"Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Grasser und Oberhauser (von Manfred Posch)

Ausgabe vom 15.11.2002

Klagenfurt (OTS) - Im Ranking maßlos überschätzter Österreicher nehmen zwei Personen einen Spitzenplatz ein: Finanzminister Karl-Heinz Grasser und der "Sekundant" der TV-Politikerduelle, Elmar Oberhauser. Ersterer hat - unter Zuhilfenahme gewinnenden Lächelns -nicht viel mehr zustande gebracht als die Brieftaschen von Alt und Jung auszuräumen. Letzterer wird von diversen Medien als Ausnahmejournalist, als Härtester unter der Sonne, hingestellt - und macht doch nur einen Job, den ein paar hundert ORF-Journalisten mindestens ebenso gut oder routiniert über die Bühne brächten. Oberhauser mag durchaus hohe Qualitäten als ORF-Sportchef besitzen. Um einen Jahrhundert-Moderater handelt es sich bei dem mit kratzbürstigem, alemannischem Charme ausgestatteten, von Programmzeitschriften und Magazinen penetrant hochgejubelten Vorarlberger jedoch nicht.

Über die "Wundertaten" des Klagenfurters Karl-Heinz ist ja schon viel berichtet worden; nun muss sich der Finanzminister auch den Vorwurf gefallen lassen, nicht nur kein Nulldefizit, sondern eine besonders schwere Staatsverschuldung herbeigeführt zu haben. Trotzdem hat Kanzler Schüssel mit Grasser einen nicht zu unterschätzenden Coup gelandet: Könnte doch ein bubenhaftes, unbekümmert scheinendes Minister-Lächeln da und dort in Wählerkreisen über Grauslichkeiten wie Arbeitslosigkeit und Sozialabbau hinwegtäuschen.

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