ÖAMTC-Fahrsicherheitszentren bekommen weltweit modernstes "Tankwagen-Kippfahrzeug"

Fahrsicherheitstraining damit Tankwagen nicht zu "rollenden Bomben" werden

Wien (ÖAMTC-Presse) - Explosionsgefahr, Umweltgefährdung durch austretende Kraftstoffe oder Chemikalien, langwierige Feuerwehreinsätze mit stundenlangen Straßensperren und kilometerlange Stauungen - Tankwagenunfälle haben meist enorme Ausmaße. Wenn nach einem Tankwagenunfall zwei Fahrspuren einer Autobahn fünf Stunden lang gesperrt sind, der Verkehr 10 Kilometer weit zurückstaut und mit weniger als 10 km/h an der Unfallstelle vorbeifährt, kostet allein der Stau nach ÖAMTC-Berechnungen mehr als 200.000 Euro. Nicht einberechnet die Kosten für Hilfsmannschaften und eventuelle Umweltschäden.

"Um die Fahrsicherheit der Tankwagenfahrer besser trainieren zu können, hat der ÖAMTC nun etwa die Kosten eines derartigen Tankwagenunfalls für ein neues 'Tankwagen-Kippfahrzeug' ausgegeben", betont Erich Sedelmayer, gemeinsam mit Franz Wurz Geschäftsführer der ÖAMTC-Fahrsicherheitszentren. Eine Viertelmillion Euro hat das, bei der Firma Schwarzmüller gebaute, weltweit modernste "Tankwagen-Kippfahrzeug" gekostet. Aufgrund einer Kooperation mit ÖAF-Steyr-Nutzfahrzeuge wird dem Club immer die neueste Sattelzugmaschine zur Verfügung stehen.

Mit dem "Tankwagen-Kippfahrzeug", das mit zusätzlichen Stützrädern ausgerüstet ist, wird beim ÖAMTC-Fahrsicherheitstraining den Lenkern dieser Gefahrengüter eindrucksvoll demonstriert, dass die Flüssigkeit im Tank schon bei kleinen Fahrfehlern die Fahrstabilität des gesamten Fahrzeuges gefährlich beeinträchtigt. Außerdem "erfährt" man mit diesem Fahrzeug, das mit den neuesten elektronischen Sicherheitseinrichtungen ausgerüstet ist, was die Elektronik kann, aber auch, wo die Grenzen der Elektronik liegen. Durch das Absolvieren dieses ÖAMTC-Trainings leistet jeder Tankwagenlenker einen wirksamen Beitrag dazu, dass sein Fahrzeug nicht zu einer "rollenden Bombe" wird.

Bereits seit 1986 führt der ÖAMTC europaweit Tankwagentrainings durch, die bisher schon rund 9.500 Tankwagenfahrer aus Österreich, Deutschland, Polen, Tschechien, England, Spanien, Portugal, Griechenland, Türkei und Belgien absolviert haben. Vor allem BP, Shell und die OMV, sowie deren Frächter schicken laufend ihre Mitarbeiter zum ÖAMTC-Training.

"Durch den zügigen Ausbau der ÖAMTC-Fahrsicherheitszentren werden Frächter in ganz Österreich die Möglichkeit haben, ohne weite Anfahrtswege ihre Tankwagenfahrer optimal trainieren zu lassen", so Sedelmayer. Zu den bereits bestehenden Fahrsicherheitszentren in Teesdorf (Niederösterreich), am A1-Ring (Steiermark), in Saalfelden (Salzburg) und in Mölbling (Kärnten), wird neben dem derzeit in Bau befindlichen Fahrsicherheitszentrum Tirol, bei Innsbruck-Süd direkt an der Brenner-Autobahn, auch ein Zentrum in Marchtrenk (Oberösterreich) gebaut. Weitere Zentren sind in Vorarlberg und in Melk (Niederösterreich) geplant.

Das "Tankwagen-Kippfahrzeug" hat die modernste Technik und Elektronik

"Mit dem neuen 'Tankwagen-Kippfahrzeug' hat der ÖAMTC für sein Tankwagentraining nun das modernste Fahrzeug am Markt. Nicht nur der letzte Stand der Technik und Elektronik, sondern vor allem auch die Erfahrungen aus dem jahrelangen ÖAMTC-Training wurden beim Fahrzeugbau berücksichtigt", freut sich Gerhard Blümel, ÖAMTC-Lkw-Chefinstruktor für Zentraleuropa.

Die MAN-ÖAF-Zugmaschine hat ein automatisiertes mechanisches Getriebe, 460 PS und ist mit ABS (Anti Blockier-System), EBS (Elektronisches Brems-System), ACC (Adapt Cruise Controll, Abstandsmessgerät) und LGS (Line Guard System, Spurassistent) ausgestattet.

Der von der Firma Schwarzmüller gebaute Tankwagen-Sattelauflieger ist ebenfalls modernster Bauart, in Spezialaluminium-Legierung mit zylindrischer Doppelkeilform. Der Tankwagenanhänger hat, ausgerüstet von der Firma Knorr-Bremse nach dem aktuellsten Stand der Bremstechnologie, RSP (Roll Stability Programm), ABS, EBS und ESP (Elektronisches Stabilitäts-Programm). Zusätzlich können die einzelnen Komponenten durch Funkfernbedienung je nach Bedarf, für Schulung- und Trainingszweck kurzfristig weggeschalten werden, um verschiedene Fahrsituationen bzw. ungewollte Notsituationen bewältigen zu lernen. An der Außenseite des Tankwagens gibt es auch eine Geschwindigkeitsanzeige.

Der Tank selbst hat über 40.000 Liter Fassungsvermögen und ist in sechs Kammern geteilt. Die Befüllung der einzelnen Kammern kann durch ein eigenes Wasserpumpen-Aggregat schnell geändert werden, sodass die Auswirkungen verschiedener Beladungszustände durch Schwerpunktverlagerung richtig trainiert werden können.

Die ausklappbare und einschwenkbare Kippeinheit wurde gegenüber dem Vorgängermodell völlig neu aufgebaut und besitzt neben den Stützrädern als zusätzliches Sicherheitsmoment auch Gleitschlitten. Seilzüge verhindern zusätzlich ein Zusammenknicken von Zugfahrzeug und Sattelauflieger.

Kippen des Tankwagens ist die gefährlichste Unfallart

Je höher der Gesamtschwerpunkt eines Fahrzeuges liegt, desto kippfähiger ist es. Die häufigsten Auslöser für das Kippen des Fahrzeuges sind überhöhte Fahrgeschwindigkeit im Zusammenwirken mit einem Lenkmanöver, wie Nachlenken, Verreißen, um ein Hindernis herumlenken, aber auch das seitliche Wegrutschen, Abkommen von der Fahrbahn und die Verlagerung des Schwerpunktes. Die Erfahrung zeigt, das beim Abheben eines Rades meist soviel Energie vorhanden ist, dass kaum mehr die Bewältigung der Notsituation möglich ist. Jedoch kann im Vorfeld sehr wohl durch starke Temporeduzierung und exakte Ausnützung des vorhandenen Platzes das Kippen fahrtechnisch bewältigt werden.

Beim ÖAMTC-Tankwagentraining werden den Fahrern die Ursachen, die zum Kippen eines Fahrzeuges beitragen können, vor Augen geführt. Geschult werden auch Fahrtechnik, Lenk- und Blicktechnik, Auswirkungen verschiedener Beladungszustände, der Einfluss von Fahrgeschwindigkeit, Kurvenradius und Schwerpunkt auf das Fahrverhalten, sowie das Problem besonderer Fahrbahnverläufe wie Kreisverkehr, Autobahnausfahrt oder Serpentinen und ebenso konstruktionsbedingte Einflüsse wie Tankform oder Fahrgestell.

ÖAMTC-AUVA-Aktion "Arbeitsplatz Straße"

Die Ausbildung der Kraftfahrer, die beruflich mit Fahrzeugen, wie dem Tankwagen, unterwegs sind, ist auch ein wesentlicher Schwerpunkt der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA). Die AUVA, die Jahr für Jahr Millionen in die Verkehrssicherheit investiert, unterstützt massiv das Projekt "Arbeitsplatz Straße". Im Rahmen der ÖAMTC-AUVA-Kooperation "Arbeitsplatz Straße" bezahlt die AUVA fast die Hälfte der Kurskosten.

Aviso an die Redaktionen:

Fotos vom ÖAMTC-Tankwagentraining finden Sie im ÖAMTC-Foto-Service, das Sie ebenso wie die ÖAMTC-Presseaussendungen im Internet unter http://www.oeamtc.at/presse abrufen können.

(Schluss)
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