"Kleine Zeitung" Kommentar: "Schuld und Sühne" (von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 27.11.2002

Graz (OTS) - Die Nachrufe auf Jörg Haider waren etwas voreilig.
Der Kärntner Landeshauptmann hat seinen Rücktritt angeboten, aber nicht vollzogen.

Kenner Haiders haben nichts anderes erwartet. Er hat schon so oft mit dem Rücktritt gedroht, dass es müßig ist, darüber Buch zu führen. Die Ankündigung ist erst dann ernst zu nehmen, wenn er tatsächlich den Hut genommen hat.

Als Knüppel, um einen Aufstand niederzuschlagen, hat die Drohung stets gewirkt. Auch diesmal.

Diesmal nahm aber erstmals Haider einen "Großteil der Verantwortung" für die vernichtende Niederlage auf sich und schob die Schuld nicht nur auf die anderen.

Dass mit Schuldbekenntnis auch die Reue verbunden ist, wäre eine vorschnelle Schlussfolgerung. Haider bleibt unberechenbar, doch ist nicht auszuschließen, dass er sich jetzt für einige oder sogar längere Zeit mit Querschüssen zurückhält.

Alle, die sein Ende nicht erwarten können, sollten mehr Gelassenheit haben und vor allem mehr Vertrauen in die Demokratie zeigen. Sollte Haider bei den Landtagswahlen in spätestens eineinhalb Jahren ebenfalls auf Platz 3 absacken, braucht er den Rücktritt gar nicht mehr anzubieten. Sondern nur noch zu vollziehen. ****

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