"Die Presse" Kommentar: "Blaues Blut" (von Ernst Sittinger)

Ausgabe vom 27.11.2002

Wien (OTS) - Die Wahlniederlage der FPÖ war so desaströs, daß man den Zorn der abgewählten Funktionäre rasch auf einige Schuldige lenken mußte. Wen hat man also zur politischen Schlachtbank geführt? Vielleicht den Spitzenkandidaten Herbert Haupt, der sich die Latte auf 15 Prozent legte? Oder Jörg Haider, der in Bagdad aktive Wählervertreibung betrieb? Oder doch die Knittelfelder Rebellen um Ewald Stadler?
Weit gefehlt. Die Sündenböcke heißen Westenthaler und Grasser, was politisch grotesk ist. Jetzt hat man sie zu Märtyrern gemacht, der Rückzug des Knittelfelder Reißwolfs Kurt Scheuch ist da nur mehr ein Feigenblatt. Und Haiders Dauerrücktritt? Er und seine Paladine, die allzeit brav den Kotau vollführen, sind endgültig die Lachnummer des Kärntner Ganzjahres-Faschings. Die Wähler haben das erkannt. Jetzt müssen nur noch wir Journalisten klüger werden. Und Haider vom Titelblatt in die Kuriositätenecke verbannen.

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