"Kleine Zeitung"-Kommentar: "Jähes Erwachen" (Von Hans Winkler)

Ausgabe vom 8. November 2002

Graz (OTS) - Längst hat man in Europa erkannt, dass es ein Fehler war, der Türkei den Beitritt zur EU in Aussicht zu stellen. Aber das will niemand zugeben.

Man streut sich daher Sand in die Augen und nimmt die gewiss löbliche Abschaffung der Todesstrafe, die Anerkennung kurdischer Parteien und andere Reformgesetze als Beweis, dass sich das Land ohnehin in Richtung westlicher Standards von Demokratie und Menschenrechten bewege.

Das hat sich am letzten Sonntag als Illusion erwiesen. Eine islamistische Partei errang einen Erdrutschsieg. Der Erfolg dieser Partei, aber auch die Möglichkeit, dass sie vom Militär, das sich als Hüter des Laizismus versteht, im Namen "westlicher Werte" um die Macht gebracht wird, zeigt, wo die Türkei wirklich steht.

Aus den Erfahrungen jahrundertelanger Konflikte ist dem kollektiven Gedächtnis der Europäer und insbesondere der Österreicher die Erfahrung eingeschrieben, dass die Türkei eben kein europäischer Staat ist.

Die Türkei verdient alle Unterstützung bei ihrem Bemühen, ein moderner "westlicher" Staat zu werden. Aber dazu muss sie nicht Mitglied der EU sein.

Diese besteht, wie ihr Name schon sagt, nur aus europäischen Staaten. ****

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