"Kleine Zeitung" Kommentar: "King Kong" (Von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 24.10.2002

Graz (OTS) - Alles sagen dürfen ohne sagen zu müssen, wer man
ist. Diese Kommunikationsform nennt man einen Chat: globales Schwatzen ohne Ausweispflicht. Der Chatter Alfred Gusenbauer genoss das Privileg der Anonymität nicht, was seine Berater bedauern. Er setzte sich für den Standard an den PC, um Fragen von Online-Nutzern zu beantworten. Was er zu tun gedenke, sollte die SPÖ Zweiter werden, wollte einer wissen. Dann gehe man in Opposition, so der Obmann.

Das Gelöbnis fällt in die Kategorie "taktischer Schwur". Sein ethischer Gehalt ist gleich Null, denn der Wortbruch ist diesem Schwur grundgelegt. Er dient einzig der Mobilisierung nach innen, ein Weckruf an müde Sympathisanten und solche, dir mit Grün kokettieren. Eigentlich wählt man ein solches Manöver nur, wenn man in Notalge ist und seinen Einsatz erhöhen muss.

Sonnenkönige durften dieses Druckmittel gegen die gesamte Bevölkerung richten: Wenn ihr gegen Zwentendorf stimmt, bin ich weg, zürnte Bruno Kreisky. Natürlich blieb er.

Der Klassiker und King Kong des politischen Meineids ist nach wie vor Schüssels Beteuerung, in Opposition zu gehen, falls die Partei Dritter werde.

Es galt das gebrochene Wort, damals wie heute. ****

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