ÖGB-Frauen fordern Arbeitsplätze statt Arbeitsplätzchen

FlexPower-Beratung für Neue Selbständige und Freie DienstnehmerInnen wird fortgesetzt

Wien (ÖGB). Impulse zur Schaffung von Arbeitsplätzen statt "Arbeitsplätzchen" erwarten sich die ÖGB-Frauen von einer künftigen Bundesregierung. "Frauen wollen nicht länger in die Rolle der Dazuverdienerin gedrängt werden. Wir brauchen mehr anspruchsvolle und gut bezahlte Arbeitsplätze anstelle nicht existenzsichernder Mini-Jobs", erläutert ÖGB-Frauenvorsitzende und Vizepräsidentin Renate Csörgits. Dringend nötig sei zudem der volle Einbezug der atypisch Beschäftigten in den sozial- und arbeitsrechtlichen Schutz, so Csörgits weiter. ÖGB und AK Wien haben beschlossen, ihr kostenloses Beratungsangebot für Freie DienstnehmerInnen und Neue Selbständige weiter zu führen.++++

Immer mehr Frauen finden sich in atypischen Beschäftigungsverhältnissen. Im Juni 2002 hatten nach Angaben der Statistik Austria 35,9 Prozent der weiblichen Erwerbstätigen einen Teilzeitjob gegenüber 4 Prozent der Männer. Als geringfügig Beschäftigte waren zuletzt (September 2002) 149.178 Frauen gemeldet. Sie stellen über 72 Prozent aller geringfügig Beschäftigten und beziehen aus ihrer Tätigkeit ein Einkommen von maximal 301,54 Euro im Monat. Massiv angestiegen ist auch die Zahl der Freien Dienstverhältnisse und der Neuen Selbständigen: Gab es im ersten Quartal 2000 noch 30.927 Freie DienstnehmerInnen und Neue Selbständige, waren es im dritten Quartal dieses Jahres bereits 51.089.

"Die Flucht aus dem Arbeits- und Sozialrecht zu Lasten der Beschäftigten muss gestoppt werden. Wir fordern die Beseitigung finanzieller Anreize für Unternehmer bei der Schaffung nicht existenzsichernder Beschäftigung", erläutert Elisabeth Rolzhauser, Expertin für atypische Beschäftigung im ÖGB. Die atypisch Beschäftigten dagegen müssten mehr Rechte erhalten. Konkret fordert Rolzhauser eine Neudefinition des ArbeitnehmerInnenbegriffs: Er soll nur mehr an der wirtschaftlichen Abhängigkeit anknüpfen und nicht mehr an Kriterien wie fixe Arbeitszeit und -ort. Der Großteil der Neuen Selbständigen und Freien DienstnehmerInnen wäre damit voll ins Arbeitsrecht eingebunden und hätte dadurch auch - anders als heute -Anspruch auf Weihnachts- und Urlaubsgeld oder Kündigungsschutz. Geschlossen werden müssten auch die Lücken in der sozialen Absicherung der beiden Beschäftigtengruppen, verlangt Rolzhauser.

Teilzeitarbeitende sollen bereits nach Überschreiten der mit ihnen vereinbarten Arbeitszeit einen Überstunden-Zuschlag erhalten und nicht erst bei Erreichen der Vollzeit-Grenze, setzt sich ÖGB-Frauenvorsitzende Csörgits für Verbesserungen bei Teilzeitarbeit ein. Ein Recht auf Teilzeit bis zum Schuleintritt des Kindes soll Teilzeit auch in qualifizierten Bereichen ermöglichen. Ein Rückkehrrecht auf Vollzeit soll garantieren, dass der teilweise Ausstieg aus dem Arbeitsmarkt nicht die Karrierechancen beeinträchtigt. "Denn derzeit wird Teilzeit vor allem in einfachen Tätigkeiten angeboten, mit geringer Entlohnung und ohne Aufstiegschancen. Da dann wieder rauszukommen, ist sehr schwer", so Csörgits.

Service für Freie DienstnehmerInnen und Neue Selbständige läuft weiter

Der ÖGB hat unterdessen - gemeinsam mit der AK Wien und den acht Gewerkschaften, die an dem Projekt beteiligt sind - die Fortsetzung der "FlexPower"-Beratung beschlossen. Freie DienstnehmerInnen und Neue Selbständige, bzw. alle, die überlegen, eine derartige Beschäftigung auszuüben, können somit auch weiterhin bei den FlexPower-ExpertInnen kostenlose Erstberatung in Steuer-, Vertrags-und Sozialrecht einholen. Die Beratung steht - wie bisher - auch Nicht-Gewerkschaftsmitgliedern offen. "Aufgrund der großen Nachfrage und weil wir einen enormen Bedarf an Information orten, haben wir uns entschlossen, das Beratungsangebot weiterzuführen", berichtet Elisabeth Rolzhauser. Ursprünglich wäre das Projekt - nach einjähriger Laufzeit - mit Anfang November zu Ende gewesen. "Wir machen uns für die atypisch Beschäftigten stark - und erwarten uns, dass die künftige Bundesregierung die Notwendigkeit von Verbesserungen für diese Beschäftigten erkennt", so Rolzhauser abschließend. (mfr)

SERVICE: Die FlexPower Beratung findet jeden Mittwoch von 14.00 bis 18.00 Uhr in der ÖGB-Zentrale, Hohenstaufengasse 10, 1010 Wien, statt. Anmeldung erforderlich, unter der Tel.Nr. 01/53444-404 oder per E-Mail an flexpower@oegb.at

ÖGB, 29. Oktober 2002
Nr. 822

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