Molterer präsentiert Studie über Ernährungsgewohnheiten der Österreicher

Österreicher essen öfter auswärts - Hausmannskost nach wie vor am beliebtesten - Längeres Einlagern statt häufigerem Einkaufen

Wien (OTS) - Das Essen außer Haus gewinnt in Österreich zunehmend an Stellenwert. Fast jedes zweite Mittagessen wird bereits auswärts verzehrt. Bodenständige Küche steht auf dem Speiseplan weiterhin unangefochten ganz oben. Das sind einige der Ergebnisse der Österreichischen Ernährungsstudie 2002, die gestern, Montag, von Umwelt- und Landwirtschaftsminister Mag. Wilhelm Molterer vorgestellt wurde. Für die Studie wurden vom Meinungs- und Marktforschungsinstitut Fessel-GfK im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums 1.500 Personen über ihre Ernährungsgewohnheiten interviewt.

In ihren Grundzügen hat sich die Mahlzeitengestaltung in Österreich seit der letzten Befragung im Jahr 1996 kaum verändert. Nach wie vor stehen die drei "klassischen" Mahlzeiten Frühstück, Mittagessen und Abendessen im Vordergrund. Nahezu alle Personen halten sich an Wochen- bzw. Arbeitstagen üblicherweise an diese Dreiteilung. Nur 8 % frühstücken nicht, 5 % halten kein Mittagessen und 3 % verzeichten aufs Abendessen. Vormittagsjause (42 %) oder Nachmittagsjause (36 %), sind deutlich weniger verbreitet, allerdings steigt die Mahlzeitenhäufigkeit mit zunehmendem Alter.

63 % der Österreicher halten an Wochentagen stets eine Hauptmahlzeit, weitere 26 % tun dies häufig. Dieses Muster ist seit annähernd gleich geblieben. Ein Trend weist aber deutlich zur Einnahme des Mittagessens außer Haus. 43 % der Bevölkerung essen zu Mittag üblicherweise auswärts, 1996 waren es 38 %. Ein knappes Drittel hält es auch bei der Vormittagsjause so. Dafür ist das Abendessen noch deutlicher als 1996 jene Mahlzeit, bei der sich die Haushaltsmitglieder am ehesten zur Tischgemeinschaft zusammenfinden. Für eine erhebliche Anzahl von Personen hat sie den Charakter der Hauptmahlzeit im Tagesablauf.

Hausmannskost ist in Österreich nach wie vor die beliebteste Küche. 23 % der Österreicher essen sie fast immer, weiter 56 % häufig. Vergleichsweise selten wird die leichte, fett- und fleischarme Küche bevorzugt (7 % immer, 39 % häufig). Noch geringere Bedeutung haben internationale und vegetarische Kost, wenngleich die fleischlose Küche leichte Zuwächse erzielen konnte.

Gute Noten für Restaurants, schlechte für Betriebsküchen

Von allen Außer-Haus.Verpflegungsmöglichkeiten schneiden Gasthäuser und Restaurants am besten ab. Gegenüber Betriebsküchen, Mensen, Würstelständen und Imbissstuben ist die Unzufriedenheit am größten. Kaffeehäuser liegen im Mittelfeld. Mit dem Speisenangebot im Gasthaus sind 40 % sehr zufrieden, mit dem in Restaurants 57 %. Mit dem Angebot von Würstelständen oder Imbissstuben hingegen zeigten sich lediglich 21 % sehr zufrieden. Die Gäste in Betriebsküchen, Mensen und Anstaltsküchen outeten sich auch nur zu 24% als sehr zufrieden.

Frauen sind Profi-, Männer Hobbyköche

Kochen ist in Österreich nach wie vor eine weibliche Domäne. 94 % der Frauen kochen zumindest gelegentlich, bei Männern sind es nur 50 %. Gegenüber 1996 ist die Zahl der kochenden Männer allerdings leicht angestiegen. 28 % der Befragten stehen überhaupt nie am Herd. 67 % der selbst kochenden Frauen tun dies an mindestens vier Tagen pro Woche. Männer hingegen sind nur zu 9 % Stamm- und zu 28 % Hobbyköche.

Mit der Kochhäufigkeit im Haushalt steigt auch die Mühe, die man sich bei der Speisenzubereitung macht. Je seltener man kocht, umso eher legt man Wert auf schnelle und unaufwändige Arbeit. Wo täglich mehrmals gekocht wird, greifen nur 9 % zur schnellen Küche. In Haushalten, in denen höchstens einmal pro Woche gekocht wird, steigt dagegen dieser Anteil auf 55 %. Mit zunehmender Kochhäufigkeit sinkt auch die Akzeptanz von Fertig- und Halbfertigprodukten.

Weniger oft einkaufen - länger lagern

Im Schnitt gehen Herr und Frau Österreicher dreimal pro Woche einkaufen. Damit hat die Einkaufhäufigkeit innerhalb der letzten sechs Jahre weiter abgenommen. Im selben Zeitraum hat sich die durchschnittliche Lagerungsdauer von Lebensmitteln im Haushalt auf bei drei bis vier Tage erhöht.

Als wichtigste Einkaufsquelle hat der Super- oder Diskontmarkt seine Führungsposition weiter ausgebaut. 50 % aller Lebensmittel werden dort gekauft, allerdings variiert der Marktanteil je nach Kategorie. Milchprodukte und Käse werden zu 82 % im Supermarkt gekauft, frisches Obst zu 74 %, Gemüse und Salate zu 68 %, Fisch zu 64 %, Geflügel und Kräutern zu 63 %. Bei Fleisch- und Wurstwaren haben die Supermärkte einen Anteil von 58 %, bei Eiern von 53 %, bei Brot, Gebäck und Wein zu von 52 %.

Verloren hat dagegen der Fach- und Einzelhandel. Einzig bei Wein verzeichnet er keine Einbußen, bei Eiern nur leichte. Allen anderen Lebensmittelgruppen werden um zumindest 7 % seltener als 1996 beim Einzelhandel erworben. Der große Verlierer gegenüber 1996 ist der Fachhandel für Fleisch- und Wurstwaren mit 18 % Minus. Märkte haben ihre Position dagegen im wesentlichen halten können.

Dafür ist in den Supermärkten die Zufriedenheit mit den Produktinformationen am geringsten. Auf einer Bewertungsskala von 1 (sehr zufrieden) bis 4 (gar nicht zufrieden) rangieren Super- und Diskontmärkte bei 2,0. Am besten schneidet der Bauernhof mit durchschnittlich 1,3 ab. Dazwischen rangieren Märkte, Fach- und Einzelhandel mit jeweils ähnlichen Noten.

Frische, Naturbelassenheit und Herkunft als Kriterien für Lebensmittel

Frische ist das Kriterium Nummer eins bei der Beurteilung der Qualität von Lebensmitteln. 63 % der Befragten nannten sie am häufigsten. An zweiter Stelle steht die Naturbelassenheit bzw. das Fehlen chemischer Zusatzstoffe (22 %), gefolgt von der Herkunft der Lebensmittel. 19 % nennen sie allgemein, 12 % beziehen sich explizit auf österreichische Herkunft. Gegenüber 1996 haben die Kriterien Naturbelassenheit und Herkunft ihre Plätze vertauscht. Dann folgen Geschmack und Aroma. Die Herkunft aus biologischem Anbau, Vitaminreichtum, Aussehen und Preis der Lebensmittel spielen bei der Qualitätsbeurteilung eine untergeordnete Rolle.

Weitere Kriterien treten erst später in den Vordergrund. Dass Lebensmittel gentechnikfrei und nicht bestrahlt sein sollen, bezeichnen bei differenzierterer Nachfrage 73 % als "sehr wichtig". Spontan wurden diese Merkmale nur von 3 % bzw. 1 % als Qualitätskriterien genannt. Offenbar sind diese Eingriffe nach wie vor nur schwach im Alltagsbewusstsein verankert sind und werden lediglich bei direkter Konfrontation beachtet.

Informationen zum Herkunftsland verlieren an Bedeutung

An der Häufigkeit, mit der Konsumenten die Informationen auf Lebensmittelverpackungen zu Rate ziehen, hat sich gegenüber 1996 so gut wie nichts verändert. Zwei Drittel lesen stets die Preis- und Haltbarkeitsangaben, alle anderen Informationen werden weit weniger oft gelesen. Auffällig an Stellenwert verloren haben die Informationen über Herstellungs- und Ursprungsland. 2002 werden sie von 23 % immer und von 43% häufig gelesen. 1996 waren es 31% (immer) bzw. 36 % (häufig). Ebenfalls leicht an Wichtigkeit verloren hat die Haltbarkeitsinformation.

Die Beurteilung der Informationen auf Lebensmittelverpackungen hat sich leicht verbessert. Sie gelten heute etwas weniger als "zu wenig", "einseitig", "schwer verständlich" oder "verwirrend". Nur etwa ein Zehntel ist aber der Ansicht, dass diese Informationen völlig zufriedenstellend sind. Stark ist auch der Wunsch nach neuen, einfachen Orientierungshilfen, die die Unterscheidung von Qualitätsstufen erleichtern. Die gesetzlich vorgeschriebene Kennzeichnung gilt lediglich 17 % der Konsumenten als völlig verlässliches Qualitätskennzeichen von Supermarkt-Waren. Das Unterscheiden zwischen Werbeaussagen und der gesetzlich vorgeschriebenen Kennzeichnung fällt nicht so leicht. 29 % stimmen der leichten Unterscheidbarkeit eher zu, nahezu die Hälfte (47 %) eher nicht.

Für die Konsumenten ist es deutlich wichtiger geworden, zwischen verschiedenen Qualitätsstufen wählen zu können. Dies trifft insbesondere auf Eier, Fisch, Fleisch sowie Erdäpfel zu. Eine Sonderstellung nimmt Frischfleisch ein: Bereits 1996 rangierte es unter jenen Lebensmitteln, wo Sortenauswahl von den Konsumenten am wichtigsten genommen wurde. Heute stellt es diejenige Lebensmittelgruppe dar, wo die Auswahl mit Abstand am häufigsten "sehr wichtig" ist.

(Schluss)

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