GPA: Ethische Gesichtspunkte spielen bei Abfertigungskassen keine Rolle

Wettbewerb findet derzeit ausschließlich über Kostendumping statt

Wien (GPA). Die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) kritisiert, dass ethische Kriterien in der Veranlagungspolitik der Mitarbeitervorsorgekassen (MVK) entgegen abgegebener Zusicherungen keine praktische Rolle spielen. Es zeige sich vielmehr, dass der Wettbewerb zwischen den derzeit sieben MV-Kassen allein über die in Aussicht gestellten Konditionen bei den Verwaltungskosten geführt wird.++++

"Von fünf der sieben konzessionierten Abfertigungskassen wird die Berücksichtigung qualitativer Aspekte bei der Veranlagung zwar behauptet, sie bleiben die tatsächlichen Umsetzungsschritte bislang jedoch schuldig. Nur zwei Kassen geben ehrlicherweise zu, dass sie auf derartige Kriterien keinen Wert legen", so die GPA. Für die BetriebsrätInnen, die aktuell die Auswahlentscheidungen über die MV-Kassen zu treffen haben, würden diese Angebote daher irreführend sein. Nach Einschätzung der GPA, die das Veranlagungsverhalten der MV-Kassen entsprechend einem "7-Kriterienkatalog" bewertet, kommt derzeit keine der sieben Abfertigungskassen den Grundsätzen glaubhaft nach.

Es zeigt sich damit, dass dem zentralen gewerkschaftlichen Anliegen in keinster Weise zufrieden stellend Rechnung getragen wird, wonach die den MV-Kassen übertragenen Gelder der ArbeitnehmerInnen entsprechend bestimmter sozialer, ökologischer und ethischer Kriterien bzw. entsprechend nachhaltiger Investmentstrategien veranlagt werden sollten. So soll etwa vermieden werden, dass MV-Kassen in Ländern investieren, in denen ArbeitnehmerInnenrechte systematisch missachtet oder Gewerkschaften unterdrückt werden, ebenso sollen umweltzerstörende Produktionen oder etwa die Rüstungsindustrie als Veranlagungsobjekte bewusst ausgeklammert werden.

Durch ein derartiges Handeln der Abfertigungskassen werden die im Fondsbereich bereits etablierten Kriterien unterlaufen und es droht, dass der Idee des ethischen Investments massiv geschadet wird, so die Einschätzung der GPA. Einer Politik der MV-Kassen, die sich zwar nach Außen hin zur Berücksichtigung ethischer Kriterien bekennt, jedoch keine glaubwürdigen Umsetzungsschritte setzt, könnte nach Meinung der GPA etwa durch eine gesetzliche Berichtspflicht oder einem freiwilligen "Gütesiegel" aktiv entgegengewirkt werden.

ÖGB; 24. Oktober 2002
Nr. 806

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