Knoll zu schwarz-blauer Frauenpolitik: Männerbündlerischer Provinzialismus

SPÖ fordert Recht auf Teilzeit

Wien (SK) "Wir haben es derzeit mit einer Politik zu tun, die man nur als männerbündlerischen Provinzialismus bezeichnen kann", betonte SPÖ-Kandidatin Gertraud Knoll Sonntag Abend in einer Diskussion mit dem Titel "Haben Frauen eine Wahl?". Mit Knoll am Podium: Magda Jost-Bleckmann, FPÖ, Maria Rauch-Kallat, ÖVP, Eva Glawischnig, Die Grünen, Maria Bill, Schauspielerin, Kathrin Zechner, Kulturmanagerin und Emmy Werner, Volkstheaterdirektorin und Gastgeberin des Abends. Moderiert wurde das Gespräch von Peter Pelinka, Chefredakteur News. ****

Ein besonders negatives Signal in Richtung Frauen sei es gewesen, einem Mann die Frauenpolitik zu übertragen. Haupt sei vielleicht nicht nur deshalb als Frauenminister qualifiziert weil er ein Mann sei, sondern auch weil sein Beruf Tierarzt sei, mutmaßte Knoll. Frauenpolitik könne so unter der Motto "Wer will mich?" abgehandelt werden, kritisierte Knoll die Intention dieser Bestellung.

Eine klare Absage erteilte Knoll dem Familienbild, das von der derzeitige Bundesregierung vertreten werde: "Die Ehe gilt nicht mehr bis dass der Tod euch scheidet", so Knoll. Die Realität sehe vielmehr so aus, dass man es immer mehr mit Patchwork-Familien zu tun habe. "Und wenn eine Familie zerbricht, sind die leidtragenden meist die Frauen, weil sie ein geringeres Einkommen beziehen als die Männer", konstatierte die SPÖ-Politikerin.

Besonders bei Frauen würde die Anzahl der sogenannten "working poor" zunehmen, noch immer würden Frauen ein Drittel weniger verdienen als die Männer, allerdings zwei Drittel der ehrenamtlichen Arbeit verrichten, erklärte Knoll. "Das Bild vom männlichen Sandler passt nicht mehr. Mittlerweile besuchen immer mehr Frauen mit ihren Kindern die Suppenküche", sagte Knoll. Auch im Alter seien Frauen stärke von Armut betroffen als Männer: Während bei Männern die durchschnittliche ASVG-Pension 1.444 Euro betragen würde, erhalten Frauen im Schnitt nur 678 Euro, 16 Prozent der Frauen hätten überhaupt keinen Anspruch auf Pension, kritisierte Knoll.

Mit "Appellen an die Männer" wollte sich Knoll in der Diskussion nicht zufrieden geben. Vielmehr brauche es konkrete Maßnahmen, um die Situation der Frauen zu verbessern. "Wir von der Sozialdemokratie wollen den Sozialstaat nicht abbauen, sondern umbauen", konstatierte Knoll. So brauche es ein Recht auf Teilzeit für beide Elternteile mit Rückkehrrecht in die Vollzeit, bei a-typischen Beschäftigungsverhältnissen müsse die soziale Absicherung verbessert werden und das zweite soziale Netz müsse in eine bedarfsorientierte Grundsicherung umgewandelt werden. Das Kindergeld von Schwarz-Blau sei keine Verbesserung für die Frauen gewesen, da sich die Länge des Kündigungsschutzes nicht mit dem Bezugszeitraum decke.

Zur Frauenpolitik im allgemeinen merkte Knoll an, dass sich diese durch alle Gesellschaftsbereiche ziehen müsse. Auf die Frage, warum in der Frauenpolitik teilweise so wenig weitergegangen sei, antwortete die SPÖ-Kandidatin, dass die falschen Prioritäten gesetzt worden seien und "die Geduld der Frauen anscheinend grenzenlos ist." Abschließend machte Knoll klar, wo ihre Prioritäten in der Frauenpolitik liegen: "Ich will nicht, dass Frauen irgendwo den Fuß in der Tür haben. Ich will, dass sie hineinkommen." (Schluss) sw

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