Leitl: EU-Erweiterung um 10 Länder ist gute Nachricht für Wirtschaft

Betriebe sehen Erweiterung als Chance, doch mehr Vorbereitung durch Politik ist nötig

Wien/Brüssel (OTS) - Der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und der Europäischen Wirtschaftskammern, Christoph Leitl, begrüßt den Beschluss des Europäischen Rates von Brüssel, die Beitrittsverhandlungen bis Jahresende mit zehn Ländern abzuschließen. "Viele österreichische Unternehmen leben die Erweiterung schon heute tagtäglich. Mit dem Beschluss des EU-Gipfels zieht auch die Politik nach. Damit ist eine der letzten Hürden auf dem Weg zu einem größeren Europa genommen." Zudem sei es ein Signal der Fairness gegenüber den Kandidatenländern, dass die EU nun eine gemeinsame Position im Bereich Agrarpolitik anbieten kann. "Wenn jeder seinen Part spielt, ist die Erweiterung zum 1. Jänner 2004 möglich - so wie es sich die österreichische Wirtschaft erwartet", sagte Leitl.

Die Aufnahme neuer Mitglieder in die EU sei im ureigensten Interesse der heimischen Betriebe. "Wer versucht, aus der Erweiterung politisches Kleingeld zu schlagen, agiert gegen die Interessen Österreichs", stellte Leitl fest. Ein Beispiel für eine konstruktive Erweiterungspolitik sei die "Wiener Erklärung", welche die Sozialpartner aus der Slowakei, Slowenien, der Tschechischen Republik, Ungarn und Österreich Mitte Oktober auf einer gemeinsamen nferenz von WKÖ und ÖGB angenommen haben. Darin verpflichten sie sich als "Manager des Wandels", ihren Beitrag zu leisten, damit die Erweiterung für alle Beteiligten ein Erfolg wird.

Die Wirtschaft hat die Erweiterung in vielen Bereichen bereits vorweg genommen. In Österreich leben zwei Prozent der EU-Bevölkerung, doch sein Anteil am EU-Handel mit Osteuropa ist mit acht Prozent vier Mal so hoch. Zudem sind rund 11.000 österreichische Unternehmen mit Produktions- oder Vertriebsstätten in den Reformstaaten vertreten. Positiv ist auch: 1990 machte der Anteil Osteuropas am österreichischen Export 3,8 Prozent aus, bis 2001 kletterte er auf 13,4 Prozent, und in den ersten sechs Monaten 2002 betrugen die Ausfuhren nach Osteuropa bereits mehr als 14 Prozent der gesamten Exporte Österreichs. "Es gibt die Faustregel, wonach ein Prozent Exportplus 0,5 Prozentpunkte mehr Wirtschaftswachstum bedeuten. Demnach wäre Österreich heuer ohne die Reformstaaten schon längst in der Rezession", stellte der WKÖ-Präsident fest. Denn während die Exporte in die EU im ersten Halbjahr 2002 um nur 0,5 Prozent zulegten, stiegen die Ausfuhren nach Osteuropa um 8,8 Prozent.

Abgesehen von politischer Stabilität bringt die Erweiterung für die Unternehmen zusätzliche Verbesserungen gegenüber der Ostöffnung. Allein durch den Wegfall der Grenzformalitäten werden sich die Exporteure pro Jahr rund 470 Millionen Euro an Kosten ersparen, so Leitl. Hinzu kommt: Derzeit leidet ganz Westeuropa unter einer schwierigen Konjunkturlage. Eine Belebung könne nur von Dritten wie den USA kommen, oder aber durch Maßnahmen im eigenen Haus Europa, so Leitl: "Insofern ist die EU-Erweiterung das beste Konjunkturbelebungsprogramm für Europa, bringt sie doch die Möglichkeit, den grossen Nachholbedarf an Investitionen und Konsum in einem Markt von mehr als 100 Millionen Menschen zu decken." Es liege daher im Interesse ganz Westeuropas, diese Erweiterung gemäß Zeitplan durchzuführen und damit Beschäftigung, konsolidierte öffentliche Budgets und soziale Sicherungssysteme erhalten zu können.

Die österreichischen Unternehmen beurteilen die Erweiterung trotz möglicher Probleme in einigen Branchen oder Regionen grundsätzlich positiv: Jedes zweite Unternehmen hält sie gemäß einer von der WKÖ in Auftrag gegebenen Umfrage für eine Chance. Jedoch sieht jeder dritte Betrieb darin eine Bedrohung. Vor diesem Hintergrund müssen seitens der Politik entsprechende Vorbereitungen getroffen werden, fordert Leitl. Für die österreichische Wirtschaft rangieren dabei die Senkung der Lohnnebenkosten sowie die steuerliche Begünstigung von nicht-entnommenen Gewinnen nach wie vor an erster Stelle.

Rückfragen & Kontakt:

EU-Büro der Wirtschaftskammer,
Sabine Radl,
Tel: +32(0)474 47 25 94

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0001