Oberösterreichische Nachrichten 30. Okt. 2002 "Das nächste Rot-Signal" von Karl Danninger

Der Mann mit der dicken Aktentasche entpuppt sich plötzlich als Humor-Bolzen. Alfred Finz mit lockerer Lippe am Würstelstand wahlkämpfend, den Kontakt nicht scheuend, als Chef der VP Wien im größten Not- und Hoffnungsgebiet der Kanzlerpartei agierend.
Ob der Staatssekretär mit seinem Humor W UJede Stimme ist wichtig, auch wenn js die einer Frau ist
Ö im Kampf um die Wählerinnen und
Wähler der Bundeshauptstadt freilich etwas Positives bewirken wird, darf als zweifelhaft gelten. Frauenpolitik, auch solche, die am Würstelstand betrieben wird, verträgt keinen Humor, nicht den kleinsten Funken. Das wird sich vielleicht auch einmal in den Männerbünden herumsprechen (müssen).
Wie der Kampf um die urbanen Wähler auch geführt werden kann, das zeigt die SP. Nach dem Diplomaten Wolfgang Petritsch und dem Medienmenschen Josef Broukal wurde nun die sozial engagierte Theologin Gertraud Knoll als Mitglied eines künftigen /Kabinetts des Lichts! vorgestellt. Dass ihr die VP sofort das Taferl dVorsicht! Linke!Ä umgehängt hat, beweist, dass ihr politisches Gewicht zugestanden wird.
Immerhin verkörpert sie einen Frauentyp, der in der VP-Wählerschaft nicht selten anzutreffen ist: Ehefrau mit Partnerproblemen, Mutter, sozial engagiert. In der Analyse ihrer Kandidatur bei der Präsidentenwahl 1998 > sie war hinter Thomas Klestil auf Platz 2 gelandet t sieht man, dass für sie die Merkmale ?Persönlichkeit, Stil, sympathischer Eindruck, Frausein, Menschlichkeit, christliches Engagement. den Ausschlag gegeben haben. Dass sie in städtischen Ballungszentren mit hohem Akademikeranteil überdurchschnittlich abgeschnitten hat, rundet das Bild ab.

Trotzdem wird Gertraud Knoll im VP-Lager nicht die große Gefahr sein. Die Theologin hat sich mit Reizthemen zu klar positioniert:
Sie vertritt die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, sie hat die Heller-Rede bei der Nestroy-Preis-Verleihung positiv bewertet l und ist damit trotz aller Konservativität der persönlichen Sphäre für konservatives Publikum nicht wählbar.
Was also bringt Gertraud Knoll der SP? Zunächst einmal wieder Aufmerksamkeit. Ob es mit Knoll gelingt, massiv im Lager der Grünen zu grasen, ist zweifelhaft. Denn Knolls Positionen sind bei den Grünen selbstverständlich. Warum sollte ein potenzieller Grün-Wähler wegen Gertraud Knoll die SP wählen? Wo sie doch ohne Platz auf der Liste ohnehin keine Chance hat, in den Nationalrat einzuziehen. Sie ist als Staatssekretärin im Sozialministerium vorgesehen. Wer ihr Chef oder ihre Chefin als Minister wäre, ist ungewiss. Es könnte ein Mann sein.

Petritsch, Broukal, Knoll waren bisher gute Überraschungsmomente, die dem SP-Vorsitzenden Schub verliehen haben. Aber damit beginnt auch das Problem. Gusenbauer mag damit die Wahl gewinnen. Aber werden die eingefleischten SP-Funktionäre bei einer Regierungsbildung ihre erhofften Pfründe einer Riege von

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