"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Die letzte Chance" (Von Peter Plaikner)

Ausgabe vom 22. November 2002

Innsbruck (OTS) - Elmar Oberhauser hat gestern abend der österreichischen Demokratie einen großen Dienst erwiesen. Dank seiner souveränen Diskussionsleitung bot die TV-Konfrontation der vier Spitzenkandidaten mehr Entscheidungshilfe, als von einer solchen Elefantenrunde erwartbar ist. Wenn er keine Antworten erzwingen konnte, deckte er deren Verweigerung auf. Immer autoritär, manchmal aggressiv, mitunter provokant, durchwegs im Sinne des Gesprächsflusses.

Und der Gewinner ist ... das Fernsehen. Auch. Aber nicht nur. Die Viererrunde brachte einen Quotenrekord für politische Diskussionssendungen. Doch zu den mehr als zwei Millionen Zuschauern von gestern kommen heute noch fünf Millionen Zeitungsleser. Dies ist kein TV- sondern ein Medienwahlkampf.

Berichte, Analysen und Kommentare der Tagespresse haben ebensoviel Einfluss wie das Fernsehereignis selbst. Aber jede Bewertung passt sich zwangsläufig dem Ursprungsmedium an. Da wird allzu oft bloß Bildschirmtauglichkeit statt politischer Qualität beurteilt. Es geht um Aussehen und Auftreten. Das Taferl, der Sager, die Schweißperlen überlagern die Botschaft.

Diese Erkenntnisse über öffentliches Agieren gelten auch für gestern abend. Doch sie werden keinem der Kandidaten gerecht. Abgesehen vom Koalitionspoker boten sie so viel Information, wie möglich war. Dass einige Absichtserklärungen - zum Beispiel jene zum Transit - bloß schöne Worte bleiben werden, gehört zum politischen Geschäft. Doch sogar in den Wunschtraum-Positionen wurden Unterschiede erkennbar.

Vor der Viererrunde galt ein Sechstel der Wahlberechtigten als unentschlossen. Sie war die letzte Chance, das Nichtwähler-Lager zu schwächen. Aber sie barg das Risiko, es infolge Belanglosigkeit zu stärken.

Das ist nicht geschehen. Die TV-Konfrontation hat zwei Stunden lang die Vorteile der Mediendemokratie präsentiert. Kompaktere Direkt-Information kann Wahlkampf heute nicht bieten.

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