Lärmschutzwand mit Öko-Strom

Der Körner-Hof im 5. Bezirk bekommt Lärmschutz mit integrierter Photovoltaikanlage

Wien (OTS) - Die Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) lässt mit einem europaweit einzigartigen Lärmschutzprojekt aufhorchen. Eine 18 Meter hohe, aus Glas und Stahl konstruierte Lärmschutzwand soll die Gebäude des Theodor Körner-Hofes im 5. Bezirk vom Verkehrslärm des Gürtels und der Südbahn abschirmen. Das Neue daran: Die transparente Lärmschutzwand soll zusätzlich eine der größten Photovoltaikanlagen Wiens erhalten, die umweltfreundlichen Strom produziert. Pro Jahr liefert diese Anlage etwa 150.000 Kilowattstunden Strom, eine Menge mit der etwa 40 Drei-Personen-Haushalte versorgt werden können. Das Projekt wurde am Donnerstag von Wiens Umweltstadträtin Dipl. Ing. Isabella Kossina, der Leiterin der MA 22-Umweltschutz, Dr. Karin Büchl-Krammerstätter, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Wienstrom GmbH, Dipl. Ing. Friedrich Pink und dem Bezirksvorsteher des 5. Wiener Gemeindebezirks, Ing. Kurt Wimmer vorgestellt. Mit dem Bau wird im Laufe des Jahres 2003 begonnen werden. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 2,4 Millionen Euro.****

Umweltstadträtin Isabella Kossina: "Das Projekt ist ein Paradebeispiel für nachhaltigen Umweltschutz, das gleich drei Vorteile bringt. Die Bewohner des Körner-Hofes werden in Zukunft unter weniger Lärm leiden. Hinter der gläsernen Lärmschutzfassade ist für die Bewohner auch die Belastung mit verkehrsbedingten Luftschadstoffen deutlich geringer. Und die Photovoltaikanlage erzeugt sauberen Öko-Strom."

Die Idee, die Lärmbelastung beim Körner-Hof durch eine Lärmschutzwand mit kombinierter Photovoltaikanlage zu senken, wurde im Projekt "SYLVIE -Systematische Lärmsanierung von innerstädtischen Stadtvierteln" geboren. Seit drei Jahren führt die Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) dieses europaweit beachtete Lärmsanierungsverfahren durch. "Dabei wird der Lärm in innerstädtischen Wohnvierteln systematisch saniert - und das auf eine besondere Art", erklärt die Chefin der MA 22, Dr. Karin Büchl-Krammerstätter: "LärmverursacherInnen und vom Lärm betroffene Menschen suchen und entwickeln gemeinsam Lösungen, die sie dann mit Unterstützung der Wiener UmweltexpertInnen gemeinsam umsetzen - ganz im Sinne eines partnerschaftlichen Umweltschutzes."

Das Lärmproblem beim Theodor Körner-Hof

Der Theodor-Körner-Hof ist ein Gemeindebau am Margaretengürtel im 5. Wiener Gemeindebezirk. Dort ist der Verkehrslärm noch stärker als in den meisten anderen am Gürtel gelegenen Wohnhausanlagen: Die Häuserzeilen stehen quer zur Straße, der Schall breitet sich zu beiden Seiten der Häuser aus. Vor allem in der Nacht belästigt zusätzlich der Lärm der Südbahnzüge die Bewohner. Von den rund 1.000 Menschen, die hier wohnen, sind fast 90 Prozent Tag und Nacht einer Lärmbelastung ausgesetzt, die über den zulässigen Grenzwerten liegt. Um eine Lösung zu finden, nahm das SYLVIE-Team im Herbst 2000 den Dialog mit den Bewohnern, politischen Vertretern und verantwortlichen Mitarbeitern der Magistratsdienststellen auf. Parallel dazu wurde die Wohnhausanlage schalltechnisch von Lärmschutzexperten der MA 22 untersucht. Das Ergebnis: Der wirksamste Schallschutz ist mit der Errichtung fassadenhoher Lärmschutzwände aus Glas zu erreichen. 75 Prozent der BewohnerInnen können so vor den derzeitigen Lärmbelastungen geschützt werden. Weiterer positiver Effekt: Auch die Schadstoffbelastungen aus dem Straßenverkehr am Gürtel sinken deutlich. Die Kosten für die Lärmschutzwand betragen voraussichtlich rund 2,4 Millionen Euro, wobei 50 Prozent von der MA 28 -Straßenverwaltung und Straßenbau, 25 Prozent von der Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) und 25 Prozent vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie finanziert werden. Für die Bewohner des Körner-Hofes ist die Lärmschutzwand mit keinerlei finanziellen Mehrbelastungen verbunden.

Bezirksvorsteher Ing. Kurt Wimmer: "Der Bezirk hat von Anfang an den Plan für dieses einzigartige Projekt aktiv unterstützt, nicht zuletzt auch deshalb, weil die BewohnerInnen voll und ganz eingebunden wurden. So konnten die Vorstellungen und Wünsche der Betroffenen selbst in die Planung unmittelbar einfließen."

Zwtl. Das kooperative Lärmsanierungsverfahren SYLVIE

"SYLVIE" - die "Systematische Lärmsanierung von innerstädtischen Wohnvierteln" wurde von der Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) im Rahmen des LIFE-Umwelt-Programms der Europäischen Union entwickelt. Seit dem Jahr 2000 waren Teile des 5., 7. und des 12. Wiener Gemeindebezirks Schauplatz dieses Lärmschutzprojektes der besonderen Art. Das Motto: Lärm betrifft uns alle - besonders die Menschen in der Stadt. Ziel war es, nicht nur die objektiv messbare Lärmbelastung zu reduzieren, sondern auch die subjektiv empfundene Lärmbelästigung. SYLVIE versuchte, Lärmprobleme auf unkonventionelle, aber einfache Weise zu lösen. LärmverursacherInnen und Lärmgestresste setzen sich an einen Tisch, reden miteinander und finden Lösungen. Neben dem Lärmproblem am Körner-Hof konnte SYLVIE noch weitere neun problematische Fälle erfolgreich lösen. So zum Beispiel am Siebensternplatz im 7. Bezirk, wo es sich um Lärmbelästigungen aus der Beislszene handelte.

SYLVIE läuft zwar als EU-Projekt aus. Kooperative Lärmsanierungsverfahren werden von der MA 22 - Umweltschutz aber auch in Zukunft bei der Lösung von Lärmproblemen eingesetzt. Deshalb wird derzeit an einem SYLVIE-Leitfaden gearbeitet, mit dessen Hilfe dann ab 2003, mit Unterstützung und dem Know-how der Experten der MA 22 -Umweltschutz, die Bezirke eigenständig solche Lärmsanierungsverfahren durchführen können. Die Arbeiten am Leitfaden werden mit Ende 2003 abgeschlossen sein.

Über SYLVIE und das System der kooperativen Lärmsanierung informiert auch ein Folder, der beim Folderservice der Wiener Umweltschutzabteilung (4000/88220) angefordert werden kann.

Allgemeine Informationen:
o Sylvie: http://www.plansinn.at/sites/sylvie/index.htm

(Schluss) vit/gat

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