"Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Tatsachen, Eventualitäten (von Manfred Posch)

Ausgabe vom 21.11.2002

Klagenfurt (OTS) - Sie kommen in Scharen. Zu Mitgliederversammlungen, Konferenzen und dergleichen. Gemeint sind die vielen "Parteiverdrossenen", denen die Sozialdemokratie in den neunziger Jahren Ärger bereitet hat. Leute, die zwar nicht ausgetreten, ihr Interesse an SP-Veranstaltungen (und adäquatem Wahlverhalten) jedoch "ruhend gestellt" haben. Nun sind sie wieder "mit von der Partie". Die Aufbruchstimmung innerhalb der SPÖ ist unübersehbar, ja sogar wieder einmal historisch zu nennen.

Dienstag, Arbeiterkammer, groß angelegte Veranstaltung der Klagenfurter SP: volles Haus; die Ansprache von NR-Präsident Fischer geriet zur mit Spannung aufgenommenen Qualitätsvorlesung; Zwischenapplaus am laufenden Band für diesen Redner, aber auch für den Kärntner SP-Chef Ambrozy; von einer "Pflichtübung" keine Spur; ein versunken geglaubter Geist schwang mit.

Wird´s indes reichen? Wird Gusenbauer das vor einigen Wochen noch als kaum möglich Gegoltene schaffen, die Wahl gewinnen? Nun, die Politik ist ein weites, mit Fallstricken ausgelegtes Land. Fest steht: Für die SPÖ schaut es gut aus. Umgreifender Optimismus ist keinesfalls unberechtigt

Dass Schüssels Chancen nach wie vor intakt sind, verstärkt die Spannung. Und vorläufig hat den Kanzler das Glück ja nicht verlassen. Steht ihm doch, überspitzt ausgedrückt, der deutsche Kollege Schröder "zur Seite". Schröders Rot-Grün-Kurs zielt an einer Erfolgsstory glatt vorbei. Auf der EU-Wohlstandsliste rangiert der bislang als Wunderknabe apostrophierte Nachbar des kleinen Österreich weit unten - was für rot-weiß-rotes Rot bekanntermaßen mit keiner"Wahlunterstützung verbunden ist.

Die Freiheitlichen? Obwohl viel für einen Absturz unter die 15-Prozent-Marke spricht, bleibt das Bild vom angeschlagenen Boxer aufrecht. Vom Taumelnden, der noch einen Zufallsschwinger landen könnte. Und somit mag nicht auszuschließen sein, dass Haupt über so etwas wie eine anerkennende Mitleidsschiene hinweg zu Punkten gelangt.

Letztlich wird es davon abhängen, für wen das von Haider enttäuschte Fluchtpublikum stimmt. Die FP-interne Wende erhält gehörig Nahrung vom blindwütigen Hass Haiders gegen Schüssel und Grasser. Wie sagte einst Kanzler Sinowatz?: "Es ist alles so kompliziert".

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