"Kleine Zeitung"-Kommentar: "Kanzler-Anleihe" (Von Ulrich Stocker)

Ausgabe vom 25. 10. 2002

Graz (OTS) - Zufälle gibt's, die gibt's gar nicht. Der Wahltag naht, das Füllhorn kommt.

Die öffentlich Bediensteten kriegen heuer noch eine nachträgliche Aufstockung ihrer Bezüge auf die Inflationsrate, als Richtschnur für 2003 nennt Staatssekretär Alfred Finz den Metallerabschluss von gut zwei Prozent.

Für die Renten hat die Pensionskommission den mageren Anpassungsfaktor 0,5 errechnet. Für die "Kleinen" werden es aber zwei Prozent werden. Schon im morgigen Ministerrat berät man, wie die Verordnung über eine ergänzende Einmalzahlung aussehen soll. Den Pferdefuß, dass der "Wertausgleich" kein Bestandteil der Berechnungsbasis für künftige Pensionserhöhungen ist und das Versicherungsprinzip zunehmend ausgehöhlt wird, geht im Freudentaumel über die Gabe wohl unter.

"Mein Gedanke war, die arbeitende Klasse zu gewinnen. Oder soll ich sagen zu bestechen, den Staat als soziale Einrichtung anzusehen", hat Otto von Bismarck die Einführung von Kranken- und Altersvorsorge begründet.

Jede Vermutung, der alte Reichskanzler sei der Pate des österreichischen Wegs, ist naturgemäß zurückzuweisen. Es geht um soziale Gerechtigkeit. Für kleine Korrekturen bleibt eh wieder vier Jahre Zeit.****

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