"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Die Konsequenzen?" (Von Monika Dajc)

Ausgabe vom 21. November 2002

Innsbruck (OTS) - =

In den meisten Reaktionen standen die Zeichen
eindeutig auf Abwiegeln. Zur breit und schonungslos geführten Debatte dürfte es wohl auch diesmal nicht reichen. Für "schmerzhafte Maßnahmen und das Anpacken heißer Eisen" hatte der Gusenbauer-Sekundant mit Wirtschaftskompetenz Hannes Androsch plädiert.

Mit der Weisheit der grauen Schläfen sprach der einst gefeierte Jungstar mit Gewissheit vielen aus der Seele, die der Wunderheiler-Floskeln auf Plakaten, in Prospekten und Diskussionen überdrüssig sind. Nur gibt es auch ein von der österreichischen Mehrheit noch nicht widerlegtes Faktum: Unter jenen, die von der Politik - vor Wahlen und generell - zweifelsfreie Klarheit über Notwendiges und Überfälliges einmahnen, ist eine ganz erhebliche Schar, die sich dann nach Kräften dagegen wehrt, sobald es ganz konkret um eigene Besitzstände geht.

Eine Pensionsreform, die den abgenützten Namen großer Wurf tatsächlich verdient, wird in Windeseile eine mächtige Schar von Kritikern und Verhinderen auf den Plan rufen. Nahezu identisch dürfte es laufen, wenn Ebenen der Verwaltung der Geschichte überantwortet werden sollen. Und der Aufzählung können nach bisherigen Erfahrungen automatisch noch die Bereiche Gesundheitssystem und Arbeitsmarkt angefügt werden.

Jenseits aller mehr oder weniger gewundenen Phrasen gibt es nur einen Weg, der grundlegende Sanierungs- und Reformerfolge sichert:
Einsicht, Mut zu wirklich neuen Konzepten, Ausdauer, Arbeit, Geduld und nochmals Geduld. Was Jahrzehnte hindurch nicht oder höchst zaghaft angegangen wurde, kann nicht in kürzester Zeit zu befriedigenden Ergebnissen führen. Wer auch immer nach dem 24. November regieren wird, ist gefordert. Dem überfälligen langen Atem der Politik müsste die Einsicht der Basis gegenüber stehen, dass Veränderungen nicht stets beim Nachbarn enden dürfen.

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