"Kleine Zeitung" Kommentar: "Reiner Zufall" (von Reinhold Dottolo)

Ausgabe vom 26.11.2002

Graz (OTS) - Wie oft er schon "weg" war und gleich darauf "wieder da"? Wir haben aufgehört, das zu zählen. Es wurde fad mit der Zeit.

Gestern, nach dem Debakel bei der Nationalratswahl, deutete Jörg Haider jedenfalls an, bald wieder "weg" zu sein. Und zwar als Landeshauptmann weil die Kärntnerinnen und Kärntner nicht so gewählt hätten, wie ihm das recht gewesen wäre. Er werde, verlautete Haider, den Gremien der FPÖ seinen Rücktritt anbieten.

Dass dies von manchen als bereits vollzogener Abgang gewertet wurde, war voreilig. Als der steirische Landeshauptmann Josef Krainer 1995 nach einer danebengegangenen Wahl seinen Hut nahm, tat er dies ohne Vorankündigung. Er ging einfach. Er wartete auch nicht auf Ergebenheitsadressen, wie sie gestern bei Jörg Haider postwendend eintrafen. Geradezu körbeweise, wie FP-Geschäftsführer Kurt Scheuch, der Knittelfelder Kompromiss-Zerreißer, das Volk wissen ließ.

Heerscharen von Funktionären waren also damit beschäftigt, "Jörg, bitte bleib!" auf Faxe zu schreiben, um Haider zum "Wieder da"-Sein zu überreden. Der Zufall wollte es, dass sie dabei keine Zeit mehr hatten, nachzudenken, wer ihre Partei wirklich in die Bredouille geritten hat. Der reine Zufall. ****

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