Swoboda, Scheele wollen Westsahara-Konflikt in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses rücken

Wien (SK) Es sei "tragisch", dass Konfliktherde wie der
Balkan oder die Westsahara nur dann die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit in Europa erregen, wenn dort Blut vergossen werde, bemerkte SPÖ-EU-Delegationsleiter Hannes Swoboda - und nahm am Dienstag die Gelegenheit wahr, um gemeinsam mit Karin Scheele, ebenfalls SPÖ-Abgeordnete zum Europäischen Parlament, Mohamed Khadad, Mitglied der saharauischen Regierung und Koordinator für die UNO, und Nadjat Hamdi, Vertreterin der Frente Polisario in Österreich in einem Ad-Hoc Gespräch die Problematik der saharauischen Bevölkerung in der Westsahara zu erörtern. Trotz der schwierigen Situation, in der sich die saharauische Bevölkerung in ihrem - nunmehr seit 27 Jahren geführten - Kampf um die Unabhängigkeit der Republik Westsahara befinde, "glauben wir an das internationale Recht und die friedliche Beilegung des Konflikts mit Marokko", stellte Khadad fest. Seinen Glauben, dass die Saharauis in ihrem Kampf um das Selbstbestimmungsrecht Erfolg haben werden, schöpfte Khadad aus der "Standhaftigkeit, mit der die Saharauis bis heute gekämpft haben, weil sie von ihrem sozialen, politischen und kulturellen Projekt überzeugt waren und weil sie das Gefühl haben, dass sie kein Teil von Marokko sind". Wie ausgeprägt diese Standhaftigkeit sei, verdeutliche sich auch an dem ungleichen Kräfteverhältnis: 300 000 Saharauis stehen zwei Millionen Marokkaner gegenüber. ****

"Nunmehr sind elf Jahre verstrichen, mehr als 550 Millionen Dollar ausgegeben und es gibt noch immer kein Referendum", bilanzierte Khadad das seit 1991 andauernde Engagement der UNO im Konflikt in der Westsahara. Warum Marokko das von der UNO vorbereitete Referendum abgelehnt habe, war für Khadad klar: "Marokko hat eingesehen, dass es das Referendum verlieren würde." Trotz der schwierigen Bedingungen, unter denen die Saharauis in den Flüchtlingslagern leben - es gibt dort weder Flora noch Fauna, sondern nur Wüste - verfiel Khadad nicht in Pessimismus. Marokko zahle einen hohen Preis, um die Okkupation der Westsahara aufrechtzuerhalten. Zudem stellen die "bestorganisierten Flüchtlingslager" und der liberale Geist, der in ihnen herrsche, eine Herausforderung für die Nachbarstaaten und auch für die Religion dar. Und überhaupt: "Vor fünf Jahren hätte niemand einen Schilling oder Euro dafür gewettet, dass Ost-Timor - das sich in einer ähnlichen Situation wie die Westsahara befinde - jemals unabhängig sein werde, und heute ist es Mitglied Nummer 191 der UNO."

"Der wichtigste Grund für die Besetzung der Westsahara ist ökonomischer Natur", machte Khadad auf das Fischereiwesen, die Phosphat- und nicht zuletzt die wichtigen Öl- und Gasvorkommen dort aufmerksam. James Baker, der seit 1997 UN-Sonderbeauftragter für die Westsahara sei, und "nebenbei bemerkt auch ein Freund von Bush ist", habe deshalb eine "hohe Motivation", den Konflikt zu lösen. Da die Versuche, Referenden durchzuführen, allesamt gescheitert seien, orientiere sich Baker seit 2000 auf andere Lösungen, informierte Khadad über die aktuellen Entwicklungen im Westsahara-Konflikt. Der letzte Stand sei die UNO-Resolution vom Juli 2002, in der das Mandat Bakers verlängert worden sei, weiter an der Lösung des Konflikts auf Basis des Selbstbestimmungsrechts der Saharauis zu arbeiten.(Schluss)lm

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