Handel startet Initiative gegen Verödung der gewachsenen Städte

Stift und Lemler präsentieren Forderungskatalog -Wettbewerbsgleichheit gegenüber "grüner Wiese" als zentrales Anliegen

Wien (PWK784) - Die Errichtung von immer mehr Einkaufszentren und Fachmärkten "auf der grünen Wiese" führt zu einer Verödung der gewachsenen Städte und zu einem Verfall der Geschäfte. Dieser bedenklichen Entwicklung muss endlich durch eine neue und werterhaltende Raumordnungspolitik entgegengewirkt werden.

Dies forderten heute, Mittwoch, der Obmann des Bundesgremiums des Textilhandels, Komm.Rat Wilhelm Stift, sowie der Obmann der Bundessparte Handel, Komm.Rat Erich Lemler, in einer Pressekonferenz im Haus der Wirtschaft. Zur Untermauerung ihrer Argumente präsentierten Stift und Lemler einen zehn Punkte umfassenden Forderungskatalog sowie eine eindrucksvolle Fotodokumentation über die schwierige Situation der Einzelhandelsbetriebe in den Innenstädten und die Ausdehnung der Einkaufszentren an der Peripherie vieler Bezirks- und Landeshauptstädte.

In Österreich gibt es "auf der grünen Wiese" bereits 126 größere, verkehrsmäßig bestens erschlossene Einkaufszentren und Fachmärkte mit einer Verkaufsfläche von 1,6 Millionen m2. 30 weitere große Shopping-Zentren sind in Planung. "Hinsichtlich der Zahl der Quadratmeter in EKZs pro Kopf der Bevölkerung ist Österreich Weltmeister. Dies hat für die innerstädtischen Geschäfte gravierende Folgen, immer mehr machen dicht. Dies führt zur Verödung dessen, was in Jahrhunderten gewachsen ist. Wir müssen uns entscheiden: wollen wir diese Entwicklung?", appellierte Stift an die Politiker, bundes-oder zumindest landeseinheitliche Rahmenbedingungen bei der Raumordnung herbeizuführen: "Es muss ein Umdenken stattfinden! In der Raumordnung ist Österreich europaweit das Schlusslicht".

Vor der Projektierung eines neuen Einkaufszentrums muss zwingend eine überortliche raumordnungspolitische Abstimmung stattfinden, fordert Stift und verweist auf positive Beispiele in Bayern und Südtirol, an denen sich Österreich ein Vorbild nehmen sollte.
Weitere Punkte aus dem Forderungskatalog betreffen eine Bundeskompetenz für überregionale Projekte und die Einteilung der Waren in "zentrenrelevante Güter", die unbedingt ins Stadtzentrum gehören (z.B. Textilien, Schuhe, Spielwaren oder Drogerieartikel). Dies erfordere eine verbindliche Festlegung der Sortimente in der Baugenehmigung. Bei Abänderung des Sortiments sei eine neue "Raumverträglichkeitsprüfung" erforderlich.

Gefordert wird weiters ein "Beeinträchtigungsverbot der Städte durch Einkaufszentren auf der grünen Wiese". Es dürften maximal zehn bis fünfzehn Prozent der Kaufkraft abgesaugt werden. Die Bauordnung sei an die modernen Bedürfnisse des Handels anzupassen. Damit verbunden ist die Forderung nach einem zeitgemäßen Denkmalschutz für Österreichs Städte, der auch die Nutzung historisch wertvoller Gebäude ermöglicht. Für eine "Renaissance der Innenstadt" seit eine finanzielle Unterstützung der Kommunen erforderlich. Niederösterreich hat, so Stift, mit der "Nö Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Einkaufens in Stadtzentren" (NAFES) bereits ein nachahmenswertes Modell entwickelt. Schließlich wird auch eine finanzielle Unterstützung jener Unternehmen gefordert, die trotz erschwerter Bedingungen in den Innenstädten investieren und dabei mitunter doppelt so hohe Kosten wie auf der grünen Wiese auf sich nehmen. (hp)

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