MOLTERER: EXPORTINITIATIVE IN RICHTUNG ERWEITERUNGSLÄNDER NOTWENDIG

Lebensmittelsicherheit muss auch nach Beitritt oberste Priorität haben

Wien (OTS) Die EU-Erweiterung ist für die österreichische Lebensmittelwirtschaft Chance, neue Exportmärkte zu erschließen. Die Exportdynamik, die nach der Ostöffnung vorhanden war, ist in den letzten Jahren abgeflacht. Daher sind im Vorfeld der Erweiterung rechtzeitig neue Exportinitiativen notwendig, um die Nähe zu den Märkten in den Erweiterungsländern optimal zu nutzen. Unsere Nachbarn in Mittel- und Osteuropa werden mittelfristig ebenso wichtige Absatzmärkte werden wie Deutschland und Italien nach dem EU-Beitritt. Dies erklärte Lebensminister Mag. Wilhelm Molterer in einer Pressekonferenz zum Thema "Österreichs Agrar- und Lebensmittelwirtschaft und die EU-Erweiterung".****

Die österreichische Lebensmittelwirtschaft hat die Chancen Österreichs nach dem EU-Beitritt intensiv genützt, die ständig steigenden Exportzahlen in die EU belegen die Wettbewerbsfähigkeit und Leistungsfähigkeit österreichischer Unternehmen. Im Gegensatz dazu ist von einer zu geringen Beachtung der neuen Märkte in den Erweiterungsländern auszugehen, führte Molterer weiter aus.

Die derzeitige Exportsituation in die Beitrittländer ist nicht befriedigend. Österreichische Produzenten überlassen anderen europäischen Mitbewerbern Marktanteile, wie Österreich selber gut bedienen könnte. Beispielsweise hat Österreich bei Exporten nach Ungarn seinen Marktanteil von 5,7 Prozent 1996 auf 3,6 Prozent im ersten Halbjahr 2002 reduziert. Wir sind von der 2. Position hinter der Bundesrepublik Deutschland auf den 5. Platz abgerutscht, während Holland, Frankreich und Italien beträchtliche Zuwächse verzeichnen konnten. Damit die EU-Erweiterung ein Erfolg für Österreichs Agrar-und Lebensmittelwirtschaft wird, sind die Potenziale auf den uns nahegelegenen Märkten zu nützen und die zunehmend kaufkräftigen Märkte nicht Mitbewerbern zu überlassen.

Der gemeinsame Kongress von Wirtschaftskammer und Präsidentenkonferenz ist ein wichtiger Mosaikstein, um diese neuen Märkte ins Bewusstsein und in den Blickpunkt der Marketingstrategien der Lebensmittelwirtschaft zu rücken. Die im September 2002 im Auftrag des Lebensministeriums, der AMA und Wirtschaftskammer Österreichs gestartete Initiative "Export 1 - 24" ist ein weiterer wichtiger Eckstein. Ziel ist es, Unternehmen der österreichischen Agrar- und Lebensmittelwirtschaft dabei zu unterstützen, ihre Marktposition in Ungarn, Tschechien, Slowakei, Slowenien und Polen zu stärken. Die Unternehmen werden mit Informationspaketen und in Workshops dabei unterstützt, ihre Chancen und Risken auf den Zielmärkten zu bestimmen. Weiterführende Kontaktnetzwerke sowie die Einbindung in nationale und EU-Förderprogramme sollen zum Erfolg dieser Exportinitiative beitragen.

Eine weitere wichtige Initiative hat das Hilfswerk Austria im heurigen Jahr gesetzt und eine neue Landwirtschaftsabteilung ins Leben gerufen. Zentrales Tätigkeitsfeld sind die EU-Beitrittskandidaten- und Vorbeitrittskandidatenländer. Ziel ist es, landwirtschaftliche Tätigkeiten zu koordinieren und humanitäre Projekte so zu gestalten, dass sie weitgehend Folgeprojekte für die österreichische Wirtschaft in die Wege leiten. Dazu sollen alle in den Zielländern tätigen österreichischen Institutionen und Stellen zu einem Netz nationaler Kontaktstellen zusammengefasst werden. Im Bereich Projektservice soll über mögliche Projekte informiert sowie Hilfestellung bei Anträgen, bei der Erstellung von Finanzplänen und Förderungsansuchen sowie bei der Suche nach Partnern in Zielländern gegeben werden. Eine zentrale Aufgabenstellung ist es, bei österreichischen Unternehmen Interesse für geschäftliche Verbindungen zu wecken und österreichische Unternehmen bekannt zu machen.

Wenn die geplanten Exportinitiativen erfolgreich sind, dann kann Österreich an die dynamische Exportsituation nach der Ostöffnung anschließen und einen weiteren Beitrag zur jetzt erreichten positiven Handelsbilanz leisten. Die Voraussetzungen sind vorhanden:
- Österreichs Lebensmittel sind in Europa anerkannt, wir haben einen qualitativ hervorragenden Ruf,
- Österreich hat eine räumliche Nähe zu allen interessanten neuen Märkten,
- die traditionellen Beziehungen zu unseren Nachbarn bedingt auch Übereinstimmungen in Küche und Geschmack und
- Österreich hat mehr Wissen und Erfahrung als Konkurrenten in diesen Ländern.

Die Erweiterung ist aber keine Einbahnstraße, wir müssen uns auch auf veränderte Einfuhrsituationen einstellen. Ein klares Anliegen Österreichs bei den Beitrittsgesprächen ist die Sicherung der gewohnten Lebensmittelstandards für die Konsumenten. Das bedingt, dass
- Es keine Übergangszeiten bei Lebensmittelimporten geben kann. Alle Produkte, die auf die österreichischen Märkte kommen, müssen die hohen europäischen Anforderungen in Richtung Lebensmittelsicherheit, Hygiene, Tierschutz, Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnung entsprechen.
- Produkte, die dem nicht entsprechen, dürfen nur im jeweiligen Produzentenland verkauft werden, aber keinesfalls in den EU-Markt gelangen. Eine klare Kennzeichnung muss jede Verwechslung ausschließen.
- Strenge Kontrollen sowohl in den Beitrittsländern als auch im österreichischen Handel müssen das gewährleisten.
- Die Umstellungsfristen für solche "nationalen" Lebensmittel sind so kurz wie möglich zu halten, um die Lebensmittelstandards möglichst rasch auf europäisches Niveau zu heben und die Exportchancen unserer Produkte nicht zu schmälern, schloss Molterer.

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