Sind kommunale Unternehmen auf dem richtigen Weg?

Vom Monopolisten mit öffentlichem Auftrag zum "normalen" Mitbewerber auf einem liberalisierten Markt - Teil I

Wien (OTS) - Ein Großteil der gegenwärtigen kommunalen Unternehmen befindet sich, wie es etwa Michael Schöneich, Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen e.V., Köln, vor einiger Zeit formuliert hatte, "auf dem Weg zum ganz normalen Unternehmen". Eine Umbruchssituation, die sich auf einer Basis von in vielen Städten zu beobachtender Mittelknappheit der (öffentlichen) Haushalte, der Internationalisierung der Märkte auf dem Dienstleistungssektor (Daseinsvorsorge für die Bürger) und nicht zuletzt der Vorgaben der Europäischen Union (EU), entwickelt hat. Die Konsequenzen daraus ergeben sich im engeren Sinn für die kommunalen Unternehmen selbst, im weiteren Sinn bedingen sie Veränderungen, die über das einzelne Unternehmen hinausgehen.

Betrachtet man die gegenwärtige Situation eines kommunalen Unternehmens, können "Sachzwänge" - die zum Teil einander gegenseitig bedingen - in den meisten Fällen nicht wegdiskutiert werden. So etwa wird der Wandel der Unternehmen in mehreren Relationen zu sehen sein:

o Wettbewerb mit privater Konkurrenz
o Zwänge der Betriebswirtschaft
o Erwartungen der Bürger bzw. der Kunden (Daseinsvorsorge!)
o Einnahmeerwartungen der (kommunalen) Eigentümer
o Erheblich veränderte rechtliche Rahmenbedingen durch die EU

Nachfolgend einige Feststellungen zu den angeführten Punkten:

Was die Wettbewerbssituation betrifft, gehört im Kernbereich Energieversorgung die alte Monopolzeit mit abgegrenzten und geschützten Gebieten der Vergangenheit an. Für den Sektor Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) steht der Wettbewerb ebenfalls ins Haus, und zwar in Form eines Ausschreibungswettbewerbs, wobei nur noch fraglich ist, mit welchen Übergangsfristen und mit welchen eventuellen Ausnahmen für In house-Geschäfte zu rechnen sein wird. Grundsätzlich stehen (ehemalige) Monopolisten auf nahezu allen traditionellen Geschäftsfeldern in Konkurrenz mit privaten Mitbewerbern, und damit unter dem Druck, sich die bisher versorgten Bürger als Kunden zu erhalten und für die Gewinnung einer breiteren Basis neue Geschäftsfelder zu erschließen.

Über den Primat der Betriebswirtschaft in Bereichen, die der (inzwischen auch von Brüssel anerkannten) Daseinsvorsorge für die Bürger zuzurechnen sind, kann man diskutieren. Man wird aber in den meisten Fällen an guten betriebswirtschaftlichen Ergebnissen nicht vorbeikommen, um sich gegenüber der Konkurrenz behaupten zu können. Hier sind Diskussionen (man spreche nicht gleich von "Richtungsstreit") angesagt, um angesichts einer ausgeprägten Kostenorientierung nicht gemeinwohlorientierte, kommunalpolitische und auch beschäftigungspolitische Zielsetzungen aus dem Auge zu verlieren. Da sind die kommunalen Eigentümer mehr denn je gefordert, den Unternehmen zumindest nicht Lasten aufzuerlegen, die ihnen den Wettbewerb zusätzlich erschweren.

Hinsichtlich der Markt- und Kundenorientierung ist nicht nur die Frage der Organisation sehr maßgeblich sondern auch das Denken bei den Mitarbeitern: Lernen, mit dem Kopf des Kunden zu denken, und damit zu wirklichen Dienstleistern zu werden. Erst vor kurzem hat Magistratsdirektor Dr. Ernst Theimer mit seinem Mail vom 19. September d.J. an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Wien, erneut den Weg in diese Richtung gewiesen. Weil es hier um menschliches Verhalten und dann auch (etwaige) Verhaltensänderungen geht, ist dies eine schwierige Aufgabe für das Management und die Personalentwicklung. Ein Prozess, der sich etwa so beschreiben ließe:
Vom technikorientierten Versorgungsunternehmen (Monopolisten) zum markt- und
marketingorientierten Dienstleistungsunternehmen - eine ganz beachtliche Veränderung in der Unternehmenskultur.

Soweit es die Erwartungen der Kunden (der Bürger) betrifft, kann davon ausgegangen werden, dass es ihnen sehr wesentlich darum geht, Qualität und Service zum geringstmöglichen Preis zu erhalten. Es wird auch an den kommunalen Versorgern liegen, die Bereiche der Daseinsvorsorge (wenn auch nicht immer ganz EU-konform?) mit "leistbaren Preisen" zu verbinden. Groß- und Bündelkunden tun sich leichter, ihr Verbleiben von finanziellen Bedingungen und vom Erzwingen weitgehender Preissenkungen abhängig zu machen. Privatkunden hingegen honorieren Ortsnähe und damit "Greifbarkeit" eines eingeführten kommunalen Endversorgers mit Treue und der Bereitschaft, den Stadtwerken weitere Wertschöpfungen zu ermöglichen - hier liegt auch deren große Chance für die Zukunft.

Mit Veränderungen, die über das einzelne Unternehmen hinausgehen bzw. mit strategischen Veränderungen wird sich der nächste Teil (2) befassen. (Schluss) pz

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