Bartenstein: Die Talsohle bei Arbeitslosenrate ist durchschritten. Utl: Erste Wirkungen des Jugendbeschäftigungspaktes zeichnen sich ab

Wien (BMWA/OTS) - Der Anstieg der Arbeitslosenrate nimmt weiterhin deutlich ab, die Zahl der Arbeitslosen liegt aber erwartungsgemäß noch immer über dem Wert des Vorjahres.
Gegenüber dem Vorjahreswert ist die Zahl der Arbeitslosen im Oktober um 17.242 bzw. 8,8% angestiegen. Der Anstieg ist damit erstmals deutlich einstellig (zum Ver-gleich: im September hat die Zunahme noch 13,8% und im August noch 16,6% be-tragen). Im April 2002 war die Zuwachsrate im Vergleichsmonat zum Vorjahr sogar bei fast 21%. Damit scheint die Talsohle erreicht zu sein und er sehe eine gewisse Entspannung am Arbeitsmarkt, sagt Arbeitsminister Dr. Martin Bartenstein.

Untermauert wird diese Trendwende auch mit der Zahl der zusätzlich gemeldeten offenen Stellen beim Arbeitsmarktservice. In den letzten 3 Monaten stieg erstmals das Angebot an neuen offenen Stellen und lag mit 77.406 neuen Angeboten um 9.324 über dem Wert des Vorjahres.

Außerdem liegt die Arbeitslosenzahl mit 213.514 arbeitslos gemeldeten Personen mit Ende Oktober deutlich unter den Werten der Oktober 1998 (220.104), 1997 (219.383) und 1996 (214.293).

Geschlechtsspezifisch differ-enziert zeigt sich, dass die Frauenarbeitslosigkeit mit +4.457 (+4,6%) weiterhin geringer zunimmt als jene der Männer (+12.785; +12,8%).

Mit den aktuellen Zahlen rangiere Österreich nach wie vor auf Platz 3 in der EU, bei der Jugendarbeitslosigkeit läge Österreich sogar an zweitbester Stelle. Die Maßnahmen der Regierung zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit könnten schon bald Früchte tragen, gibt sich Bartenstein überzeugt.

Auch der Anstieg bei den jugendlichen Arbeitslosen hat deutlich abgenommen. Lag die Zunahme der Arbeitslosen bei den 15- bis 24-Jährigen im September bei 17,4%, so betrug sie im Oktober 12,8%. Während die Arbeitslosigkeit der 15- bis 18-jährigen Jugendlichen mit 5.093 gegenüber dem Vorjahr nur um 8,6% oder +405 gestiegen ist, entfällt der überwiegende Teil der Zunahme nach wie vor auf die 19-bis 24-Jährigen (+3.769 bzw. +13,5% auf 31.731). Im Vergleich zu den Zuwächsen der Vormonate zeigt sich allerdings auch hier eine deutliche Abschwächung (im September lag die Zunahme noch bei 19,5% und im August bei 23,1%).

Im internationalen Vergleich der Jugendarbeitslosigkeit nimmt Österreich mit einer Quote von 7,2% (Wert für September) weiterhin eine überaus gute Position ein. So liegt die Jugendarbeitslosenquote im EU-Durchschnitt mit 15,3% (August) mehr als doppelt so hoch. Österreich weist in der Folge nach den Niederlanden (6,4% im August) nach wie vor die zweitniedrigste Jugendarbeitslosenquote in der Gemeinschaft aus, gefolgt von Irland (8,4%) und Dänemark (8,7% -jeweils Augustwerte).

Lehrstellenmarkt Oktober
Die Zahl der Lehrstellensuchenden liegt Ende Oktober bei 5.005 und damit um ca. 1.100 unter dem Wert für September 2002, aber gleichzeitig um 977 (+24,3%) über dem Wert des Vorjahres. Die Zahl der beim Arbeitsmarktservice gemeldeten offenen Lehrstellen ist mit -58 (-2,1%) auf 2.714 leicht zurückgegangen.

Zunahme der Altersarbeitslosigkeit
Die Arbeitslosigkeit der über 50-Jährigen ist um 3.912 (+9,6%) auf 44.719 angestiegen. Dabei nimmt weiterhin die Zahl der 50- bis 54-Jährigen mit +950 (+4,5%) deutlich unterdurchschnittlich zu. Die Arbeitslosigkeit der 55- bis 59-Jährigen steigt mit +2.506 (+15,7%) und die der über 60-Jährigen um +456 (+13,1%) an. Neben demographischer Faktoren ist die Zunahme der letztgenannten Altersgruppen auch auf die geänderten Zugangsbestimmungen in die vorzeitige Alterspension und den entsprechen-den Begleitmaßnahmen im Arbeitslosenversicherungsgesetz zurückzuführen.

International gesehen hat Österreich nach wie vor eine sehr günstige Position:
Für den September 2002 (letzt verfügbarer Wert) weist EUROSTAT für Österreich eine Arbeitslosenquote von 4,2% aus. (Die Fortschreibung dieser Quote durch das Arbeitsmarktservice für den Oktober ergibt 4,1%). Damit liegt dieser Wert nach wie vor deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 7,7% (Wert für August). Lediglich Luxemburg mit 2,5% und die Niederlande mit 2,9% (August) weisen eine niedrigere Arbeitslosenquote als Österreich auf.

Arbeitslosenquoten nach Kriterien der EU (und ILO):
(Saisonbereinigte Werte)

Österreich 4,2% (September 2002)
Europäische Union 15 7,7% (August 2002)
BRD Gesamt 8,3% (September 2002)
Frankreich 8,8% (August 2002)
Schweden 5,1% (September 2002)
Vereinigtes Königreich 5,2% (Juli 2002)

USA 5,6% (September 2002)
Japan 5,4% (August 2002)
Daten: Eurostat

Langzeitarbeitslosigkeit
Ende Oktober 2002 sind 12.602 Personen länger als ein Jahr vorgemerkt. Damit liegt ihre Zahl über dem Wert vom Oktober des Vorjahres (+2.292 bzw. +22,2%), allerdings nach wie vor deutlich unter dem vergleichbaren Wert des Jahres 2000 (und zwar um 2.529 bzw. 16,7%). Die Zahl der über 6 Monate vorgemerkten Arbeitslosen liegt mit 41.034 derzeit um 7.093 (+20,9%) über dem Vorjahreswert. Der Anstieg hat sich damit weiter abgeschwächt.

Entwicklung nach Branchen
Der auf Grund der nach wie vor ungünstigen internationalen Rahmenbedingungen verzögerte Konjunkturaufschwung stellt vor allem für den Sachgütererbereich eine entsprechend ungünstige Wachstumsgrundlage dar. Unter diesen Bedingungen stellt die Abschwächung des Anstiegs der Arbeitslosigkeit in der Sachgütererzeugung auf +12,7% (+4.280 auf 37.881) eine bemerkenswerte Verbesserung dar (im September hat die Zunahme noch beinahe 20% betragen). Auch im Bauwesen hat sich die Zunahme mit +947 (+3,9%) auf 25.081 deutlich abgeflacht. Die Arbeitslosigkeit im Dienstleistungsbereich ist Ende Oktober um 6,7% (+8.289) auf 132.292 angestiegen. Ähnlich den Vormonaten nimmt dabei die Arbeitslosigkeit im Bereich Handel/Instandhaltung mit +2.078(+5,8%) erneut verlangsamt zu. Der Anstieg im Realitätenwesen/unternehmensnahe Dienste beträgt 1.723 (+12,1%) und bei den sonstigen öffentlichen und privaten Dienstleistungen beträgt die Zunahme 1.872 (+20,8%). Mit +1,9% (+756) ist der Anstieg der vorgemerkten Personen im Fremdenverkehr beinahe zum Stillstand gekommen.

Entwicklung in den Bundesländern
Ende Oktober 2002 hat sich die Zunahme der Arbeitslosigkeit in allen Bundesländern abgeschwächt. Mit +4.898 (+7,7% auf 68.482) stellt der Anstieg in Wien nach wie vor den betragsmäßig größten Zuwachs dar (der Anteil am Gesamtanstieg beträgt damit 28,4%). Allerdings liegt der relative Zuwachs in der Bundeshauptstadt auch im Oktober unter der Gesamtentwicklung. Prozentuell be-trachtet fällt die Zunahme in Vorarlberg mit +16,4% (+1.117 auf 7.922) vor Oberösterreich (+12,0% bzw. +2.442 auf 22.741), Burgenland (+11,8%; +628 auf 5.959), Salzburg (+10,7% bzw. +1.186 auf 12.221), Niederösterreich (+10,3% bzw. +3.067 auf 32.974) und der Steiermark (+9,8%; +2.585 auf 29.056) am stärksten aus. Einen unter-durchschnittlichen Arbeitslosigkeitszuwachs verzeichneten Ende Oktober - wie bereits in den Vormonaten - Kärnten (+5,1%; +765 auf 15.884) und vor allem auch Tirol (+3,1%; +554 auf 18.275).

Arbeitslosigkeit nach Ausbildungskategorien
Bis auf die Absolventen von Akademien (-65 bzw. -7,3% auf 823) sind im Jahresabstand nach wie vor in allen Ausbildungskategorien Zunahmen der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen. Der stärkste Anstieg ist bei Personen mit lediglich Pflichtschulabschluss (+5.494 oder +6,8% auf 86.352) sowie bei Personen mit Lehrabschluss festzu-stellen (+5.444 oder +7,8% auf 74.971). Bei arbeitslosen Personen, die über keine abgeschlossene Schulausbildung verfügen, hat sich der Bestand im Vergleich zum Vorjahr um 723 (+8,8%) auf 8.938 erhöht. Auf diese drei Ausbildungskategorien entfallen damit rund 68% des Gesamtanstiegs.

Schulungen des Arbeitsmarktservice
Die Schulungsaktivitäten des Arbeitsmarktservice liegen im Oktober neuerlich - und bei weiter steigender Tendenz - über dem Vorjahresniveau. Die Zahl der in Schulung befindlichen Personen liegt mit 42.341 um 5.851 (+16,0%) über dem vergleichbaren Vorjahreswert. Beinahe 40% des Anstieges entfällt dabei auf jugendliche Schulungs-teilnehmer (15- bis 25-Jährige). Besonders ausgeprägt steigen die Teilnehmerzahlen in Wien (+33,4% bzw. +3.595), in der Steiermark (+26,0% bzw. +1.564) und in Salzburg (+26,4% bzw. +348). Die Schulungsteilnehmer rekrutieren sich schwer-punktmäßig aus den Berufsgruppen Büroberufe (8.596), Metall-/Elektroberufe (5.556), Handel (5.402) und den Hilfsberufen (4.680). Aus diesen Berufs-gruppen ergeben sich damit mehr als 57% aller in Schulung befindlichen Personen.

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