Faymann/Mailath-Pokorny: Nazi-Relief in Margareten umgestaltet

Neugestaltung durch Ulrike Lienbacher nach Künstlerwettbewerb

Wien (OTS) - "Wie alle anderen Lebensbereiche wurden auch die Gemeindebauten von den Nazis zu Propagandazwecken missbraucht. An das Leid zu erinnern, das dadurch vor und hinter diesen Mauern verursacht wurde, ist Zweck dieser künstlerischen Umgestaltung. Nicht verbergen, sondern sich mit dieser Vergangenheit auseinandersetzen, heißt unsere Devise. Es freut mich, dass es gelungen ist, gemeinsam mit den Mietervertreterinnen zu einer Lösung zu finden, mit der alle Beteiligten zufrieden sein können", erklärte Wohnbaustadtrat Werner Faymann. "Die heute präsentierte Umgestaltung des Wandbildes Brandmayergasse ist ein weiterer Schritt der systematischen Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit durch die Stadt Wien. Der Künstlerin gelingt es, durch den Prozess der kreativen Auseinandersetzung, das ursprüngliche Bild und seine politische Symbolik neu zu bewerten und damit zu entzaubern. Dadurch wird die Vergangenheit nicht verschwiegen oder beschönigt, sondern zum Inhalt künstlerischer Arbeit.****

Die Stadt Wien untersucht seit zwei Jahren auch systematisch ihren Bestand von Kunstgegenständen auf Herkunft und Erwerbsgeschichte und dokumentiert jeden einzelnen Fall. Wir werden aber weiterhin wachsam bleiben müssen, um Herkunft und Geschichte immer wieder zu hinterfragen und gegebenenfalls neu zu bewerten", erklärte Kulturstadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny bei der Enthüllung des Umgestalteten Nazi-Reliefs in der Brandmayergasse in Margareten.

Ulrike Lienbachers Umgestaltung des Reliefs erfolgte auf folgende Art: Vor dem Relief wurde eine Glasplatte montiert, auf die in spiegelverkehrter Schrift das Wort "Idylle" angebracht ist. Diese spiegelverkehrte Aufschrift soll die Fragwürdigkeit der gestellten "Familien-Idylle" des Nazi-Reliefs symbolisieren. Neben dem Relief angebrachte Tafeln mit erklärenden Worten geben Interessierten die Möglichkeit, sich über das Relief und dessen Umgestaltung zu informieren.

Zur Vorgeschichte:

Durch Medienberichte wurde bekannt, dass sich an der Fassade der städtischen Wohnhausanlage im 5. Bezirk, Brandmayergasse 27 ein Wandbild des Malers Rudolf Böttger befindet. Böttger war während der Nazi-Zeit im Rahmen des "Wiener Gaukulturrates" für Malerei zuständig. Das Wandbild zeigt eine Familienidylle in traditionell nationalsozialistischer Ausbildung. Einer der abgebildeten Knaben in HJ-Uniform hält einen NS-Wimpel. 1945 wurde das Hakenkreuz in diesem NS-Wimpel entfernt, ansonsten ist das Werk unverändert.

Das Büro des Wohnbaustadtrats nahm aufgrund der neuen Informationen Kontakt mit allen Mietern des Gemeindebaus auf und recherchierte parallel dazu über das Leben des Malers Böttger. Im Einvernehmen mit den Mietern, der Bezirksvorstehung und der Kulturabteilung wurde beschlossen, einen Künstler-Wettbewerb zu veranstalten, um sich künstlerisch-kritisch mit diesem Wandbild auseinander zu setzen. Mit der Vorbereitung und Durchführung des Wettbewerbes wurde eine Jury aus Experten, sowie Vertretern des Bezirks, der Gebietsbetreuung und der Mieter beauftragt. Diese hat nach Beratungen drei Künstlerinnen und Künstler eingeladen, ihre Vorschläge einzureichen. Schließlich wurde Ulrike Lienbacher einstimmig als Siegerin juriert. Die Jury entscheid unter Vorsitz von Dr. Sylvia Eiblmayr (Leiterin der Galerie Taxispalais in Innsbruck). (Schluss) gmp

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