Gesellschaft für Menschen - Demokratie, Arbeit, Sicherheit

Gewerkschaftstag der GBH: Für soziale Gerechtigkeit!

Wien (GBH/ÖGB). In ihren Begrüßungsreden gingen prominente Ehrengäste bei der Eröffnung des 16. Gewerkschaftstages der Gewerkschaft Bau-Holz auf die Forderungen der Gewerkschaft Bau-Holz und auf die politische Situation in Österreich vor entscheidenden Nationalratswahlen ein. In Interviews der Moderatorin Dr. Elisabeth Vitouch nahmen Funktionäre der Gewerkschaft Bau-Holz und Ehrengäste aus Wirtschaft, Sozialpartnerschaft und Arbeitswelt Stellung zu aktuellen Themen und zur Situation in der Arbeitswelt.++++

In einer Grußbotschaft wünschte Bundespräsident Dr. Thomas Klestil den Bau- und HolzarbeiterInnen alles Gute. Klestil wörtlich: "Ihre Gewerkschaft ist ein wichtiger, ein unverzichtbarer Bestandteil für die Interessen der gesamten Arbeitnehmerschaft. Ein Schlüsselwort der Gewerkschaftsbewegung heißt Solidarität. Niemand weiß besser als Sie, was dieses Wort konkret bedeutet. Solidarität beginnt unmittelbar bei Ihrer Arbeit, wo Teamgeist, gegenseitige Rücksichtnahme für die gesundheitliche Sicherheit sorgen. Sie setzt sich fort in der Gewerkschaft, wo sie die unterschiedlichen Interessen der Arbeiter ausgleichen und zu einer gemeinsamen Position finden. Und schließlich mündet Solidarität in der Verantwortung für alle Menschen, die in unserem Lande leben. In Zeiten des rasanten Wandels in der Gesellschaft gilt es zusammenzuhalten und aufeinander zu vertrauen. Die Gewerkschaft Bau-Holz kann gerade wegen ihres dauerhaften Verständnisses von Solidarität ein Vorbild für mehr Sicherheit und Gemeinsamkeit in der gesamten Gesellschaft sein."

Der 1. Nationalratspräsident Dr. Heinz Fischer bekräftigte in seiner Begrüßungsansprache die Bedeutung der Gewerkschaften für die Demokratie: "Immer wenn die Demokratie geschwächt oder ausgeschaltet werden sollte, dann wurden auch die Gewerkschaften angegriffen. Daher ist es ganz wichtig, die GewerkschafterInnen aktiv an der Demokratie zu beteiligen. Wer bei Wahlen zu Hause bleibt, der schaltet sich aus der Politik der kommenden Jahre aus. Denn jede Entscheidung, die im Nationalrat getroffen wird, wird auf der Basis des Mehrheitsverhältnisses gefällt, das sich bei den Wahlen ergibt. Arbeit ist zu Recht ein wichtiges Thema bei diesem Gewerkschaftstag, die Zahlen der Arbeitslosigkeit werden euch hier begleiten. Obwohl es Möglichkeiten gibt, der Schwäche des Arbeitsmarktes zu begegnen, wurde das nicht getan. Andere Dinge waren wichtiger, andere Prioritäten wurden gesetzt. Sicherheit ist das dritte Thema des Gewerkschaftstages, doch die Sicherheit eines Landes wird nicht dadurch am besten gewährleistet, dass Waffen und Kampfflugzeuge gekauft werden, sondern durch gute, vorausschauende Beziehungen zu den Nachbarländern. Dazu gehört auch die Fortsetzung des Erweiterungsprozesses der Europäischen Union."

Als "Hausherr" in Wien begrüßte der amtsführende Stadtrat Werner Faymann in Vertretung von Bürgermeister Häupl die Delegierten und Gäste des 16. Gewerkschaftstages: "Einerseits werden die Investitionen auf Bundesebene gekürzt. Ein Nulldefizit gibt es allerdings auch nicht. Der Bundeskanzler rechnet mit der Vergesslichkeit der Wählerinnen und Wähler. Dafür, dass die Wählerinnen und Wähler nicht vergessen, zur Wahl zu gehen, müssen wir diese letzten Tage gemeinsam nutzen."

Mag. Herbert Tumpel, Präsident der Bundesarbeitskammer, ging in seiner Begrüßungsrede auf die extremen Auswirkungen der Belastungspolitik der scheidenden Bundesregierung auf die Arbeitsmarktsituation ein. Tumpel: "Wir haben bei Treffen mit der Regierung auf die immer schlechtere Lage am Arbeitsmarkt hingewiesen und wurden vertröstet. Wir haben Zahlen gebracht, die abgetan wurden, bis schließlich das Verkehrsministerium endlich einen Infrastrukturplan präsentiert hat. Doch als die Minister wechselten, ist auch dieser Plan untergegangen: Bis heute ist im Bereich der Infrastruktur nichts passiert! Die Belastungspolitik der Bundesregierung spürt jeder Einzelne persönlich. Wir haben heute die höchste Arbeitslosigkeit seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Zwar beschönigt das Kindergeld die Statistik, doch täuscht es nicht über die Realität hinweg. Doch genau diese Realität hat die Bundesregierung bis zum Schluss nicht anerkannt, das am Ende beschlossene Konjunkturpaket ist höchstens ein Packerl, das viel zu wenig gegen diese Rekordarbeitslosigkeit ausrichten kann."

Roel De Vries, Präsident des Internationalen Bundes der Bau- und Holzarbeiter (IBBH), setzte den Schwerpunkt seiner Begrüßungsrede im internationalen Bereich. So setzt sich der IBBH, zum Beispiel in den indischen Steingruben, gegen Kinderarbeit und für Ausbildung ein, er wird von den nationalen Gewerkschaften angerufen, wenn es Probleme mit internationalen Unternehmen gibt. De Vries: "Sie werden beobachtet, die Gewerkschaft setzt sich für die Rechte ihrer ArbeitnehmerInnen ein und versucht, gerechte Arbeitsbedingungen in der ganzen Welt durchzusetzen."

ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch hob in seiner Begrüßung die Arbeit der Bau- und HolzarbeiterInnen hervor: "Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn wir an diesem Gewerkschaftstag ein bisschen über die Grenzen des Saales hinausschauen, sehen wir den Milleniumstower: Ein Bauwerk, über das gesprochen wird, dessen Funktionalität und Schönheit diskutiert wird. Doch wer spricht über die zahlreichen Bauarbeiter, die den Turm, teilweise unter widrigsten Wetterbedingungen in 200 Meter Höhe, errichtet haben? Ihre Arbeitsbedingungen und die Situation mit der hohen Arbeitslosigkeit wird kaum öffentlich dargestellt. Heute fand sich in einer heimischen Zeitung die Schlagzeile ‚Den Bauunternehmern geht’s fürchterlich bis katastrophal’. Von den Arbeitern war keine Rede! Bei einem Prozess in Deutschland, der gegen einen Schwarzunternehmer geführt wurde, der ArbeitnehmerInnen aus der Ukraine in Deutschland und Österreich zu miesen Bedingungen beschäftigt hat, hieß es, in Österreich würde es diesen Prozess gar nicht geben. Denn hier gilt Schwarzunternehmertum noch immer als Kavaliersdelikt. Das muss sich ändern, es kann nicht sein, dass Schwarzunternehmertum in Österreich fröhliche Urstände feiert. Wir brauchen eine Umsetzung des Gesetzes gegen die Schwarzunternehmer."

Die Menschen an den Anfang stellen: das ist das - symbolische -Motto, mit dem Elisabeth Vitouch den 16. Gewerkschaftstag eröffnete. In Interviews mit Betriebsräten und Ehrengästen wurde mit kurzen Schlaglichtern die Arbeitswelt aus verschiedenen Sichtweisen beleuchtet.

Die gelungene Eröffnungsfeier wurde mit dem Film "Gesellschaft für Menschen" und mit zwei modernen Tanzshows festlich umrahmt.

ÖGB, 7. November 2002 Nr. 853

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