"Armut" im Historischen Museum der Stadt Wien

Wien (OTS) - Die "Armut" hat sich das Historische Museum der Stadt Wien zum Thema einer Ausstellung genommen, die von 31. Oktober 2002 bis 2. Februar 2003 zu sehen ist. In Zusammenarbeit mit der Caritas und der Österreichischen Armutskonferenz geht die Ausstellung der Armut nicht nur als historischen Phänomen vergangener Jahrhunderte nach, sondern thematisiert sie auch im Zusammenhang mit unserer heutigen Gesellschaft. Elf Prozent der Österreicher sind nach europäischen Kriterien als arm anzusehen, global ist die Armut auch heute eine traurige weltweite Erscheinung. Die Ausstellung beleuchtet die Armut aus verschiedenen Sichtwinkeln, sie fragt nach den Armutsfallen von einst, nach der Entwicklung der städtischen Armenfürsorge, nach den politischen Ansätzen zur Linderung der Not in den sozial schwachen Schichten, nach den Gründen für das Aussteigertum und der Obdachlosigkeit, aber auch nach den karitativen Einrichtungen, die sich um die Not der Randgruppen unserer Gesellschaft kümmern. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 9 bis 18 Uhr, Eintritt: 3,60 EUR, zahlreiche Ermäßigungen.****

Belegt wird das Thema durch Versatzstücke der Armut aus verschiedenen Zeiten wie auch durch die künstlerische Annäherung an die Thematik, die ein anschauliches Bild der Armut in Vergangenheit und Gegenwart gibt. Die Architektur der Ausstellung wurde von obdachlosen Mitarbeitern mitgestaltet, die damit auch ihren eigenen Zugang zum Thema einbrachten. Ein Lichtblick am Horizont: Einer der Mitarbeiter fand über diese Arbeit auch eine ständige Anstellung in einer Tischlerei.

Die Themenkreise der Ausstellung reichen von der Mittellosigkeit über die Heimatlosigkeit und den Verlust der Würde bis hin zur Auswegslosigkeit und zur Schonungslosigkeit, der die Armen ausgesetzt sind, und schließlich zur Frage des fehlenden Daches über dem Kopf, der Obdachlosigkeit. Das künstlerisch formulierte Bild der Not findet sich in der Auseinandersetzung von Künstlern wie Callot, Ribera, Rembrandt, Waldmüller, Ranftl, Raimund, Nestroy, Kollwitz oder Picasso wieder, die Not und Elend eindrucksvoll visualisieren. Neben der materiellen Armut will die Ausstellung auch auf die seelische Verarmung in Gestalt der Wohlstandsverwahrlosung oder der zunehmenden Austrocknung sozialer Kontakte hinweisen. Weiters wird auch das kirchliche Armutsideal und die Rolle der Bettelorden beleuchtet. Neben der zentralen Schau im Haupthaus am Karlsplatz sind auch die Virgilkapelle und Schuberts Sterbewohnung in das Ausstellungsthema eingeschlossen.

Begleitprogramm zur Ausstellung

Zur Ausstellung gibt es auch ein vielfältiges Begleitprogramm, beginnend mit der Musiktheaterproduktion "Bill oder Die 7 Aspekte der Armut" von Alexander Kukelka bis hin zu Diskussionen, Lesungen und speziellen Führungen.

Mit "Bill oder Die 7 Aspekte der Armut" setzt sich Alexander Kukelka mit seinem Team mit dem Problem der digitalen Revolution und der Armut durch Globalisierung auseinander. Er stellt die Frage nach der Rolle von Profitgier, Machtstreben und Ausbeutung unter den Mantel des Neoliberalismus in Form einer bitterbösen musikalischen Groteske über menschliche Träume und Sehnsüchte in einer zunehmend unwirtlichen High-Tech-Welt. Aufführungstermine sind der 7., 9., 10., 14., 15., 16. und 17. November jeweils um 20 Uhr. Nach der Aufführung am 10. November findet eine Podiumsdiskussion zu dem Thema statt.

Im Rahmen des weiteren Ausstellungsprogramms lesen u.a. Christine Nöstlinger "iba de gaunz oamen Leit" (28. November, 18 Uhr) und Kurt Bergmann aus seinem soeben erschienenen Buch "Mein Licht ins Dunkel" (12. Dezember, 18 Uhr), Rudolf Buczolich und Elisabeth Ofenböck präsentieren einen Streifzug durch die populäre Armutsliteratur unter dem Titel "Und es war so arm, dass es kein Kämmerchen mehr hatte ..." (19. Dezember, 18 Uhr).

Weitere Informationen:

o Historisches Museum:
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(Schluss) gab/vo

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