GBH-Driemer: "Globalisierung drängt Bau-Holz-ArbeiterInnen in die Arbeitslosigkeit"

Schulmeister, Fritz, Rossmann, Küberl und Driemer diskutierten beim 16. Gewerkschaftstag der Gewerkschaft Bau-Holz

Wien (GBH/ÖGB). "In einer Zeit der sozialen Kälte und ausufernden Globalisierung steht nicht mehr der Mensch im Mittelpunkt. Die Dominanz der internationalen Konzerne drängt immer mehr ArbeitnehmerInnen in die Arbeitslosigkeit, die Bau-und HolzarbeiterInnen sind davon besonders betroffen." Das sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft Bau-Holz, Johann Driemer, bei der Podiumsdiskussion "Gesellschaft für Menschen - Demokratie, Arbeit, Sicherheit" mit Wirtschaftsforscher Dr. Stephan Schulmeister, Franz Küberl, Präsident der Caritas, dem Generalsekretär der Industriellenvereinigung Dkfm. Lorenz Fritz und Dr. Eva Rossmann vom Unabhängigen Frauenforum.++++

"Österreich ist das viertreichste Land der Welt und offenbar nicht imstande, den Kuchen gerecht zu verteilen. Wir brauchen mehr Solidarität gegen die soziale Kälte und neue Finanzierungsmöglichkeiten unseres sozialen Systems", so Driemer beim 16. Gewerkschaftstag der Gewerkschaft Bau-Holz (GBH) heute, Donnerstag. Der Gewerkschaftsvorsitzende forderte daher die Einführung der Wertschöpfungsabgabe in Kombination mit einer Besteuerung der Zugewinne des Finanzkapitals zur Finanzierung des sozialen Netzes.

Küberl: Globale Ungerechtigkeiten einebnen

"Die Globalisierung, wie es sie heute gibt, kann als Rosinenpicken der Stärkeren verstanden werden. Die Kunst wird es aber sein, dass alle einen gerechten Anteil bekommen, die globalen Ungerechtigkeiten müssen eingeebnet werden", so Caritas-Präsident Franz Küberl. Er verwies auch auf die Situation in Österreich, zwar sei ein Großteil der Bevölkerung relativ wohlhabend, doch "rund 350.000 bis 450.000 Menschen leben in Armut. Das zeigt, dass es dringenden Handlungsbedarf gibt", erklärte Küberl. Der "Solidaritätspegel" in Österreich sei grundsätzlich ein hoher, das zeige die Hilfe nach dem Hochwasser. "Es wäre vielleicht hilfreich, wenn sich Politiker von diesem Pegel etwas mehr anstecken ließen", so Küberl.

Schulmeister: Politik muss Probleme lösen

"Die Probleme durch die hohe Arbeitslosigkeit, durch die weltweite Zunahme der Ungleichheit und den daraus resultierende Druck der Migration können nicht von den Märkten gelöst werden. Hier ist es höchste Zeit, dass die Politik gegensteuert", betonte Dr. Stephan Schulmeister, Wirtschaftsexperte des WIFO und Mitinitiator des Volksbegehrens "Sozialstaat Österreich". Schulmeister kritisierte weiters den EU-Stabilitätspakt, er sei "dem Wesen nach eine Fehlkonstruktion. Wenn man ein Spiel erschafft, in dem zwei Spieler , die Europäische Zentralbank und die Nationalstaaten, mitspielen, aber nur einer kann verlieren, dann wird das nie funktionieren."

Rossmann: Gerechte Verteilung von Geld und Arbeit

Auf die Notwendigkeit einer Wertschöpfungsabgabe ging auch Dr. Eva Rossmann vom Unabhängigen Frauenforum und Mitinitiatorin des Volksbegehrens "Sozialstaat Österreich" ein. "Anstatt über eine Lohnnebenkosten-Senkung sollten wir über die Wertschöpfungsabgabe diskutieren. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit muss die Arbeitzeit schrittweise verkürzt werden, so Rossmann. Nur so könnten Geld und Arbeit gerecht verteilt werden. Rossmann kritisierte weiters die Verdrängung von Frauen an den Rand des Erwerbslebens im Zuge der Globalisierung, die Mehrheit der Teilzeitbeschäftigten seien Frauen.

Fritz: Österreich im sozialen Bereich vorne

"Laut einem Vergleich der europäischen Kommission liegt Österreich bei sozialen und ökologischen Parametern in Europa vorne, bei den wirtschaftlichen sind wir bestenfalls Durchschnitt", erklärte der Generalsekretär der Industriellenvereinigung Dkfm. Lorenz Fritz. Er betonte, dass Solidarität nicht an die Politik delegierbar sei. "Ich sehe die Globalisierung als Weiterentwicklung unserer Demokratie", so Fritz.

"In Zeiten des Wahlkampfes entdecken alle Parteien plötzlich den Menschen. Ich fordere, dass auch nach den Wahlen die Anliegen der ArbeitnehmerInnen gehört und umgesetzt werden", so Driemer abschließend.

ÖGB, 7. November 2002 Nr. 858

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