ÖGB-Frauen fordern verbesserte Arbeitsbedingungen im Pflegebereich

Bundesweit einheitliche Ausbildung und existenzsichernde Arbeitsplätze schaffen

Wien (ÖGB). "Die Regierung und insbesondere Bundeskanzler Schüssel und die ÖVP sprechen dauernd von einer Joboffensive im Pflegebereich. Aber eine bundesweit einheitliche Ausbildung für dieses Berufsfeld fehlt noch immer", weist ÖGB-Frauenvorsitzende und Vizepräsidentin Renate Csörgits auf den dringenden Handlungsbedarf im Pflegebereich hin. Der Großteil jener, die - bezahlt oder unbezahlt - Pflegearbeit leisteten, seien Frauen. "Wir wollen, dass diese Leistungen entsprechend abgegolten und hochwertige, gut bezahlte Arbeitsplätze geschaffen werden", pflichtet Elisabeth Rolzhauser, im ÖGB zuständig für die Betreuung der Beschäftigten in sozialen Berufen, bei.++++

Aufgrund der Alterung der Gesellschaft werde der Bedarf an qualitativ hochwertigem Pflegeangebot in den nächsten Jahren weiter steigen. "Trotz vieler schöner Worte aus dem Munde von ÖVP-Politikern gibt es aber nach wie vor je nach Bundesland unterschiedliche Ausbildungsvorschriften. In der Steiermark können beispielsweise sogar Hilfskräfte als selbständige Heimhilfe arbeiten, in anderen Bundesländern bedarf es dafür einer Fachausbildung", erklärt Elisabeth Rolzhauser. Die unterschiedlichen Ausbildungsvorschriften hätten zudem zur Folge, dass die Ausbildung des einen Bundeslandes nicht im anderen anerkannt würde. "Eine Heimhilfe aus Niederösterreich hat beispielsweise eine schlechtere Ausbildung als in Wien gefordert ist und kann deshalb keine Arbeit in der Bundeshauptstadt antreten. Wir fordern die Landeshauptleute auf, endlich einer bundeseinheitlichen Ausbildung zuzustimmen", sagt Csörgits.

Der Pflegealltag: Gestückelte Arbeitszeiten, schlechte Entlohnung

Pflegeberufe würden derzeit oftmals als die Chance am Arbeitsmarkt gepriesen. Tatsächlich seien viele der Arbeitsplätze nicht existenzsichernd. "Die Heimhilfen haben teilweise gestückelte Arbeitszeiten - ein paar Stunden am Morgen, ein paar am Abend. Bezahlt werden sie teilweise nach Stundensätzen und für die Wegzeiten, die sie zwischen den einzelnen Einsätzen zurückzulegen haben, gibt es bestenfalls eine pauschale Abgeltung", berichtet Rolzhauser aus der Praxis. "Eine attraktive Job-Chance sind die Pflegeberufe nur, wenn die Rahmenbedingungen verbessert werden. Es reicht nicht aus, Arbeitssuchende in Schnellsiedekursen anzulernen. Wir brauchen mehr Weiterbildungsmöglichkeiten für jene, die bereits im Pflegebereich arbeiten und auch eine stärkere Durchlässigkeit zwischen dem Pflegebereich und den Gesundheitsberufen. Die Frauen, die im Pflegesektor tätig sind, müssen sich auch höher qualifizieren können", fordert Rolzhauser.

Verbesserungen für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen offen

Dringend nötig seien auch Verbesserungen für jene - großteils Frauen - die unbezahlte Pflegearbeit leisteten, erklärt Csörgits. "Die Regierung hat zwar die Familienhospizkarenz eingeführt, aber die finanzielle Absicherung der Betreuenden 'vergessen'. Wir fordern die Schaffung eines an das Einkommen gekoppelten Karenzgeldes bei der Familienhospiz und haben dafür auch ein Modell entwickelt", sagt Csörgits.

Auch das Pflegegeld müsste dringend angehoben werden. Es ist seit seiner Einführung im Jahr 1996 nicht erhöht worden. "Über 80 Prozent jener, die die Pflegegeld-BezieherInnen betreuen, sind Frauen. Eine Anhebung des Pflegegeldes würde ihnen, aber auch den BezieherInnen zugute kommen, weil sie sich dann eine entsprechende hochwertige Pflege leisten könnten", so Csörgits.

Handlungsbedarf gibt es auch im akademischen Bereich. "Derzeit erfolgt die Ausbildung im Bereich der Pflegewissenschaften als individuelles Diplomstudium, was für die über 200 Studierenden eine enormen administrativen Aufwand mit sich bringt", erläutert Csörgits. Ein ordentliches Regelstudium Pflegewissenschaften fordern neben dem ÖGB auch die Caritas und das Rote Kreuz.

"Wir erwarten uns von der künftigen Regierung, dass sie diese Probleme in Angriff nimmt: Gefordert sind ordentliche Rahmenbedingungen für die Beschäftigten und ein gutes, flächendeckendes und leistbares Angebot für die Pflegebedürftigen", sagt Csörgits abschließend. (mfr)

ÖGB, 31. Oktober 2002
Nr. 830

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