Art Nouveau-Colloquium im Architekturzentrum Wien

Wien (OTS) - Der Historiker und Osteuropa-Fachmann Karl Schlögel schrieb unter dem Titel "Jugendstil - Glücksmoment eines hoffnungsvolleren Europas" unlängst in der Kulturzeitschrift "Lettre" über den Jugendstil bzw. über den Art Nouveau-Stil, dass dieser die letzte europaweite Kunstrichtung gewesen sei, dessen Präsenz in Moskau ebenso dokumentiert ist, wie in Wien, Helsinki, Barcelona oder Riga. Insbesondere in Richtung Osteuropa hält Schlögel fest: "Das östliche Europa ist zum Schauplatz einer zweifachen Niederlage der bürgerlich-liberalen Lebensform geworden. Erst durch den Kommunismus, dann den Nationalsozialismus - oder umgekehrt. Beide hassten den Jugendstil. Die Nazis schlugen die Ornamente am Hofatelier Elvira in München ab, die Kommunisten verteufelten ihn als den Stil der "decadence" schlechthin und machten Schechtels Villa zur Szene für den großen Auftritt des Diktators in Sachen "Sozialistischer Realismus", um später selber eine gewalttätige Synthese im Zuckerbäckerstil zu versuchen." Viele Bauobjekte dieser stilprägenden Epoche, die etwa zwischen 1890 und 1910 anzusetzen ist, sind heute vergessen, mitunter auch in einem verwahrlosten Zustand. Im Rahmen des noch bis 2004 laufenden EU-Projektes "Reseau Art Nouveau Network", an dem derzeit 14 EU-Städte mit einem bedeutenden Jugendstil-Erbe mitarbeiten, treffen nun kommenden Donnerstag und Freitag (24. u. 25. Oktober) Experten aus mehreren europäischen Ländern in Wien zusammen, um diverse Fragen der Restauration, der Finanzierung, aber auch der kunsthistorischen Bewertung und Einordnung zu diskutieren. Ein weiterer Schwerpunkt des EU-Projektes ist die Zusammenstellung einer großen Art Nouveau-Schau, die in Form einer Wanderausstellung im Jahr 2005 auch in Wien zu sehen sein wird.

Art Nouveau: Verschiedene Stile, ähnliche Geisteshaltungen

Der Art Nouveau, der im deutschsprachigen Raum, speziell aber in Wien mit dem Jugendstil gleichgesetzt wird, unterscheidet sich mitunter deutlich in seiner architektonisch-künstlerischen Umsetzung, geistig verband aber viele Protagonisten dieser oftmals alltagsumfassenden Theorie eine Haltung, die in die Geschichte unter dem Begriff der "Lebensreform" eingegangen ist. Für Wien kann hierfür einerseits die "Secession" zitiert werden, aber ebenso muss gleichzeitig auch an die 1903 errichtete "Wiener Werkstätte" von Josef Hoffmann erinnert werden. Im kunsthandwerklichen Bereich ist ebenfalls auch an die "Glasgow School of Art" zu erinnern, die Ende des 19. Jahrhunderts in Schottland begründet wurde. Eine weitere Gemeinsamkeit des Art Nouveau, war dessen Erfolg beim und tatkräftige Unterstützung durch das liberale europäische Bürgertum der Jahrhundertwende. Ein drittes Merkmal ist in der Verwendung von seinerzeit modernen Baumaterialien, wie Aluminium oder etwa Eisenbeton zu erkennen.

Das Colloquium findet in englischer oder französischer Sprache statt. Ort des Fachgespräches über den "Glücksmoment eines glücklicheren Europas" ist das Architekturzentrum Wien im Museumsquartier. Am 24. Oktober beginnt das Colloquium um 14 Uhr. Teilnahmegebühr: EUR 30.

Weitere Informationen über das EU-Projekt:
http://www.artnouveau-net.com/ .(Schluss) hch/

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