Gefahr durch die schroffe Ablehnung des EU-Beitritts der Türkei in Deutschland (von DI Birol Kilic)

Wien (OTS) - Die schroffe Ablehnung des EU-Beitritts der Türkei durch die Union und die FDP gefährdet die Interessen Europas und stärkt anti-europäische Kräfte in der Türkei und in der islamischen Welt.

Die Türkische Gemeinde in Österreich tritt uneingeschränkt für den EU-Beitritt der Türkei ein. Wir wenden uns daher gegen alle öffentlichen Äußerungen, die geeignet sind, die erzielten Integrationserfolge zu gefährden und den europäischen Erweiterungsprozeß zu konterkarieren.

Die Unionsführung reduziert Europa auf christlich-abendländliche Werte. Für uns ist Europa ein globales Modell einer offenen und multikulturellen Gesellschaft. Europa überwindet Kulturgrenzen. Die Türkei ist das einzige Land mit einem laizistischen Staat und einer islamischen Mehrheitsbevölkerung, die das westliche Lebens- und Zivilisationsmodell favorisiert. Trotz der gegenwärtigen Defizite, die der Türkei vorgehalten werden, ist zu beachten, dass die westlichen Werte in der Türkei verfassungsmäßig verankert sind und auch gesellschaftlich ausreichende und zunehmende Anwendung finden.

Kein anderer EU-Kandidat unternimmt derartig große Bemühungen wie die Türkei, die eigene Kulturgrenze zu überwinden, um ein Teil Europas zu sein. Die Türkei ist seit Jahrzehnten ein Mitglied der westlichen Staatengemeinschaft und war in die Verteidigung Europas eingebunden, als die jetzigen Beitrittskandidaten noch eine Bedrohung für Europa darstellten. Die Türkei will als ein laizistischer Staat einem säkularen Europa beitreten. Wer Europa auf einen christlichen Klub reduziert, redet einem "Kampf der Kulturen" zwischen dem islamischen und dem christlichen Fundamentalismus das Wort und begeht einen Akt der mutwilligen Zerstörung.

Dies stellt praktisch eine Koalition mit den anti-europäischen Kräften in der Türkei dar, legitimiert die Argumente der nationalistischen Kreise und fördert gleichzeitig auch die Animositäten gegen den europäischen Einigungsprozeß. Für die friedliche Koexistenz der islamischen und der westlichen Gesellschaften ist die Türkei der einzige Modellstaat unserer Zeit. Deshalb wird der EU-Beitritt der Türkei von den demokratischen Kräften in der islamischen Welt unterstützt.

Wer sich klar gegen eine konkrete EU-Beitrittsperspektive der Türkei ausspricht, zeigt dem friedlichen Zusammenleben islamischer und westlicher Gesellschaften die rote Karte. Es gibt auch in der Union ernste Stimmen, die in Gesprächen mit der Türkischen Gemeinde die gegenwärtige Haltung der Unionsführung bedauern.

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DI. Birol KILIC
Dachverband der türkischen Vereine in Österreich
Vorstandsleiter für Beratung und Disziplinarkommission
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