Schüssel gratuliert Dr. Otto Habsburg zum 90. Geburtstag

Sie haben immer an Österreich geglaubt und sich für unsere Heimat eingesetzt - Ein großes Dankeschön namens der Republik

Wien, 20. November 2002 (ÖVP-PD) "Sie haben immer an Österreich geglaubt und sich für unsere Heimat eingesetzt, wo und wie auch immer Ihnen dies möglich war. Im geschichtlichen Rückblick erwähne ich nur den leidenschaftlichen Kampf gegen den Anschluss Österreichs, die Rettung tausender Flüchtlinge und Ihren Einsatz für die Wiederherstellung eines freien und unabhängigen Österreich", sagte heute, Mittwoch, Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel in der Wiener Hofburg und gratulierte Dr. Otto Habsburg, dem "Kaisersohn, Thronfolger im Exil, Kämpfer gegen Hitler und Stalin, Migranten, Ratgeber, Präsidenten der internationalen Paneuropa-Bewegung, Europaparlamentarier, Journalisten und Schriftsteller", zu seinem 90. Geburtstag. "Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie Gottes Segen und noch viele Jahre Gesundheit und Schaffenskraft", so der Bundeskanzler. ****

"Lieber Otto von Habsburg, wenn ich heute die Glückwünsche der Republik überbringe, dann tue ich das durchaus auch im Bewusstsein ihrer oft recht zwiespältigen Erfahrungen mit dem offiziellen Österreich. Manches ist für uns, die wir anderen Generationen angehören, heute nur schwer nachvollziehbar. Manches hätte einfacher, stilvoller, schneller geschehen können oder müssen. Manche Unsicherheit, wohl auch manche Kleinlichkeit mag auch heute noch schmerzen. Umso mehr freue ich mich, wenn Sie kürzlich auf die Frage nach Ihrem Verhältnis zu Österreich, wie ich annehme wohl schmunzelnd, geantwortet haben: 'Vollkommen normal, ganz normal'. Ihre persönlichen Verdienste für die Republik Österreich sind bekannt und seit längerer Zeit allgemein anerkannt", so Schüssel.

"Hoher Jubilar, lieber Otto von Habsburg, Sie haben die Würde und die Souveränität Österreichs zuletzt angesichts der Sanktionen unserer 14 EU-Partner zu Beginn des Jahres 2000 wortgewaltig verteidigt. Gerade weil Sie leidenschaftlicher Europäer sind. Der neue Artikel sieben des EU-Vertrags, der auf österreichisches Betreiben im Vertrag von Nizza eingefügt wurde, ist letztlich das zukunftsweisende Resultat dieses schmerzhaften Erlebnisses. Ein großes Dankeschön namens der Republik für Ihr Bekenntnis und Ihr Engagement."

"Es ist eine große Freude für mich und auch eine Genugtuung, dass Sie gerade in diesem Saal Ihren Geburtstag begehen. Sie hier bei guter Gesundheit und sprühender Lebenskraft im Kreis Ihrer Familie und Ihrer Freunde erleben zu dürfen, das erfüllt uns alle, und mit uns Österreich und Europa, mit Zuversicht und Hoffnung", sagte der Bundeskanzler.

"90 Jahre, damit überbieten Sie nicht nur die Grenzen, die der Psalmist unserem Leben zumisst - 'unser Leben währet 70 Jahre und wenn es hochkommt sind es 80' - sondern auch Ihren Urgroßonkel Kaiser Franz Joseph, der heute noch als Inbegriff Ihrer langlebigen Familie gilt", sagte Schüssel, der in seiner Rede vor allem das Engagement Habsburgs für Europa hervorhob.

"Europa ist eine Herzensangelegenheit, haben Sie immer wieder in zahlreichen Vorträgen und Schriften betont. Und Sie haben diesen Gedanken unermüdlich in immer neuen Variationen zum Ausdruck gebracht. Und in der Tat, welches Projekt könnte gerade für uns Österreicher lohnender und bereichender sein, als ein freies, selbstbestimmtes, verantwortungsvolles Europa in Frieden und Wohlstand?"

"In einem Interview in diesen Tagen haben Sie auf die unglaubliche Bedeutung des Faktors Frieden hingewiesen. Sie sagten wörtlich: 'Vielleicht gelingt es uns, den Faktor Frieden langsam wieder in die Politik einzuführen, denn Kapital ist das Feigste, was es gibt. Wenn es irgendwo Sicherheit gibt, dann geht es dort hin. Und wenn wir gemeinsam einen Raum der Sicherheit schaffen, dann wird das Kapital zu uns kommen'", zitierte Schüssel.

"Der unerschütterliche Glaube an das große, freie Europa, das die Tragödie der Ost-West-Spaltung überwinden kann, war die zentrale Triebkraft Ihres politischen Handelns. Und dieses einigen wollen und nicht trennen ist heute aktueller denn je. Sie haben sich immer für die eingesetzt, die durch so viele Jahrzehnte unter dem Joch der kommunistischen Diktatur leben mussten. Das Europäische Parlament hat etwa im Jahr 1982 auf Ihre Initiative trotz beträchtlicher Widerstände beschlossen, regelmäßige Debatten über die Lage in Ost-Mitteleuropa abzuhalten, zum Zeichen der Gemeinschaft mit den unterdrückten Völkern."

"Schon lange vor 1989, als wenige daran geglaubt haben, haben Sie betont, dass der Eiserne Vorhang eines Tages der Vergangenheit angehören würde. Und es hat mehr als bloßen Symbolwert, dass das denkwürdige Paneuropa-Picknick, bei dem im August 1989 erstmals eine große Zahl von Ostdeutschen über die ungarisch-österreichische Grenze in die Freiheit flüchten konnte, zu jenen Schlüsselereignissen zählt, die geholfen haben, den Eisernen Vorhang zu sprengen."

"Sie haben einmal vor dem Europäischen Parlament gesagt, gegenüber totalitären, imperialistischen, hegemonialen Staaten kann nur etwas erreicht werden, wenn man von Anfang an eine deutliche Sprache spricht. Sie haben ausgesprochen, was Sie denken und was Sie meinen. Und Sie haben sich an diesen Grundsatz gehalten."

"In Ihrem Widerstand gegen den Nationalsozialismus genauso wie in Ihrem Kampf gegen den Kommunismus. Für die Nationalsozialisten waren Sie ein solches Feindbild, dass der 'Sonderfall Otto' sogar als Codewort für den Anschluss Österreichs an Deutschland herhalten musste. Und was den Kommunismus betrifft, haben Sie immer zu den wenigen gehört, die immer felsenfest davon überzeugt waren, dass er eines Tages genauso in der Versenkung der Geschichte verschwinden wird, wie der Nationalsozialismus. Und Sie haben recht gehabt", sagte Schüssel unter großem Applaus.

"Politik kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie von echten Überzeugungen getragen ist. Diese Meinung haben Sie immer geäußert und ich glaube, es ist so. Getragen von unerschütterlichem Gottvertrauen und innerlicher Gelassenheit haben Sie diese Überzeugungen stets vorgelebt und weitergegeben. Als Zeitzeuge, überzeugter Österreicher, großer Europäer und engagierter Weltbürger", sagte der Bundeskanzler.

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