Roman Herzog: "Die Religionsfreiheit ist wie ein Fieberthermometer" utl.: Ehemaliger deutscher Bundespräsident beim Reformationsempfang in Wien

Wien, 30. Oktober 2002 (epd Ö) "Die Religionsfreiheit ist wie ein Fieberthermometer", sagte der ehemalige deutsche Bundespräsident, Dr. Roman Herzog, beim Reformationsempfang der Evangelischen Kirche A.u.H.B. in Österreich am 30. Oktober in Wien. Herzog sprach in der Akademie der Wissenschaften über "Die Rolle der Grundrechte-Charta im Erweiterungsprozess der Europäischen Union". Herzog war bei der Entwicklung der Grundrechte-Charta der Europäischen Union Vorsitzender der Kommission, die im Jahr 2000 die Präambel dazu entwickelt hat. Herzog: "Wird die Religionsfreiheit nicht respektiert, dann werden auch die anderen Freiheiten der Menschen nicht respektiert."

Es sei nicht einfach gewesen, die Religionsfreiheit in die Präambel der Grundrechte-Charta aufzunehmen, aber in den kommenden Verhandlungen werde sie rechtsverbindlich gemacht, erwartet Herzog. "Die Organe der Europäischen Union werden dadurch gebunden sein, und gegenüber den Beitrittskandidaten wird diese Charta so etwas wie ein Beichtspiegel sein." Hier dokumentiere sich, "wofür wir stehen und was wir vertreten". Diese Frage müsse man sich gefallen lassen. Die Antwort sei deutlich: "Es ist der Wert des Individuums und die Würde des Menschen, die Bedeutung seiner Freiheit. Das macht uns aus." Der Text der Grundrechte-Charta sei zugegebenermaßen "nicht perfekt", aber der Mensch sei "auch nicht perfekt und mit Fehlern behaftet", resümierte Herzog.

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