Geschichte des Bildes daher nur bedingt rekonstruieren. Siehe dazu die detaillierte Beschreibung der Historie des Bildes unten.

Fest steht, dass das Bild seit vielen Jahren am Markt bekannt war und keine rechtlichen Ansprüche an dem Gemälde erhoben wurden. Aus diesem Grund wurde allgemein davon ausgegangen, dass das Eigentum unzweifelhaft ist.

Erst anlässlich der bevorstehenden Auktion haben die Rieger-Erben Eigentumsansprüche an dem Gemälde angemeldet. Es ist nun Sache der Behörden, über diese Ansprüche der Familie Rieger und jene aller späteren Erwerber zu entscheiden.

Ergebnis der vorläufigen Provenienzforschung von "Bildstock, Häuser und Bäume"

Laut Werkverzeichnis der Schiele-Monographie von Otto Nirnstein hat sich das Bild im Besitz des Wiener Zahnarztes und Kunstsammlers Heinrich Rieger und seiner Frau Berta befunden, später in der Galerie Welz.

In einer Ausstellungsliste der Sammlung Rieger 1935 scheint das Bild "Bildstock, Häuser und Bäume" nicht auf.

1939/40 übertrug Rieger Teile seiner Sammlung an den ihm bekannten Galeristen Friedrich Welz. 1942 kommt Heinrich Rieger im KZ Theresienstadt ums Leben.

1944 bietet Welz als Leiter der Salzburger Landesgalerie das Bild dem Kunsthändler Wolfgang Gurlitt an.

1947/48 erheben die Erben von Heinrich Rieger vertreten durch die Rechtsanwälte Oskar Müller und Christian Broda nach dem 3. Rückstellungsgesetz Ansprüche auf die Kunstsammlung. Welz erklärt sich zur Anerkennung der Ansprüche bereit. In einer Liste nennt Welz gegenüber Christian Broda 26 Bilder, die er von Rieger übernommen hat. In dieser Liste scheint das Bild "Bildstock, Häuser und Bäume" nicht auf. Der Rechtsstreit wird mit einem Vergleich in zwei Teilerkenntnissen beendet, der in die Übergabe von 12 Bildern an die Erben mündet.

Im Gegenzug erstatten die Rieger-Erben Friedrich Welz die seinerzeitig von Welz an Rieger bezahlte Summe. Das Bild "Bildstock, Häuser und Bäume" ist nicht Teil des Restitutionsverfahrens und nicht Teil des Vergleiches. Im Verfahren gegen Welz vor dem Linzer Volksgericht sagt Müller als Zeuge aus: "Soweit ich aus den durch das Rückstellungsverfahren notwendigen Verhandlungen ersehen habe, lag eine Arisierung nicht vor."

1949 werden im Beisein der US-Property-Control Welz Bilder von der Salzburger Landesregierung, die sich noch im Salzburger Landesmuseum befinden, als sein Eigentum ausgehändigt, darunter ein Bild mit dem Titel "Haus mit Turm", das möglicherweise mit "Bildstock, Häuser und Bäume" ident sein könnte.

Wohl in den Fünfziger Jahren kommt "Bildstock, Häuser und Bäume" für lange Zeit in den Besitz des New Yorker Violinisten und Kunstsammlers William Lincer. 1987 wurde das Bild in der Galerie St. Etienne in New York ausgestellt. Von dort gelangte es in den internationalen Kunsthandel und wurde zuletzt vor ca. zwei Jahren von einer Wiener Galerie an einen österreichischen Sammler verkauft. Der derzeitige Eigentümer hat es zur Auktion übergeben.

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