Chemikalien-Unverträglichkeit gibt noch immer Rätsel auf

Mehrere tausend Betroffene in Österreich - Umwelt- und Gesundheitsexperten diskutieren in Wien Ursachen und mögliche Maßnahmen

Wien (OTS) - Ständige Kopfschmerzen, tränende Augen oder Hautausschläge - wenn dieses Krankheitsbild auftaucht, obwohl die Patienten laut Laborbefund gesund sind, kann die Diagnose auf Chemikalien-Unverträglichkeit lauten. Die Krankheit wird durch Spuren von Chemikalien ausgelöst, wie sie im Wohn- oder Arbeitsumfeld auftreten können. Laut Experten dürften in Österreich bereits mehrere tausend Menschen von dieser in Europa noch verhältnismäßig unerforschten Krankheit betroffen sein. Das Umweltministerium veranstaltet daher heute, Donnerstag, erstmals ein Expertenforum in Österreich, um den Erfahrungsaustausch zu vertiefen und mögliche Maßnahmen und Strategien gegen die Multiple Chemikalien-Sensitivität (MCS) zu beraten.

Fest zu stehen scheint, dass es sich bei MCS um eine erworbene Erkrankung handelt, die im Zusammenhang mit umweltbedingter Chemikalienbelastung entsteht. Dabei können nicht nur einmalige hohe Konzentrationen - wie etwa bei Chemieunfällen - zur Ausbildung der Krankheit führen, sondern auch bereits kleine Dosen, die über lange Zeiträume kontinuierlich wirken. Als klassische Beispiele gelten Wohnraumgifte wie Formaldehyd in Spanplatten, Lösungsmittel in Klebern und bestimmte Inhaltstoffe in Holzschutzmitteln, aber auch Zigarettenrauch oder Bestandteile von Nahrungsmitteln. Berufsgruppen, die über lange Zeiträume mit Chemikalien in Kontakt kommen, wie beispielsweise Laborpersonal oder Druckereiarbeiter, können ebenfalls gehäuft Symptome zeigen.

Charakteristisch für MCS ist, dass die Symptome nicht nur ein Organ betreffen, sondern multiple Wirkung haben, also gleich mehrere Organsysteme betreffen. Wie eine Allergie ist MCS nicht kurierbar. Ihre Symptome können zwar gelindert werden, der Ausbruch der Krankheit kann aber nicht mehr rückgängig gemacht werden. Expertenschätzungen zufolge gibt es in Deutschland derzeit 54.000 MCS-Fälle, in Österreich mehrere tausend. Die Tendenz ist steigend.

In Amerika wird der Krankheit ein deutlich höherer Aufmerksamkeitsgrad entgegengebracht als in Europa - auch deshalb, weil Zehntausende Veteranen des letzten Irak-Kriegs schwere MCS-artige Symptome zeigen. Europaweit ist MCS dagegen ein in weiten Kreisen unbekanntes Krankheitsbild. Art und Dosierung der Auslöser machen beispielsweise allergologische Erklärungen unwahrscheinlich. Uneinig ist man sich in Expertenkreisen auch, ob MCS primär als psychosomatische bzw. psychiatrische oder rein körperliche Störung mit eventueller genetischer Beteiligung zu sehen ist. Auf Grund der großen Unsicherheiten über die genauen Ursachen, über Diagnose- und Therapiemöglichkeiten ist es für Ärzte oft schwierig, den Patienten wirksam zu helfen.

Erschwerend hinzu kommt, dass EU-weit derzeit schätzungsweise rund 50.000 bis 60.000 verschiedene Chemikalien am Markt sind, und zwar in unterschiedlichen Produkten und Anwendungen. Bei vielen dieser Stoffe ist die langfristige Wirkung auf den menschlichen Organismus noch nicht vollständig erforscht. Österreich drängt daher im Rahmen der neuen EU-Chemiepolitik darauf, dass in Zukunft nur mehr Stoffe zugelassen werden dürfen, deren Wirkungsweise ausreichend dokumentiert ist. Chemikalien mit bestimmten negativen Eigenschaften oder allgemein schlecht untersuchte Stoffe sollen gar nicht mehr auf den Markt gelangen. Ein dementsprechender Vorschlag soll von der EU-Kommission in den nächsten Wochen vorgelegt werden.

Um mögliche Ursachen, Diagnose- und Therapiemöglichkeiten für MCS geht es bei einem Expertenforum, das Umweltministerium und Forschungszentrum Seibersdorf am 14. November gemeinsam mit der Organisation "Ärztinnen und Ärzte für eine gesunde Umwelt" veranstalten. Wissenschafter, Ärzte, Betroffene, Berater und Behörden aus Österreich, Deutschland und Dänemark nehmen daran teil.

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