Arbeit gesünder gestalten

4. Österreichische Präventionstagung, Teil 3 - Beschäftigte mit niedrigen Einkommen sind häufiger krank - Arbeitslosigkeit schadet dem psychischen Wohlbefinden

Wien (OTS) - "Soziale Ungleichheit wird im Zusammenhang mit der Arbeitswelt kaum thematisiert", betonte DDr. Oskar Meggeneder von der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse auf der 4. Präventionstagung, die der Fonds Gesundes Österreich am 21. und 22. November in Wien abhält. "Obwohl hier zum Teil die gleichen Merkmale sozialer Ungleichheit zu beobachten sind wie in der Gesamtgesellschaft."

In seinem Referat zum Thema "Soziale Ungleichheiten -Herausforderung für die Arbeitswelt" hob der Gesundheitsexperte hervor, dass Ungleichheiten in Bezug auf Alter, Geschlecht, Nationalität und Bildung am Arbeitsplatz ebenso eine Rolle spielten wie im gesamten sozialen Leben. Weitere Kriterien, aus denen sich soziale Ungleichheiten in der Arbeitswelt ergeben könnten, seien unter anderem die Arbeitszeit - zum Beispiel ob Tätigkeiten als Teilzeit-, Nacht- oder Schichtarbeit organisiert sind -, die Betriebsgröße und spezielle Formen der Arbeit, wie etwa Tele- oder Heimarbeit.

Dass sich soziale Ungleichheiten auf den Gesundheitszustand der Arbeitenden auswirken, zeigen auch Daten der deutschen gesetzlichen Krankenversicherungen: MitarbeiterInnen mit geringerem Bildungsniveau, niedrigerem Einkommen und weniger beruflichem Ansehen sind häufiger im Krankenstand als ihre sozial besser gestellten KollegInnen. Zudem kann laut deutschen Experten festgestellt werden, dass Beschäftigte mit geringerer Entscheidungskompetenz in höherem Ausmaß von Hilflosigkeit, Sinnverlust und Misstrauen betroffen sind.

Maßnahmen für Benachteiligte
"Präventive Angebote werden in Betrieben oftmals nur von denjenigen wahrgenommen, die ohnehin bereits etwas für ihre Gesundheit tun", betonte Univ.-Prof. Dr. Eberhard Göbel vom Fachbereich für Sozial- und Gesundheitswesen der Fachhochschule Magdeburg auf der Präventionstagung. Für die besonders belasteten Gruppen der ausländischen, älteren und chronisch kranken ArbeitnehmerInnen, der alleinerziehenden Mütter, der Lehrlinge und der ungelernten Arbeiter und Zeitarbeiter müssten deshalb spezielle Projekte entwickelt werden, die deren kulturelle Bedürfnisse berücksichtigten. "Schwerarbeiter sind wahrscheinlich nicht für Yoga-oder Entspannungskurse zu begeistern. Hier müssen Angebote geschaffen werden, die den kulturellen Wertmustern der Menschen entsprechen", sagte der deutsche Sozialwissenschafter. Ein zentraler Inhalt von Göbels "Konzept der Arbeitskultur" ist es, auch bei schweren oder monotonen Arbeiten jene Aspekte herauszuarbeiten, die den Beschäftigten trotzdem Sinn und Arbeitsfreude geben.

Gesundheit als Unternehmensphilosophie
"Gesundheit ist in hohem Ausmaß von den sozialen Bedingungen abhängig", meint auch die deutsche Diplompsychologin Mechthild Echterhoff. "Im Mikrokosmos Betrieb wird das besonders deutlich: So sind die Krankenstände der Mitarbeiter im gewerblichen Bereich in der Regel wesentlich höher als in den kaufmännischen Abteilungen." Echterhoff, die als Projektkoordinatorin für betriebliche Gesundheitsförderung bei der Regionaldirektion Gütersloh der AOK Westfalen tätig ist, hob auf der Präventionstagung in Wien hervor, dass Gesundheitsförderung zunächst auch Zeit und Geld koste. "Der Erfolg von Projekten hängt deshalb in hohem Ausmaß davon ab, dass die Geschäftsleitung dahinter steht und auch bereit ist, entsprechende Ressourcen zur Verfügung zu stellen", sagte Echterhoff.
Andrerseits können Betriebe durch gesundheitsfördernde Maßnahmen mittelfristig auch Kosten einsparen. Ein Zulieferbetrieb für die Möbelindustrie in Gütersloh konnte beispielsweise durch eine gesündere Gestaltung der Arbeitsplätze die Zahl der Krankenstandstage pro Jahr von 4,8 auf 2,9 Prozent senken.

Arbeitslosigkeit macht krank
Mag. Helga Gumpelmayer von "Integral OÖ", Institut für Arbeit und Leben, beschäftigte sich auf der Präventionstagung mit den Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf den physischen und vor allem auch den psychischen Gesundheitszustand der Betroffenen. "Forschungsergebnisse zeigen, dass psychische Schwierigkeiten unter arbeitslosen Menschen stärker verbreitet sind", sagte Gumpelmayer. Arbeitslose seien deshalb vier bis zehn Mal häufiger von Depression, Angstzuständen und somatischen Krankheiten betroffen als Beschäftigte.

Mit Dauer der Arbeitslosigkeit nimmt das Selbstbewusstsein ab und Arbeitslose denken immer mehr, dass sie eine Last für andere Menschen sind. Eine schwedische Studie ergab, dass 62 Prozent einer Gruppe Arbeitsloser der Ansicht waren, dass sie andere Menschen durch ihre Arbeitslosigkeit "irritieren". Beinahe 60 Prozent antworteten, dass andere Menschen sie als "faul" bezeichneten.
Für viele Beschäftigte ist die Furcht vor Arbeitslosigkeit eine Ursache von psychischen Problemen. "Aus Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes werden häufig Symptome für Krankheiten einfach übergangen", so Gumpelmayer: "Sinkende Krankenstandsraten in betrieblichen Krisenzeiten zeigen, dass die Menschen aus dieser Angst heraus oft vergessen auf ihren Körper zu hören."

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