"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Herwigs erste Frau" (Von Peter Nindler)

Ausgabe vom 30. Oktober 2002

Innsbruck (OTS) - Die neue Innsbrucker Bürgermeisterin Hilde Zach hat mit einer Quotenfrau in der Politik gar nichts gemein. Vielmehr ist Zach eine gestandene Kommunalpolitikerin, die alle Höhen und Tiefen einer politischen Karriere bereits durchgemacht hat. Dass sie ab heute die Landeshauptstadt regiert, ist die natürlichste Sache auf der Welt. Einzig das nach wie vor in der Politik vorherrschende männerdominierte Selbstverständnis verhinderte bisher Ausgewogenheit. Trotzdem: Hilde Zach wird es nicht so leicht haben wie ihr Vorgänger Herwig van Staa. Der jetzige Landeshauptmann löste 1994 den politisch schwer angeschlagenen Romuald Niescher als Bürgermeister ab. Van Staa konnte nur gewinnen. Zach hingegen muss weiter gewinnen, will sie nicht am politischen Denkmal Herwig van Staa zerbrechen. So ist es halt in der Politik. Mit Gerechtigkeit hat das nichts zu tun.

Auf Schritt und Tritt werden ihr Vorurteile begegnen, auch wenn sie niemand offen aussprechen wird. Van Staa war derart dominant, dass sich wahrscheinlich bei anstehenden Entscheidungen viele bewusst oder reflexartig fragen werden: Wie hätte wohl der große Herwig van Staa entschieden?

Zach verkörpert zwar Entschlossenheit, symbolisiert als Politikerin aber nicht jene, bisweilen erdrückende, Dominanz ihres politischen Übervaters. Darin liegt eine Chance und gleichzeitig die große Gefahr. Wer intensiver und länger diskutiert, bietet mehr Angriffsflächen. Andererseits ist der politische Dialog in der Landeshauptstadt zuletzt zusehends verkümmert.

Die Bürgermeisterin übernimmt jedoch eine in jeder Hinsicht sanierte Stadt, die sie ab jetzt durch ein finanzielles Wellental manövrieren muss. Die fetten Budgetjahre sind nämlich endgültig vorbei. Und Zach muss sich wohl verstärkt am Land in der Person des Landeshauptmanns reiben. Dadurch wird sie stärker und unabhängiger, der Schatten des Ex-Bürgermeisters sicherlich kürzer.

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