"Neues Volksblatt" Kommentar: "Signal der Schwäche" (Von Christian Buchar)

Ausgabe vom 24. Oktober 2002

LINZ (OTS) - Der eine, Wolfgang Schüssel, stellt unmissverständlich den Führungsanspruch. Der andere, Alfred Gusenbauer, denkt laut darüber nach, was er im Fall eines zweiten Platzes für ihn und seine Partei zu tun gedenkt. Unabhängig davon, ob Gusenbauer die Oppositionsansage nur "herausgerutscht" ist oder Kalkül dahinter steckt _ es offenbart sich darin jedenfalls ein Signal der Schwäche. Schließlich offenbaren "Herausrutscher" das Innere eines Menschen. Und auf der anderen Seite ist es zweifellos auch kein Stärkezeichen, wenn über fünf Wochen vor der Wahl schon auf diese Weise Stimmenmobilisierung für nötig erachtet wird. De facto ist Gusenbauer in der SPÖ nach wie vor nicht unumstritten. In roten Gewerkschaftskreisen wird weiter _ eine im Wahlkampf mühsam übertünchte _ Distanz zum SP-Parteichef gepflegt. Und Abneigung gegen Rot-Grün lässt manchen Gewerkschafter tatsächlich sein gewohntes Wahlverhalten in Zweifel ziehen.
Realpolitisch ist Gusenbauers Oppositionsansage für die Zeit nach der Wahl nur von untergeordneter Relevanz. Denn dann würde es in der SPÖ wohl zu Flügelkämpfen zwischen Oppositions- und Regierungsbeteiligungsbefürwortern kommen. Gusenbauers Wort hätte dabei aber sicher kein Gewicht mehr.

Rückfragen & Kontakt:

Neues Volksblatt
Chefredaktion
Tel. 0732/7606 DW 782
volksblatt@volksblatt.at
http://www.volksblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NVB0001