"Neues Volksblatt" Kommentar: "Erste Güte" (Von Walter Salzmann)

Ausgabe vom 13. November 2002

LINZ (OTS) - Karl-Heinz Grasser hat sich entschieden. Dass er als unabhängiger Finanzminister unter Bundeskanzler Schüssel weiterarbeiten will, spricht für seine Courage und Überzeugung gleichermaßen. Der Frauenliebling unter den Ministern weiß und ist überzeugt davon, dass der Kurs der Regierung Schüssel richtig ist und deshalb auch konsequent weitergeführt werden soll.
Dass sich sowohl SPÖ als auch FPÖ ins Mark getroffen fühlen, ist logisch. Gusenbauer weiß, dass er spätestens jetzt mit Herrn Broukal und Frau Knoll baden gehen kann. Der FPÖ wiederum wird der Scherbenhaufen bewusster denn je, den Haider initiiert, Stadler betrieben und die Knittelfelder Rebellen vollendet haben.
Die Angriffe führender FPÖler gegen Grasser sind geradezu pervers. Wenn etwa aus Kärnten von Verrat die Rede ist und es heißt, dass man Gesinnung und Anstand nicht wie ein Hemd wechseln könne, so wird bewusst nicht zur Kenntnis genommen, dass nicht Grasser der Partei den Rücken gekehrt hat, sondern es die eigene Partei gewesen ist, die Grasser das Weiterregieren unmöglich gemacht und ihn zuletzt sogar mit Korruptionsverdacht in Zusammenhang gebracht hat. Die FPÖ hat Grasser hinausgeekelt. Dass ihn Schüssel in sein Kabinett holen will, ist ein Schachzug erster Güte.

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