"Konsument"- Analyse: Erkältungsmittel

Monopräparate wirken besser als Allround-Mittel. Nutzen mancher Inhaltsstoffe nicht belegt. Kein vorbeugender Effekt bei stark beworbenen Sonnenhut- und Vitamin C-Präparaten erwiesen.

Wien (OTS) - Erkältungsmittel aus der Apotheke avancieren in der nasskalten Jahreszeit zum Kassenschlager. "Konsument" nimmt in seiner November-Ausgabe die populärsten rezeptfreien Produkte gegen Erkältungskrankheiten unter die Lupe und bewertet anhand ihrer Wirkstoffe deren Zweckmäßigkeit. Das Ergebnis zeigt, dass nur ein geringer Teil grundsätzlich zweckmäßig ist. Tatsache ist, dass der grippale Infekt zu 90 Prozent von Viren ausgelöst wird und kein Grippe- oder Erkältungsmittel dagegen wirkt. Diese Mittel können Beschwerden nur lindern. Besonders kritisch äußert sich "Konsument" zu den stark beworbenen Sonnenhut- und Vitamin C-Präparaten.

Aus der breiten Palette an rezeptfreien Erkältungsmitteln aus der Apotheke hat "Konsument" schmerzstillende und fiebersenkende Präparate, Mittel zum Einreiben, Schnupfen- und Hustenmittel, Erkältungstees und Homöoptathika anhand ihrer Wirkstoffe bewertet. Mit folgendem Ergebnis:

1. Schmerzstillende und fiebersenkende Mittel: Monopräparate (Produkte mit nur einem Wirkstoff) sind bei den entsprechenden Symptomen zweckmäßig, wenn sie eine der folgenden Substanzen enthalten: Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder Ibuprofen. Bei Magenbeschwerden, im Kindesalter und bei älteren Menschen sollte wegen möglicher Nebenwirkungen Paracetamol bevorzugt werden. Kombinitationspräparate sind wenig sinnvoll, weil die Zusammensetzung häufig nicht plausibel ist. Der Nutzen einiger Inhaltsstoffe ist fragwürdig, und gelegentlich sind einzelne Substanzen zu schwach. So ist nicht erwiesen, dass Vitamin C (Ascorbinsäure) einen therapeutischen oder vorbeugenden Effekt hätte. Trotzdem werden Erkältungspräparate mit Vitamin C-Zusatz stark beworben.

2. Schnupfenmittel: Tropfen oder Sprays sind, wenn eine schleimhautabschellende Wirkung erforderlich ist, sinnvoll.

3. Hustenmittel: Hustenstiller (Marke Silomat) sind bei trockenem Husten empfehlenswert. Hustenlösende Mittel, die teilweise schleimlösend wirken, werden mit Einschränkung empfohlen: Die Wirkung gegen Hustenreiz ist gering.

4. Mittel zum Einreiben: sind beliebt, aber umstritten. Bei Babys und Kleinkindern ist davon abzuraten, denn sie enthalten oft Menthol, Kampfer, Fichtennadel oder Eukalyptusöl. Diese Substanzen sind besonders bei kleinen Kindern gefährlich, weil sie von Atemwegsstörungen bis zu -stillstand führen können. Außerdem kommt es vor, dass an den Einreibestellen pustelartige Ausschläge auftreten.

5. Erkältungstees: gibt es sowohl im Beutel als auch lose. Mischungen aus mehr als drei Heilpflanzen sind wenig sinnvoll.

6.Homöopathika und Anthrosophika: über Nutzen und Sinnhaftigkeit der Zusammensetzungen fehlen ebenfalls seriöse Nachweise. Gegen die Einnahme ist wenig einzuwenden, zu viel sollte man sich davon nicht versprechen.

Die stark beworbenen Sonnenhut-Präparate (Echinacea) haben ebenso wie Vitamin C keinen vorbeugenden Effekt. Bei Systemerkrankungen wie Tuberkulose, Leukosen, Kollagenosen, multipler Sklerose sowie bei HIV-Infektion, Aids oder anderen Autoimmunerkrankungen sollte man wegen möglicher Risiken nicht nach Sonnenhut greifen.

"Konsument"-Tipp: Kosten sparen kann man besonders bei schmerzstillenden und fiebersenkenden Mitteln. Denn gerade bei den ASS (=Acetylsalicylsäure) gibt es bemerkenswerte Preisunterschiede. So kosten zum Beispiel 20 Tabletten zu 500 mg von ASS ratiopharm 1,25 Euro, die gleiche Menge Aspirin-Tabletten mehr als doppelt so viel! Um das Sechsfache teurer kommt der Wirkstoff, wenn er in Form von Brause konsumiert wird. Aspirin+C Brausetabletten kosten bei nur 400 mg 7,20 Euro!

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