Brosz: Keine Chancengleichheit im österreichischen Bildungssystem Utl: PISA-Chef Schleicher bestätigt Grüne Kritik

Wien (OTS) "Bildungsministerin Gehrer hat offenbar nach wie vor das Grundprinzip des finnischen Bildungssystems nicht verstanden", so der Bildungssprecher der Grünen, Dieter Brosz, in Reaktion auf die heutigen Äußerungen Gehrers zur gestrigen TV-Diskussion. Die Anzahl der "normalen" Unterrichtsstunden ist in Finnland wesentlich niedriger. Darüber hinaus gibt es aber massive Förderungen für leistungsschwächere Kinder. Diese finden außerhalb des regulären Unterrichts statt. 93% der finnischen SchülerInnen kommen in den Genuss von individuellen Fördermaßnahmen durch die Lehrkräfte. Auch das von Gehrer genannte bessere Lehrer/Schüler-Verhältnis entspricht nicht den Tatsachen. Laut der gestern veröffentlichten neuesten OECD-Studie liegt die durchschnittliche KlassenschülerInnenzahl in der Mittelstufe in Österreich bei 24 SchülerInnen, in Finnland bei 20. Aufnahmeprüfungen finden erst in der Oberstufe statt, die Zahl der Abweisungen ist wesentlich geringer als in Österreich.

Bestätigung erhalten die Grünen durch Aussagen des Erfinders der PISA-Studie, Andras Schleicher, die dieser anlässlich einer Tagung der Arbeiterkammer in Wien am 10. Oktober getroffen hat.

"Österreich erbringt eine mittelmäßige Gesamtleistung bei riesigen Leistungsunterschieden. Österreich liegt zwar im Mittelfeld der OECD-Staaten, aber "das Mittelfeld darf nicht Maßstab bleiben. Wenn man berücksichtigt, dass in Österreich ein Teil der 15-16jährigen Jugendlichen bereits aus dem Schulsystem verschwunden sind, dann verschiebt sich die Position Österreichs noch um 2-3 Plätze nach hinten.

Bei den Testsiegern (Finnland, Korea, Japan) gibt es kaum Leistungsunterschiede zwischen den Schulen. Sie können dort ihr Kind praktisch auf jede Schule schicken und Sie erreichen immer eine gute Bildungsleistung. In Österreich und Deutschland gibt es riesige Leisungsunterschiede zwischen den Schulen bedingt durch unterschiedliche Schulformen. Das hätten wir (OECD) so nicht erwartet.

In den Ländern mit den besten Ergebnissen hat der soziale Hintergrund nur wesentlich geringeren Einfluss auf das Leistungsprofil der SchülerInnen als im OECD-Durchschnitt also auch als in Österreich. In Österreich gibt es eine unausgewogene Verteilung der Bildungsleistungen je nach sozialer Herkunft. Der Einfluss der Schule auf das Leistungsprofil der SchülerInnen ist in Österreich und Deutschland ungleich größer als der Einfluss der Begabungen und Fähigkeiten der SchülerInnen. In diesen Ländern findet ein viel zu frühes Treffen von Lebensentscheidungen statt, die später nicht mehr korrigierbar sind." (alle Zitate: Schleicher)

"Die zentrale Herausforderung an das österreichische Schulsystem ist die Angleichung unterschiedlicher Ausgangspositionen. Die Grünen wollen dies durch eine Ausweitung individueller Förderungen erreichen", so Brosz abschließend.

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