"Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Was noch zu sagen wäre... (von Manfred Posch)

Ausgabe vom 24.11.2002

Klagenfurt (OTS) - Die Zeit wird knapp. Rasch noch eine Hand voll Streulichter zur Lage: Meinungsforscher wissen noch immer nicht, welcher Politiker sich auf den heutigen Abend freuen darf; Herbert Haupt kündigte an, vom Donauturm springen zu wollen (am Bungee-Seil -und im Falle eines FP-Wahlergebnisses von über 19,8 Prozent); im Wählerverzeichnis scheinen nicht weniger als 50.000 Verstorbene auf (Karteileichen haben nicht einmal im Himmel ihre Ruhe vor Propagandazugriff); und den Lebenden steht baldige Befreiung vom unsäglichen Plakatgewimmel ins Haus.

Wer Chef im Wahlkampf war? Alfred Gusenbauer hat zweifellos gute Figur gemacht. Während der Intensivphase gelangte er mittels publikumswirksamer Sager in Volksnähe. Seine personellen Darreichungen (Petritsch, Broukal, Knoll) füllten das SP-Arsenal. Wolfgang Schüssel behielt zwar den Kanzlerbonus, doch der Wende-Bonus lief ihm schnurstracks davon. Ob das zweifellos nicht unschöne Gesicht Grassers als vollwertiger Ersatz zu dienen vermag, bleibt in aller Spannung abzuwarten.

Zwischen Schwarz und Rot wurde das Tauziehen um Wählergunst hart, aber selten auf tiefem Niveau geführt. Gusenbauer und Schüssel können einander nach den Wahlen gewiss in die Augen sehen. Ob die beiden miteinander auch politisch können, steht noch in den Sternen.

Und die FPÖ? Sie hat sich an der überforderten Bundesregierung orientiert, es ihr gleichgemacht, sich selbst in die Luft gesprengt. Ein Jörg Haider, der in blauen Erfolgszeiten zweifellos Geschichte(n) machte, ist abermals "historisch" geworden: Er riss die eigene Partei wohlüberlegt und mit äußerster Brutalität zu Boden. Logische Folge:
Den Freiheitlichen blieb in diesem Wahlkampf bloß eine Statistenrolle vorbehalten. Im TV-Duell zwischen Bundeskanzler und SP-Vorsitzendem fiel der Name des Kärntner Landeshauptmannes kein einziges Mal.

Doch reden wir übers Morgen. Eine Partei, für die nach gewonnener Wahl das gebrochene Wort gilt, wird rasch in zutiefst nachgereihter Bürgergunst landen (um es vornehm auszudrücken). Denn selbst in politikverdrossensten Kreisen dürfte die Erkenntnis herangereift sein, dass es heute nicht etwa darum geht, wer die schönsten Plakate entworfen und tollsten Logos erfunden hat. Es geht um die Zukunft Österreichs und damit um unser aller Zukunft.

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