GPA-Bundesforum: Erste Erfolge für Globalisierungskritiker

Globalisierungsdiskussion beim GPA-Bundesforum

Wien (GPA/ÖGB). "Wenn die Politik will, dann kann sie gestalten -auch auf den internationalen Finanzmärkten", zeichnete Christan Felber von ATTAC-Österreich bei der Podiumsdiskussion "Gewerkschaften in einer globalisierten Welt - wichtiger denn je" am GPA-Bundesforum ein durchaus hoffnungsvolles Bild. Unter der "Regie" von Josef Broukal diskutierten neben Felber noch, Reiner Hoffmann vom Europäischen Gewerkschaftsinstitut, Angelika Kresch, Geschäftsführerin von Remus und Businesslady 2001, Anna Betcheva, bulgarische Gewerkschafterin und Helmut Russ, Konzernbetriebsrat Amadeus.++++

"Die jetzige Form der Globalisierung benachteiligt die meisten Menschen", stellte Felber fest. Allerdings könne viel erreicht oder verhindert werden. So hätte ATTAC mit seinen Aktionen schon erreicht, dass sich in Österreich bereits die SPÖ, die ÖVP und die Grünen für die sogenannte Tobinsteuer ausgesprochen haben. Die EU-Kommission bereite auch einschränkende Regelungen für den Kapitalverkehr vor. Felber: "Es gibt Hoffnung, gerade auch nach dem Europäischen Sozialforum in Florenz."

Reiner Hoffman sieht die Antwort auf die Globalisierung bei der Europäisierung. So habe das europäische Sozialmodell viele Vorteile gegenüber anderen Wirtschaftsregionen. Hoffmann: "Wir habe stabile soziale Sicherungssysteme, einen (noch) funktionierenden Öffentlichen Dienst und relativ stabile Arbeitsbeziehungen." Die Unternehmerin Kresch beklagte den enormen Druck auf die Kosten etwa durch Verträge die auf Jahre konkrete Preissenkungen für ihre Produkte vorsehen. Kresch: "Wir produzieren noch zu 100 Prozent in Österreich. Ich überlege aber ob wir die Produktion von einfacheren Teilprodukten auslagern." Dabei denke sie aber "sicher nicht an eines der Nachbarländer", sondern an das viel billigere China.

Die bulgarische Gewerkschafterin Betcheva zeichnete ein düsteres Bild ihres Land. Das durchschnittliche Monatseinkommen betrage 133 Euro, die Arbeitslosenquote 19,5 Prozent und internationale Konzerne investieren nur um saftige Gewinne zu machen. Allerdings auch hier leise Hoffnung. Erst vor kurzem hat die bulgarische Gewerkschaft einen Erfolg gegen einen italienischen Konzern erzielt. Die Beschäftigten streikten zehn Tage, die italienischen Gewerkschaften unterstützten und sogar vom bulgarischen Arbeitgeberverband gab es Solidarität. Betchva: "Wir haben einen sehr guten Kollektivvertrag abgeschlossen."

Allerdings stehe Bulgarien und auch die Gewerkschaften vor einer schwierigen Situation. Vor zehn Jahren gab es vier Millionen Beschäftigte, heute sind es 2,4 Millionen. Alleine in den vergangenen zehn Jahren haben 100.000 junge, gut ausgebildete Menschen das Land verlassen.

Dass es nicht immer die Globalisierung ist die ein Unternehmen ruiniert, berichtete Amadeus-Betriebsrat Russ. Bis 30. September dieses Jahres war er noch Zentralbetriebsrat bei Libro, über Nacht musste er und seine KollegInnen mit Amadeus zu einem deutschen Konzern "wandern". Einige seiner früheren Libro-Kollegen seien aus dem Libro-Konzern "regelrecht vertrieben worden". Aber der Absturz von Libro wurde nicht von der Globalisierung verursacht. Russ überzeugt: "Das war ein formidabler Selbstmord."(ff)

ÖGB, 14. November 2002
Nr. 887

Rückfragen & Kontakt:

GPA
Martin Panholzer
Telefon: (01) 26069/2031
Mobil: 0676/817 111 511
Email: martin.panholzer@gpa.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NGB0005