Faymann: Hausbetreuungsgesellschaft beginnt ihre Arbeit

Faymann fordert Einführung einer "Hausbesorger-Lehre"

Wien (OTS) - Bei der Präsentation der Hausbetreuungsgesellschaft von Wiener Wohnen forderte Wohnbaustadtrat Werner Faymann am Donnerstag die Schaffung des Lehrberufs des Hausbesorgers. Neben technischen und handwerklichen Fähigkeiten sollte bei dieser Lehre auch kommunikative und psychologische Fähigkeiten erlernt werden. Der Hausbesorger sollte die erste Ansprechperson für die Hausgemeinschaft sein. Dieser Lehrberuf hätte zum einen den Vorteil einer Perspektive für jugendliche Lehrstellensuchende und zum anderen hätten die Mieter den Vorteil einer Ansprechperson im Haus. Leider aber ist die Zukunft des Hausbesorgerberufs wegen der Aufhebung des Hausbesorgergesetzes nicht gesichert, deshalb hat Wiener Wohnen eine Hausbetreuungsgesellschaft gegründet.

"Unser Ziel war eigentlich die Schaffung eines neuen, modernen und leistungsgerechten Hausbetreuerrechts, das den Anforderungen der Praxis und den Bedürfnissen und Wünschen der Vermieter/innen, Mieter/innen und Beschäftigten Rechnung trägt. Alle Initiativen in dieser Richtung wurden aber vom Bund abgelehnt. Vielleicht ist dieses Ziel nach der Neuwahl des Nationalrates durchsetzbar. Ich sehe die neue Hausbetreuungsgesellschaft daher als "Notlösung" die den Mieterwünschen noch am Nächsten kommt", stellte Wohnbaustadtrat Werner Faymann anlässlich der Präsentation der Wiener Wohnen-Hausbetreuungs-Gesellschaft fest.

"Seit Abschaffung des Hausbesorgergesetzes im Juli 2000 können keine Hausbesorger mehr eingestellt werden. In den letzten 2 Jahren hat daher wienweit die Zahl der Hausbesorger bereits um 3.283 abgenommen. Alleine bei Wiener Wohnen sind etwa 500 Posten unbesetzt, und das, obwohl man sich teilweise mit Zusammenlegungen geholfen hat.

Herkömmliche Reinigungsfirmen können wesentliche Teile der Hausbesorgertätigkeit nicht leisten. Vor allem die von vielen Mietern gewünschte Ansprechperson im Haus, die leicht erreichbar ist, kleine Reparaturen durchführen sowie kleine Hilfestellungen für die Mieter leisten kann und Bindeglied zur Hausverwaltung ist, fehlt seither dort, wo Hausbesorger ausgeschieden sind. Eines der Hauptprobleme ist, dass keine Dienstwohnung mehr zur Verfügung gestellt werden darf und daher ein Hauptanliegen der Mieter, ein Hausbesorger, der verpflichtend im Haus wohnt nicht mehr möglich ist. Wiener Wohnen hat versucht ein Modell zu entwickeln, das unter den gegebenen Rahmenbedingungen den Mieterwünschen möglichst nahe kommt. Die neue Hausbetreuungsgesellschaft wird daher von Stützpunkten aus, die für die Mieter gut erreichbaren sind, die freigewordenen Hausbesorgersprengel betreuen. Fixe Betreuungs-Teams werden zu regelmäßigen Zeiten für die Reinigung der Wohnhausanlagen sorgen und darüber hinaus als Ansprechpartner für die Mieter und Mieterinnen zur Verfügung stehen.

Wir haben immer die Meinung vertreten, dass Mieter darüber entscheiden sollen, ob sie ihr Haus lieber von einem Hausbesorger oder eine Reinigungsfirma betreut haben wollen. Die Aufhebung des Hausbesorgergesetzes durch die ÖVP-FPÖ-Mehrheit im Nationalrat hat diese Auswahlmöglichkeit seit Juli 2000 beendet. Die Versuche, im Nationalrat eine neue gesetzliche Regelung zu schaffen, sind an der ablehnenden Haltung der Regierungsmehrheit gescheitert. Inzwischen ist die Situation im Wiener Gemeindebaubereich immer angespannter geworden, sodass wir rasch handeln mussten und die Hausbetreuungsgesellschaft gegründet haben. Neben den üblichen Reinigungsarbeiten werden von ihren Mitarbeitern auch kleinere Reparaturen erledigt. Im November 2002 nimmt die Hausbetreuungs-Gesellschaft ihre Arbeit auf. Nach und nach werden diese neue Hausbetreuungsteams über ganz Wien verteilt Stützpunkte einrichten und von dort aus die Gemeindebauten versorgen", erklärte Wohnbaustadtrat Werner Faymann.

Im Jahr 2000, zum Zeitpunkt der Aufhebung des Hausbesorgergesetzes, gab es in Wien insgesamt 19.083 Hausbesorger. Bis Oktober 2002 ist diese Zahl bereits auf 15.800 gesunken. Das betrifft natürlich auch die Mieter und Mieterinnen in Gemeindebauten. Wiener Wohnen hat in den zwei Jahren seit der Aufhebung des Hausbesorgergesetzes versucht, die Hausbetreuung überall aufrechtzuerhalten. Das ist immer schwieriger geworden, weil die Zahl der Hausbesorger seit Juli 2000 von 3.791 auf 3.313 gesunken ist. Die Arbeit der 478 fehlenden Hausbesorger wurde in den meisten Fällen von anderen Kollegen provisorisch mitbetreut bzw. wurden mehrere Stiegen zusammengelegt. In anderen Fällen wurden vorübergehend Reinigungsfirmen mit der Hausbetreuung beauftragt.

Das Hausbesorgergesetz regelte notwendige Ausnahmen für Hausbesorger von den allgemein gültigen arbeitsrechtlichen Bestimmungen. Ohne Ausnahme vom Arbeitszeitgesetz und Arbeitsruhegesetz (Wochenendruhe) ist die Vielfalt der Aufgaben und der zeitlich intensive Bereitschaftsdienst des Hausbesorgers (z.B. bei Schnee und Glatteis) nicht durch eine Person erfüllbar. Ebenso die Besonderheit, wonach der Hausbesorger im Krankheitsfall selbst für eine Vertretung zu sorgen hat.

Hausbesorger verlieren Recht auf Dienstwohnung

Gleichzeitig mit der Aufhebung des Hausbesorgergesetzes wurde im Mietrechtsgesetz festgelegt, dass für künftige Dienstverhältnisse die Hausbetreuerwohnung nicht mehr kostenlos als Dienstwohnung zur Verfügung gestellt werden darf. Zukünftig müssen Betriebskosten und auch ein Erhaltungs- und Verbesserungsbetrag verlangt werden. Eine von Wien initiierter Initiativantrag im Parlament, damit die Hausbesorgerwohnungen wieder kostenfrei gestellt wird, wurde mit der Stimmenmehrheit im Parlament abgelehnt. Diese Verschlechterungen führen dazu, dass kaum mehr qualifizierte Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer zu finden sind, die bereit sind, den Hausbesorgerberuf auszuüben. In den letzten zwei Jahren konnten bereits 15 Prozent der Hausbesorgerposten (578) nicht nachbesetzt werden.

Bis zur Abschaffung des Hausbesorgergesetzes konnten die Mieter in Wiener Gemeindebauten wählen, welche Reinigungsform sie wünschen:
einen im Haus lebenden Hausbesorger oder externe Reinigungsdienste. Dies Wahlmöglichkeit wurde durch die Aufhebung des Hausbesorgergesetzes gestrichen. Ein Vergleich der Kosten zwischen einer Betreuung durch eine Reinigungsfirma und einem Hausbesorger zeigt sehr unterschiedliche Ergebnisse. Während in sehr großen Wohnhausanlagen Einsparungen tatsächlich möglich sind, ist die Fremdbetreuung von kleinen Anlagen sogar wesentlich teurer. Im Gegenzug ist der im Haus wohnende Hausbesorger für viele Mieter der Ansprechpartner der Verwaltung. Der Hausbesorger ist für viele Menschen auch die erste Anlaufstelle bei Gebrechen in der Wohnung oder im Haus. Viele Hausbesorger bieten ihren Mietern Hilfestellungen im hektischen Alltag. Kleine Einkäufe im Falle einer Krankheit, Vertretung des Mieters beim Ablesen der Wasserzähler etc. bringen in vielen Fällen eine menschliche Komponente in die oftmalige Anonymität des Großstadtlebens. Besonders für alte und allein stehende Wienerinnen und Wiener ist der im Haus wohnende Hausbesorger oft die erste und einzige Ansprechperson.

Eine Wiener Lösung mit beispielhaftem Charakter Die Stadt Wien - Wiener Wohnen Hausbetreuungs-GmbH

Viele Wiener wünschen sich eine einfache und zuverlässige Hausbetreuung. Wiener Wohnen gründete zu diesem Zweck die neue Hausbetreuungsgesellschaft "Stadt Wien - Wiener Wohnen Hausbetreuungs-GmbH"

Die neue "Hausbetreuungs-GmbH" ist eine "Wiener Lösung". Sie gilt für Wiener Gemeinde-Wohnhausanlagen. Servicezentren übernehmen die Arbeit von Hausbesorgern, die nicht mehr nachbesetzt werden können. Der Leistungsumfang der "Hausbetreuungs- GmbH" wird neben Reinigungsarbeiten und Beaufsichtigungstätigkeiten auch Kleinreparaturen beinhalten. Die Entlohnung sowie die vertraglichen Grundlagen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter orientieren sich an den Kollektivverträgen der Gebäudereiniger.

Die drei Stützpunkte zu Beginn:

o 1. Sitz der "Hausbetreuungs- GmbH" ist die Triester Straße 56 (das ehemalige "Wienerwald" - Lokal). Die Zentrale eröffnet im Dezember 2002 und betreut, im Laufe des Jahres 2003, die Bezirke 3, 4, 5, 6, 7, 10, 11, 12, 13 und 23.
o 2. Stützpunkt: Karl Marx Hof, Wien 19
Bereits im November 2002 beginnt der Testbetrieb im Karl Marx
Hof mit der Betreuung der Bezirke 1, 2, 8, 9, und 20. Ab
Frühling 2003 werden weiters die Bezirke 14, 15, 16 sowie 17,
18, 19 betreut.
o 3. Stützpunkt Konstanziagasse, Wien 22,
Ab dem Frühjahr 2003 werden von hier aus die beiden nordöstlichen Bezirke 21 und 22 betreut.

Bis zum Frühjahr 2003 sollen als erster Schritt in drei Betreuungszentren insgesamt 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beschäftigt sein. Ziel ist es, Schritt für Schritt ein flächendeckendes Netz von Betreuungsstandorten zu errichten, damit eine, den Wünschen vieler Gemeindemieter entsprechende Hausbetreuung wieder gesichert wird. (Schluss) gmp

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